13.01.2018

Kirchliche Events

Jugend und Kirche? Geht doch!

Im Gemeindealltag sind junge Menschen oft kaum mehr zu sehen. Zu Großveranstaltungen aber strömen sie zu Tausenden – zuletzt zum Taizé-Treffen in Basel und zur „Mehr“-Konferenz in Augsburg. Was kann die Kirche davon lernen? Sind Events der Weg, um die Jugend zu gewinnen?

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Kirche in Bewegung: Junge Menschen lassen sich beim Taizé-Treffen in Basel von afrikanischen Rhythmen mitreißen. Foto: imago


20 000 junge Christen haben zum Jahreswechsel beim Taizé-Treffen in Basel ihren Glauben gefeiert. 11 000 Teilnehmer sind vergangene Woche zur Glaubenskonferenz „Mehr“ nach Augsburg gekommen, auch sie mit durchschnittlich 37 Jahren vergleichsweise jung. Beim Taizé-Treffen ließen sich die Menschen von Kerzen und Stille inspirieren, aber auch von Gesang, Gebeten und Gesprächen. Bei der „Mehr“-Konferenz ließen sie sich von Konzerten und Vorträgen begeistern, von Lobpreisungen, Diskussionen und Gebeten. Wenn solche Veranstaltungen so gut funktionieren, was kann die Kirche für ihren Alltag dann davon lernen? Sind Events der Weg, um in Zukunft wieder mehr junge Menschen für das Christentum zu begeistern?

„Events können Wegmarken sein, sie können bestärken“, sagt Dirk Bingener, der Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Sie könnten jedoch nicht die kontinuierliche Jugendarbeit in den Gemeinden ersetzen. Dort bildeten sich schließlich erst die Gruppen, die dann zusammen nach Taizé fahren: „Wenn wir die Jugend in der Fläche verlieren, dann werden diese Events auch nicht mehr funktionieren.“

Ein Vorbild für die Basis könnten die Großveranstaltungen aber allemal sein, glaubt Bingener: „Kirchliche Jugendarbeit kann von Taizé lernen, wie man ästhetisch und inhaltlich passgenau auf junge Menschen eingeht.“ Zudem sähen junge Christen auf Events, dass sie mit ihrem Glauben nicht allein sind, so der BDKJ-Präses: „In der Kirche haben wir ja manchmal so einen Krisen-Tinnitus, als ob alles auf dem absteigenden Ast wäre. In Taizé erlebt man genau das Gegenteil. Das tut jungen Leuten gut.“


Dirk Bingener: „Wir brauchen immer wieder neue Formate“

Und die jungen Christen können nicht nur in Taizé oder bei der Mehr-Konferenz mitmachen. Sondern auch beim Weltjugendtag, bei der Ministranten-Wallfahrt nach Rom oder bei der 72-Stunden-Aktion des BDKJ. Bingener sagt: „Ich finde es ganz wichtig, dass wir in der Jugendpastoral in Deutschland diese vielfältigen Zugänge haben – weil junge Leute heute vielfältig sind.“ Auch in den Gemeinden sei Vielfalt wichtig, um den Nachwuchs zu begeistern, betont Bingener: „Wir brauchen immer wieder neue Formate in der kirchlichen Jugendarbeit.“

In seiner Pfarrei in Köln etwa, erzählt Bingener, gebe es in der Firmvorbereitung eine Mitwohn-Woche. Jugendliche ab 16 Jahren ziehen vor der Firmung eine Woche gemeinsam ins Pfarrheim. Sie beten und frühstücken zusammen, gehen zur Schule, kommen zurück, machen Hausaufgaben, kochen, sprechen über den Glauben, beten, feiern. Sie spüren eine Woche lang, wie Christen miteinander leben – und was ihre Themen sind, hier und ganz konkret. Sie erleben, dass Kirche ein Ort sein kann, der ziemlich gut zu ihnen passt.

Von Andreas Lesch