Die Fastenzeit in der Familie gestalten

Gutes tun und Stille spüren

Sinnliche Erfahrungen prägen sich bei Kindern besonders ein. Das gilt auch für die Vorbereitung auf Ostern. Die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Karsamstag kann Anlass sein, als Familie den Dreiklang des christlichen Fastens von Verzicht, Geben und Besinnung zu erleben.

 

Mehr im Haushalt zu helfen, könnte ein Vorsatz für Kinder sein, den sie altersgerecht in der Fastenzeit versuchen, umzusetzen. Foto: fotolia

Die Luftschlangen von Karneval verbrennen schnell in der Metallschale. Zurück bleibt feine Asche. Fasziniert schauen die Kinder zu, obwohl sie genau wissen, was gleich kommt. Der Korken einer Weinflasche wird in den Ruß gedrückt und damit vorsichtig jedem Einzelnen ein Kreuzzeichen auf die Stirn gezeichnet. „Das hat bei uns Tradition an Aschermittwoch“, berichtet Robert Benkert,  Referent für Familienbegleitung im Erzbischöflichen Ordinariat München. Einführende Worte könnten sein: „Heute beginnt die Fastenzeit, die uns einlädt, ruhig zu werden und nachzudenken über Gott und uns.“

Danach geht es in seiner Familie oft um die Fastenvorsätze und worauf jeder in diesem Jahr achten möchte. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Etwa: Bestimmte Ausdrücke nicht mehr zu sagen, morgens zehn Minuten eher aufzustehen, damit der Tag nicht so hektisch startet, oder mehr im Haushalt zu helfen. Wichtig ist für Benkert, dass die Vorschläge kindgemäß, selbst gewählt, und die Ziele nicht zu hochgesteckt sind.

„Da sollte kein Druck aufgebaut werden, um die Motivation, mal etwas anders zu machen und zu experimentieren, nicht zu schmälern. Selbst wenn Kinder sich nur einzelne Tage vornehmen oder zwischendurch eine Woche pausieren.“ Gerade weil heutzutage so vieles selbstverständlich ist, stelle es eine intensive Erfahrung dar, Verzicht auszuhalten. „Das macht stolz und stark“, versichert  der Theologe. Die Familie könne zudem gemeinsame Pläne schmieden, zum Beispiel mehr zu Fuß zu gehen anstatt immer das Auto zu benutzen, oder nicht ständig das Radio laufen zu lassen, um Stille bewusster zu spüren.

„Ohne Karfreitag kein Ostern“, sagt Robert Benkert überzeugt. Nur durch die Passionsgeschichte ist seiner Meinung nach die frohe Botschaft der Auferstehung überhaupt zu verstehen. „Kinder wollen alles über Jesus wissen“, ist sich der dreifache Vater sicher. „Sie solidarisieren sich mit ihm und sind voller Anteilnahme.“ Zum Vorlesen und Betrachten der Illustrationen rät der Pastoralreferent zu Büchern wie „Die Ostererzählung“ von Rainer Oberthür (Gabriel Verlag) sowie „Jesus in Jerusalem“ und „Jesus ist auferstanden“ aus der Reihe „Was uns die Bibel erzählt“ (Deutsche Bibelgesellschaft).

Mit älteren Kindern mache es Spaß, zusammen am Computer im Netz zu forschen. Beim Überlegen von Suchbegriffen und dem Lesen der Ergebnisse entwickle sich häufig ein spannender Austausch über wichtige Fragen des Lebens. Für Jugendliche seien die Misereor-Fastentipps als Leitschnur anregend. Sie finden sich im Internet unter www.jugendaktion.de/fasten-tipps/.

Ein Gebetswürfel mit eigenen Vorsätzen

Die Vorbereitung auf Ostern ermöglicht es Eltern, zu vermitteln, dass nach jedem großen Leid bessere Zeiten folgen. „Und das Schöne ist: Es gibt ein gutes Ende. Wir können Hoffnung haben auf das ewige Leben“, ermuntert Martina Kreidler-Kos, Diözesanreferentin für Frauenseelsorge im Bistum Osnabrück. Die Fastenzeit steht in ihrer Familie im Zeichen der Nächstenliebe und des Verzichts. Gute Erfahrungen hat die Theologin mit einem abgewandelten Gebetswürfel gemacht. „Wir bekleben die sechs Seiten mit eigenen Vorsätzen.“ Dort könnte stehen: „Keine Süßigkeiten“, „Kein Fernsehen“, „Eine gute Tat“, „Keine Computerspiele“, „Gemeinsam beten“, „Kein Streit“. Immer wieder würfelt ein anderes Familienmitglied das Motto. Damit sich jeder an den Vorsatz erinnert, findet der Würfel sichtbar für alle im Wohnzimmer seinen Platz. Und das eingesparte Geld für Süßigkeiten wandere direkt in eine Spardose für die Kollekte bei der Ostermesse.

