Hilfswerk der Schwester Hatune hilft ISIS-Opfern

"Jesus ist mein Bodyguard"

Hatune Dogan musste als junges Mädchen aus ihrer Heimat, der Türkei, flüchten. Heute hilft die syrisch-orthodoxe Ordensfrau Notleidenden in aller Welt. Besonders am Herzen liegen ihr die Opfer der islamistischen Terrororganistation ISIS. Am 24. Juni kommt sie nach Osnabrück.

Die syrisch-orthodoxe Schwester Hatune Dogan aus Warburg engagiert sich mit ihrem Hilfswerk für Notleidende Menschen in vielen Regionen der Erde. Foto: Eckhard Pohl

„Es gibt wohl keinen Menschen auf der Welt, der so viel Leid gesehen hat wie ich“, sagt Hatune Dogan. Sie war bei den Aids-Waisen in Afrika, bei den Lepra-Kranken in Nepal und den Müllmenschen in Ägypten. Und in jüngster Zeit besucht sie immer wieder die Menschen im Nahen Osten, die Opfer der islamistischen Terrororganisation ISIS sind. Das Leid, dem sie dort begegnet, hat noch einmal eine ganz andere Dimension. „Ich habe keine Tränen mehr“, hat sie in letzter Zeit in mehreren Interviews geäußert.

Ihre Botschaft: Helft diesen Menschen

Fast unvorstellbar sind die Gräueltaten, die von der ISIS verübt werden: Menschen, denen die Gesichter zerschnitten werden. Kinder, die zusehen müssen, wie ihrer schwangeren Mutter der Fötus aus dem Leib geschnitten wird. Christen, die gekreuzigt werden oder denen Blut für die verwundeten ISIS-Soldaten abgezapft wird ... Besonders am Herzen liegen Schwester Hatune die etwa 5000 von der ISIS entführten  Mädchen und jungen Frauen, die verkauft und immer wieder vergewaltigt werden. Ein Mädchen berichtete ihr von 280 Vergewaltigungen in zwei Monaten. Schwester Hatune zeigt Fotos und kurze Videos, die sie bei den Notleidenden zeigen und in denen sie nur eine Botschaft hat: Helft diesen Menschen. Die Bilder zeigen noch etwas: Die Schwester mit ihrer Stiftung hilft nicht nur, materielle Not zu lindern. Sie ist oft auch ein wichtiger Gesprächspartner für die Opfer.

Dass sie nicht nur Geschichte und Theologie studiert hat, sondern auch ausgebildete Krankenschwester, Psychotherapeutin und Seelsorgerin ist, kommt ihr dabei zugute. Aus diesen Gesprächen weiß sie, dass das Leid mitunter so groß ist, dass die Betroffenen als einzigen Ausweg den Selbstmord sehen. 40 vergewaltigte Mädchen haben sich, so berichtet Schwester Hatune, an einem einzigen Tag von einem Felsen in den Tod gestürzt.

Warum ist Schwester Hatune, die 2010 für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, dieses Arbeit so wichtig? Zum einen musste ihre Familie, als Hatune 14 Jahre alt war, selbst vor den Morddrohungen muslimischer Nachbarn aus ihrer türkischen Heimat fliehen. Ein neues Zuhause fanden sie in Deutschland. Zum anderen ist es Jesu Botschaft. Er wird beim Gericht die Menschen danach richten, was sie für die geringsten seiner Brüder getan haben. „Das treibt mich an. Die Politiker reden. Ich bin ein Mensch der Tat.“ Angst, als Christin erkennbar mit dem Kreuz um den Hals und in Ordenstracht in diese Krisenregionen zu gehen, hat sie keine: „Jesus ist mein Bodyguard.“

Die islamische Theologie ist gefragt

Welche Hoffnung hat Schwester Hatune, dass das Leid der Christen im Nahen Osten ein Ende hat? Wenig. Hier sei zuerst der Islam gefordert. Denn der Terror habe durchaus etwas mit dem Islam und dem Koran zu tun. Wie im Christentum gebe es auch bei den Muslimen verschiedene Konfessionen und Gruppierungen. Eine davon seien die fanatischen Fundamentalisten. Solang es Islamischer Theologie nicht gelinge, mit Hilfe historischer Koranforschung die menschenfeindlichen Passagen anders zu deuten, werden islamistische Fanatiker diese Texte weiter zur Begründung ihres Terrors nutzen.

Ihre Erlebnisse und Eindrücke die Ordensfrau bei einem Vortrags- und Gesprächsabend am Mittwoch, 24. Juni, um 19.30 Uhr im „Forum am Dom“ (Domhof 12) in Osnabrück. Der Vortragsabend wird vom „Päpstlichen Missionswerk der Frauen in Deutschland“ und vom Bistum Osnabrück veranstaltet.

(mh/kb)

Weitere Informationen im Internet: www.hatune.de