Katholik macht im Internet gegen Seitensprung-Mentalität mobil

Im Namen der Liebe

Immer mehr Menschen beziehen ihr Selbstwertgefühl aus unverbindlichen, sexuellen Abenteuern, so scheint es. Im Internet boomen Singlebörsen und Seitensprungagenturen. Eine wohltuende Alternative zum schnellen Sex-Trend bietet die Seite „Statt-Seitensprung.de“.

Engagiert sich sich im Netz für die Familie
und Treue: Johannes Faupel (Foto:privat)

Wer bei Google den Begriff „Seitensprung" eingibt, bekommt in 0,19 Sekunden 7.680.000 Ergebnisse um die Ohren gepfeffert. Tendenz steigend. „Immer mehr Menschen versuchen heute, sich durch eine Affäre selbst aufzuwerten“, sagt Johannes Faupel. Der 46-Jährige ist Katholik, Werbetexter, Webseitengestalter und lässt sich seit einiger Zeit zum Heilpraktiker mit dem Schwerpunkt Psychotherapie fortbilden. Im Februar des Jahres hat er die Seite „Statt-Seitensprung.de“ online gestellt und damit, „wie selten zuvor in meinem Leben die drei Bereiche Profession, Glauben und Leidenschaft zusammengebracht“, sagt er.

Den Anstoß, sich näher mit dem Thema auseinanderzusetzen, gab Faupel ein befreundetes Ehepaar, das an „den Verlockungen des Internets“ fast zerbrochen wäre. Vor allem für labile Menschen oder Paare in schwierigen Lebensphasen sei die extrem hohe Verfügbarkeit von Fremdgeh-Angeboten im Internet gefährlich, sagt der Mann aus Frankfurt am Main. Dem Reiz, begehrt zu werden, können offenbar immer weniger widerstehen. „Doch es kostet wesentlich mehr Mut, einen fremden Menschen auf der Straße anzusprechen, als sich schnell mal nach Feierabend in das Profil eines anderen Seitensprungwilligen reinzuklicken.“

Kein Blog mit erhobenem Zeigefinger

Seine Seite versteht Faupel, der selbst seit 22 Jahren verheiratet ist, weniger als Blog mit erhobenem Zeigefinger, als vielmehr einen Ratgeber, auf dem Suchende - den modernen Suchmaschinen sei Dank - zumeist ohne es zu wollen, kurz reinschnuppern, bevor sie ihr Ansinnen nach einem Seitensprung womöglich in die Tat umsetzen. Wie der engagierte Christ anhand seiner Logfiles erkennen kann, kommen die meisten Besucher eher aus Versehen bei ihm vorbei. „An meiner Seite bleibt man hängen, wie an einem Nagel, an dem man sich im Vorübergehen einen Faden aus der Jacke reißt.“ Zudem ist sich Faupel sicher: Für alle Menschen, die in einer langjährigen Partnerschaft leben, wird die Suche nach einem One-Night-Stand vor allem eins: „Sie wird in die Leere führen: in die innere Leere.“ In einer Beziehung oder Ehe muss man auch bereit für Trockenzeiten sein.

Natürlich weiß der angehende Heilpraktiker, dass sein Angebot angesichts immer neuer Seitensprung-Portale mit mehr oder weniger schönfärberischen Namen wie „Love Point“ oder „First Affair“ nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. „Doch wenn meine Seite nur eine einzige Frau oder einen einzigen Mann davon abhält, womöglich eine Familie zu gefährden, dann hat sich der Aufwand schon gelohnt“, sagt Faupel.

Ihr Webreporter Andreas Kaiser