„Gerade für die Jüngsten ist es nicht einfach, sich die lange Zeit vorzustellen“, weiß Theologe Benkert. Wie im Advent erweise sich da ein Kerzenweg als gutes Mittel, „um Kindern den Countdown auf Ostern bildlich vor Augen zu führen“. Mit dunkelfarbigen Lichtern für die sechs Fastensonntage und der prächtigen Osterkerze am Ende.

Am stärksten werde die Passionszeit für Kinder in der Karwoche begreifbar. „Sie hat alles zu bieten: Himmel und Hölle, Auf und Ab“, betont der Experte. Die letzten Lebenstage Jesu auf Erden geben eine klare Orientierung für das Geschehen in der Familie. So lädt der Sonntag vor Ostern  ein, Palmsträuße zu basteln. „Wir schließen uns Palmsonntag gern einer Prozession an“, erklärt Benkert. „Das gefällt den Kindern.“

Auch das Essen sollte nicht zu üppig sein. Für Gründonnerstag empfehlen sich Pfannkuchen mit Kräuterquark oder eine Gemüsesuppe mit Kräutern, für Karfreitag ein bescheidenes Gericht ohne Fleisch. „An diesem Tag fühlen wir besonders mit Jesus“, sagt Theologin Kreidler-Kos. Daher sollte Lärm vermieden werden. In ihrer Familie wird Karfreitag die Osterkerze gebastelt. Aus Wachsplatten könnten Kinder ein rotes Kreuz formen sowie die griechischen Buchstaben Alpha und Omega für Anfang und Ende. Theologe Benkert hält viel von einer kindgemäßen Karliturgie. „Sonst bin ich bescheiden mit Appellen, zur Kirche zu gehen, aber der Karfreitaggottesdienst kann in seiner Schlichtheit ohne Glocken und Orgelspiel sowie mit dem imposanten Auslöschen der Jesus-Kerze so ergreifend sein wie kein anderer.

Und endlich kann an Karsamstag die Vorfreude auf das älteste christliche Fest genossen werden, indem Eier ausgepustet, bemalt und an den Strauch gehängt oder Karten für die Ostertafel gebastelt werden. Höhepunkt ist natürlich der Ostersonntag, an dem die Kinder den Kontrast zu den Wochen davor erleben. Die Stimmung ist fröhlich, es werden Geschenke gesucht, Blumen zieren den Tisch, und zu allen Mahlzeiten brennt die Osterkerze. Das helle Licht zeigt, dass die Zeit der Dunkelheit vorbei ist. Die eindeutige Botschaft von Ostern lautet: Jesus ist auferstanden, das Leben hat über den Tod gesiegt.

Heike Sieg-Hövelmann

 

 

Merksatz für die Fastensonntage

Wahre Zungenbrecher stellen die Namen der Fastensonntage in Kirchenlatein dar. Doch es gibt einen alten Trick, wie sich schon Kinder die Bezeichnungen einprägen können. Der einfache Merksatz lautet: „In rechter Ordnung lerne Jesu Passion“. Dazu muss man wissen, dass die Sonntage nach den ersten Worten der Wochenpsalmen in der alten Kirchensprache benannt sind:
1. Fastensonntag – „Invocavit“ (Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören; Psalm 91,15).
2. Fastensonntag – „Reminiscere“ (Denk an dein Erbarmen, Herr; Psalm 25,6).
3. Fastensonntag – „Oculi“ (Meine Augen schauen stets auf den Herrn; Psalm 25,15).
4. Fastensonntag – „Laetare“ (Freut Euch mit Jerusalem!; Jesaja, 66,10).
5. Fastensonntag – „Judica“ (Verschaff mir Recht, o Gott; Psalm 43,1).
6. Fastensonntag – „Palmarum“ (Erhöre mich, Herr; Psalm 69, 17-19). (hsh)