02.08.2017

Wichtige Entscheidungen in der Bibel

Immer wieder Berge

Berge sind hoch und erhaben. Deshalb galten sie in vielen Kulturen als heilige Orte. Kein Wunder also, dass auch im Alten und im Neuen Testament wichtige Gotteserfahrungen auf Bergen gemacht werden. Wie die Verklärung Jesu.


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Der Tabor gilt als der Berg, auf dem die Verklärung Jesu stattgefunden haben soll. Foto: istockphoto


Noah und der Ararat

Der Ararat wird wird im Buch Genesis ausdrücklich erwähnt – allerdings als Gebirge nicht als einzelner Gipfel. In diesem Gebirge, Teil des armenisches Hochlands in der heutigen Türkei nahe der Grenze zu Iran, setzte die Arche Noahs „am siebzehnten Tag des siebten Monats“ (Genesis 8,4) der großen Flut auf. Es dauerte bis zum „ersten Tag des zehnten Monats“ bis das Wasser so weit abgelaufen war, dass die einzelnen Gipfel sichtbar wurden und noch länger, bis Gott den Noah, seine Familie und alle Tiere aus der Arche herausrief. So wurde der Berg nicht nur zum Symbol der Rettung, sondern auch der Begegnung mit Gott und Noah baute auf dem Berg „dem Herrn einen Altar“ (Genesis 8,20).

Generationen haben auf dem Ararat nach Resten der Arche gesucht. Seit den 1960er Jahren galt ein bootsförmiger Fels auf einer Bergflanke als die versteinerte Arche Noah. Selbst die Länge des Objekts soll mit den Maßen, die im Buch Genesis (6,15) genannt werden übereinstimmen: 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch. Der Stein war seither eine beliebte Pilgerstätte.

Allerdings hielt die Vermutung neueren geologischen Untersuchungen nicht stand. Der Stein, so steht heute fest, ist mindestens fünf Millionen Jahre alt. Zu dieser Zeit übten die Vorgänger des heutigen Menschen gerade den aufrechten Gang. An Schiffsbau kein Gedanke.

 

Mose, der Horeb und der Sinai

Auch Mose machte seine wichtigsten Gotteserfahrungen auf Bergen. Zwei Berge werden dabei in der Bibel namentlich genannt: der Sinai und der Horeb, beides Erhebungen in der Wüste, die das Volk Israel bei seinem Weg ins „gelobte Land“ durchqueren musste; manche Forscher sagen, dass es möglicherweise auch nur zwei Namen für ein und denselben Berg sind.

Am Horeb (hebr.: Dürre) soll Mose nach Exodus 17,6 in der Zeit des großen Durstes auf Gottes Befehl hin Wasser aus dem Felsen geschlagen haben. Wichtiger ist aber die viel früher spielende Geschichte vom „brennenden Dornbusch“, die ausdrücklich am „Gottesberg Horeb“ verortet wird (Exodus 3,1). Hier offenbart sich Gott („Ich bin der Ich-bin-da), hier kündigt er an, sein Volk aus Ägypten herauszuführen.

Der Name Sinai wird sowohl für die große Wüste zwischen dem Golf von Aqaba und dem Golf von Suez gebraucht als auch für einen Berg. „Im dritten Monat nach dem Auszug der Israeliten aus Ägypten kamen sie in der Wüste Sinai an ... Dort lagerte Israel gegenüber dem Berg (Exodus 19,1-2). Mose, so heißt es weiter,  „stieg zu Gott hinauf“ und Gott stieg „auf den Berg Sinai hinab“ (19,18-20)
und übergab Mose die Steintafeln mit den Zehn Geboten. Auch der Bundesschluss zwischen Gott und Israel fand etwas später auf diesem Berg statt (Exodus 24).

Heute werden Pilgern Wanderungen auf den über 2000 Meter hohen „Mosesberg“ angeboten. Tatsächlich aber ist „der Berg Sinai“ eine ganze Gebirgskette – und ein Gipfel ist so gut wie der andere. Aber wer jemals einen erwandert hat, wird spüren, dass man sich Gott dort oben wirklich näher fühlen kann als unten im platten Land.

 

Jesus, der Tabor und der Ölberg

Nach Darstellung der Evangelien spielten Berge im Leben Jesu eine große Rolle. Das heutige Evangelium von der „Verklärung Jesu“ ist ein Beispiel dafür. Typisch ist, dass hier wie anderswo kein spezieller Berg genannt wird („... nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg“). Da Israel insgesamt recht bergig ist, ließen die Evangelisten offen, welcher konkrete Berg gemeint ist.

Die Tradition hat aber früh den Berg Tabor (hebr.: Hügel) als „Berg Jesu“ ausgemacht. Das lag nahe, weil der knapp 600 Meter hohe, 18 Kilometer westlich des Sees Gennesaret gelegene Berg in der Jesreel-Ebene tatsächlich eine imposante Erscheinung ist. Er hat schon in der Geschichte Israels daher als dermaßen heiliger Berg gegolten, dass man seinen Namen nicht nennen musste. Auf den Tabor zogen sich etwa die frühen Israeliten im Kampf gegen die Kanaaniter zurück und errangen einen der ersten großen Siege (Richter 4,6.12-16).

Die Vermutung, dass der Tabor für Jesus eine wichtige Rolle spielt, lag deshalb nahe. Und so wird nicht nur die Verklärung dort verortet, sondern auch die letzte Erscheinung Jesu nach seiner Auferstehung, wie Matthäus sie schildert: „Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte ...“ (28,16). Auch hier ist kein konkreter Berg genannt, aber die Tradition lokalisiert die Szene auf dem Tabor.

Ein zweiter wichtiger Berg im Leben Jesu war der Ölberg. Er liegt einen Kilometer (einen „Sabbatweg“) östlich von Jerusalem; zwischen ihm und der hochgelegenen Stadt liegt das tief eingeschnittene Kidrontal, auf der Rückseite ist der für Jesus wichtige Ort Betanien.

Während der Ölberg (den Namen hat er wegen der vielen angepflanzten Ölbäume bekommen) im Alten Testament fast nie erwähnt wird, spielt er im neuen Testament eine wichtige Rolle: Vom Ölberg her zog Jesus vor seinem Leiden in Jerusalem ein, die Nächte vor seinem Leiden verbrachte er dort im Gebet, dort wurde er gefangengenommen. Allerdings scheint es so, dass beim Ölberg weniger sein Charakter als „hoher Berg“ ausschlaggebend war, sondern er eher ein „Ort der Ruhe“ nahe der schon damals unruhigen Stadt Jerusalem war. Er war ein „Lieblingsort“ Jesu, weniger ein traditionell „heiliger Berg“.

Religiös bedeutsam wird er für Christen, weil nach der Darstellung des Lukas in der Apostelgeschichte Jesus eben von seinem Lieblingsort aus zu seinem Vater in den Himmel ging. Bereits im 4. Jahrhundert wurde hier eine Kirche gebaut, die an die Himmelfahrt Jesu erinnert. Matthäus scheint beim Abschied eher an den Tabor gedacht zu haben.

Von Susanne Haverkamp