Osnabrücker Pilger wandern nach Santiago de Compostela

Immer der Jakobsmuschel nach

Ein Weg, 74 Pilger und fast 300 Kilometer in zehn Tagen: Eine Gruppe aus dem Bistum Osnabrück wanderte nach Santiago de Compostela.

Frühmorgens los, noch mit Taschenlampe, und dann in den Sonnenaufgang hinein – so sind sie oft gewandert auf ihrer Pilgertour nach Santiago. Und haben dabei viel gesehen und erlebt: Sonnenstrahlen, die durch den Nebel brechen, kühle Eichenwälder, Schotterpfade, die stetig bergan gingen, Heidelandschaft und kleine Dörfer. So ging es voran, Schritt für Schritt, auch wenn der Rucksack drückte und die Blasen an den Füßen schmerzten. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so anstrengend werden würde“, sagt Christoph Hülsmann aus Bersenbrück  „aber ich bin froh, es geschafft zu haben.“

Der 19-jährige Christoph ist einer von 74 Pilgern aus dem Bistum Osnabrück, die im September auf dem spanischen Jakobsweg gewandert sind. Von Emsbüren aus, wo sie mit Bischof Franz-Josef Bode einen Gottesdienst gefeiert hatten, brachte ein Reisebus sie nach Spanien. Die Pilger im Alter zwischen 18 und 72 Jahren starteten an drei verschiedenen Orten. Am Ende mussten alle das Ziel, Santiago de Compostela, erreicht haben. Der gelbe Pfeil und die Jakobsmuschel wiesen den Weg.

David Thale und Christoph Hülsmann aus Ankum (Foto oben) hatten die 277 Kilometer lange Route ab Astoria gewählt. Die beiden sind Gruppenleiter im Dekanat Osnabrück-Nord und waren zusammen mit Christian Thien, Dekanatsjugendreferent in Ankum, auf dem Jakobsweg unterwegs. Zusammen unterwegs heißt: Man bricht zusammen auf, geht eine Weile gemeinsam, in Sichtweite hintereinander, und oft findet man im Laufe des Tages mit anderen Pilgern zusammen. Denn jeder wandert in seinem eigenen Rhythmus, dadurch sind die Pilger unterschiedlich schnell. Oft ergeben sich gute Begegnungen und Gespräche, unterwegs und abends beim Essen.

Und auch sich selbst lernten die Pilger besser kennen. „Die ersten Tage war es wirklich schwer. Alles tat weh, Muskeln und Bänder“,  berichtet David Thale. Auch er ist froh, dass er die zehntägige Wanderung geschafft hat. Die Pilgermesse in Santiago sei eine Belohnung für alle Strapazen gewesen. Noch bewegender sei allerdings die Messe gewesen, die alle Pilger aus dem Bistum gemeinsam in einer Seitenkapelle der Kathedrale gefeiert hätten, zusammen mit Pastor Hartmut Sinnigen, Rektor der LandvolkHochschule in Oesede.

Landschaft verändert sich

Mechtild Raske (46) aus Bramsche pilgerte zusammen mit ihrem Mann Godehard. Raskes erfüllten sich ihren Traum, einmal den Jakobsweg zu gehen und waren beeindruckt. Alle zwei, drei Tage verändere sich die Landschaft, erzählt Mechtild Raske, der Weg sehe immer wieder anders aus. Mal wanderte sie auf rötlichem, zertretenem Stein, dann wieder auf Schiefer, der aussah wie Rindenmulch. Einige Proben davon hat sie gesammelt und mitgebracht, ebenso wie Eukalyptusblätter, Pinienzapfen und die Flechten, die wie dichtes Moos an den Bäumen wachsen.

Zu diesen Sammlerstücken kommen die Erinnerungen an Begegnungen mit anderen Menschen, zum Beispiel an Josefina, die in ihrem Garten stehend, den täglichen Pilgerstrom begrüßt, oder an den Belgier, der meinte, dieser Hape Kerkeling habe den Weg kaputtgeschrieben – seitdem müssten sich die richtigen  Pilger den Pfad mit Touristen teilen.

„Es gibt kein richtig oder falsch beim Pilgern“, meint dagegen Christian Thien, der zusammen mit Thomas Warmbold und Hartmut Sinnigen die Fahrt und das Pilgerheft vorbereitet hat. Jeder könne den Weg auf seine eigene Art gehen.  Und jeder nehme anschließend für sich selbst etwas mit. „Gerade die Menschen, die machen den Weg aus“,  sagt Thien.

Andrea Kolhoff