Wechsel im Offizialat

Karl Wöste geht in den Ruhestand

Als Offizial, dem Vorsteher des Kirchengerichts, hatte es Karl Wöste vor allem mit Ehenichtigkeitsverfahren zu tun. Aber er war dabei auch ein Seelsorger. Jetzt wird er 75 Jahre alt und geht in den Ruhestand.

Karl Wöste geht als Offizial in den Ruhestand. Foto: Matthias Petersen

Karl Wöste mag keine scharfen Formulierungen. Worte wie Kläger oder Prozess möchte er vermeiden. Lieber spricht er vom Antragsteller oder dem Verfahren, wenn es darum geht, dass jemand die Ungültigkeit seiner Ehe feststellen lassen möchte. „Wenn wir versuchen, Menschen mit ihren Anliegen zu verstehen, ist das auch Seelsorge“, sagt Wöste, der am 15. Januar 75 Jahre alt wird und deshalb in den Ruhestand geht. Über 20 Jahre hat er dem Kirchengericht vorgestanden, rund 850 Verfahren verabschiedet; dazu kamen weitere 350, die Osnabrück als sogenannte zweite Instanz für die Verfahren aus dem Bistum Hildesheim zu Ende gebracht hat. „Ohne meine Mitarbeiter wäre das nicht gegangen“, sagt er.

Karl Wöste stammt aus Langen im Emsland, erlernte erst den Beruf des Bankkaufmanns, wurde 1971 im Dom zum Priester geweiht. Von Beginn an war er an herausragender Stelle tätig: als Bischöflicher Sekretär, als Studentenseelsorger in Lübeck, als Ausländerbeauftragter des Bistums, als Seelsorger für die deutschsprachige Gemeinde in Athen, als Leiter der Abteilung Kirchenrecht im Bischöflichen Generalvikariat. 1995 berief ihn der Bischof zum Offizial, und zwar sowohl für Osnabrück als auch für Hamburg. Aus der Hansestadt bekam er jetzt ein Lob, über das er sich richtig gefreut hat: Er habe seine Aufgabe „geräuschlos“ wahrgenommen, schrieb ihm Alterzbischof Werner Thissen zum Abschied.

Als Ritter vom heiligen Grab zu Jerusalem aktiv

Vor gut 20 Jahren schloss er sich den Rittern vom Heiligen Grab zu Jerusalem an. Warum? Wöste hebt den Zeigefinger: „Nicht wegen der schönen Kleidung“, sagt er lächelnd, um danach ernst zu werden: „Da kann ich offen über persönliche Fragen des Glaubens reden“, sagt er. Auch ein Priester brauche einen solchen Ort des Vertrauens. Zugleich erzählt Wöste, dass er alle Gemeinden zwischen Glandorf und Flensburg kennt. „Ich bin überall gewesen.“ Meist zur Vertretung des örtlichen Geistlichen. Dabei ist er aber auch viel ins Ausland gereist, eingeladen von Priestern, die er über seine Aufgabe im Generalvikariat kennengelernt hat. Die Reisen habe er stets vom privaten Urlaubskonto bestritten, sagt er lachend.

Wöste war für die Seligsprechungsverfahren für Niels Stensen und für die Lübecker Märtyrer tätig, außerdem gehört er seit 2013 dem Domkapitel an, das den Bischof in der Leitung der Diözese unterstützt. Hier scheidet er mit Erreichen der Altersgrenze jetzt aus dem aktiven Dienst aus.
Ruhestand bedeutet nicht, dass er in Zukunft nichts mehr zu tun hat. Als Richter wird er weiter dem Kirchengericht angehören, als Priester weiter Gottesdienste im Kloster der Benediktinerinnen feiern. „Ich hoffe nicht, dass noch eine Heiligsprechung kommt“, sagt er. Aber dann lacht er wieder.

Matthias Petersen

Mit einem Gottesdienst an diesem Sonntag (10. Januar 2016) im Dom vollzieht sich der Wechsel zu Wöstes Nachfolger als Offizial, Pater Dominik Kitta. Beginn ist um 10 Uhr im Osnabrücker Dom, anschließend ist ein Empfang.

Pater Dominik Kitta.
Foto: bpo/Haarmann

Dominik Kitta (62) ist Ordenspriester aus Duisburg-Hamborn und seit Mitte August bereits stellvertretender Leiter des Kirchengerichts der Bistümer Osnabrück und Hamburg. Er wurde 1979 zum Priester geweiht, gehört dem Orden der Prämonstratenser an und ist Präses des Bundesverbandes der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd).