14.04.2017

"Einfach gemeinsam beten"

Handy hilft beten

Binnen weniger Wochen haben sich in ganz Deutschland mehrere Tausend zumeist junge Menschen zu einem Gebetsnetzwerk formiert. Zusammengehalten wird „Einfach gemeinsam beten“ über WhatsApp.


Foto: kna
Das Handy hat der moderne Mensch immer und überall dabei. Beten kann man ebenfalls immer und überall ...
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So etwas ist mittlerweile selten im katholischen Raum. Eine Initiative, die wächst, gedeiht und blüht. Erst im Januar des Jahres in Augsburg entstanden, hat das Projekt „Einfach gemeinsam beten“ – das sind regionale Gebetsgruppen, die sich über WhatsApp organisieren – bereits rund 2500 meist jugendliche Mitbeter gefunden. 

Nach Angaben von Jugendpfarrer Daniel Rietzler, dem Gründer des Gebetsnetzwerks, gibt es inzwischen über ganz Deutschland verteilt etwa 140 Gruppen mit bis zu 30 Teilnehmern. Sogar in Hamburg, Lübeck, Berlin und Österreich seien zuletzt regionale Gemeinschaften entstanden. In Rom haben sich ein paar deutschsprachige Studenten der Initiative angeschlossen.

 

Der perfekte Weg, Leute direkt anzusprechen

Johannes Steber, ein sogenannter Netzwerker der Initiative, erklärt sich den Erfolg damit, dass heute fast jeder permanent ein Handy bei sich trägt und zudem den Messengerdienst WhatsApp nutzt. „Es ist der perfekte Weg, um Leute direkt anzusprechen“, sagt der Sekretär von Augsburgs Bischof Konrad Zdarsa. Bereits mit seinem Internetportal „Credo Online“ hatte das Bistum Augsburg zuletzt gute Erfahrungen gemacht.

Ziel der Initiative ist es, möglichst viele Menschen über regionale WhatsAppgruppen mit einfachen Hilfestellungen im Gebet zu unterstützen. Über einen zentralen Verteiler empfangen die Netzwerker wie Steber ein „Audiofile“. Diese Tondokumente mit kurzen biblischen Impulsen, die zumeist von Ordensleuten und Priestern, aber auch von engagierten Laien gesprochen werden, verteilen sie dann an ihre Regionalgruppe weiter.

 Rund 15 Minuten sollte dabei jeder Beter täglich beten, und die Anregungen oder Fragen zu dem Impuls für sich meditieren. Damit die einzelnen Handygruppen nicht zu unverbindlich blieben, empfehlen die Initiatoren regelmäßige Zusammenkünfte in der wirklichen Welt. Die Gruppe von Steber hat vereinbart, sich alle zwei, drei Monate zum Erfahrungsaustausch zu treffen. „Wir wollen niemand überfordern“, sagt er.

Entstanden ist die Idee auf dem Weltjugendtag im Juli 2016 in Krakau. Dort hat sie Rietzler, der Jugendpfarrer der Dekanate Neu-Ulm und Günzburg, zusammen mit ein paar Freunden aufgegriffen und rasch in die Tat umgesetzt. Ursprünglich war „Einfach gemeinsam beten“ nur für junge Menschen gedacht. Da jedoch schnell etliche Erwachsene interessiert waren, wurde die Initiative im März auf Menschen über 35 ausgeweitet. 

Das Ganze ist ein bewusst niedrigschwelliges Angebot. Niemand muss. Jeder darf. „Es haben sich inzwischen auch schon ein paar Leute angemeldet, die mit Kirche kaum etwas am Hut haben“, sagt Steber. Auch ein paar Abmeldungen gab es schon. Doch insgesamt geht der Trend eindeutig nach oben. Auch für sich selbst empfindet Steber die täglichen WhatsApp-Nachrichten als Gewinn. Es hilft ihm, spirituell am Ball zu bleiben. 

 

Abends noch kurz auf den Tag zurückblicken

Neben dem regelmäßigen morgendlichen Gebet wird den Teilnehmern empfohlen, abends noch kurz auf den vergangenen Tag zurückzublicken. Ähnlichkeiten mit dem Gebet der liebenden Aufmerksamkeit von Ignatius von Loyola sind sicher nicht ganz zufällig. 

Natürlich ist auch ein Gebet per WhatsApp kein Selbstläufer. Einige Teilnehmer verlieren in der Hektik des Alltags ihre festen Gebetszeiten – trotz täglicher Erinnerung – schon mal aus den Augen, wie jüngst die Bloggerin Liesi zu Stolberg gestand. Wieder andere hören die Tondatei nur husch, husch, auf der Fahrt zur Schule, Uni oder Arbeit. Aber selbst das ist besser als nichts. Zumal in Zeiten, in denen der christliche Glauben auch in unserem Land immer rascher immer schneller seine nährenden Wurzeln verliert.

 

Zur Sache: So kann man mitmachen

Mitmachen kann bei der Initiative jeder. Jugendliche, die in ihrer Gemeinde oder Region eine WhatsApp-Gebetsgruppe eröffnen wollen, wenden sich bitte an die Telefonnummer 0176 / 87 20 28 38 oder senden eine E-Mail an daniel.rietzler@bistum-augsburg.de (für Erwachsene gelten folgende Kontaktdaten: 0152 / 21 03 15 61, E-Mail: Gebetsnetz@credo-online.de). Einmal als sogenannter Netzwerker bei „Einfach gemeinsam beten“ registriert, bekommt der Leiter einer Regionalgruppe täglich eine Tondatei über WhatsApp zugesandt, die er dann rechtzeitig an seine Gruppe weiterreicht.

Von Andreas Kaiser