15.05.2017

Neuer Präsident des Lutherischen Weltbundes

"Keine Waffen gegen Terroristen"

Der nigerianische Erzbischof Musa Panti Filibus (57) ist neuer Präsident des Lutherischen Weltbundes. Im Interview spricht er über Afrikas Probleme, Martin Luther und das gemeinsame Abendmahl mit Katholiken.


Foto: Lutherischer Weltbund/Albin Hillert
Der nigerianische Erzbischof Musa Panti Filibus ist neuer Präsident des Lutherischen Weltbundes. Foto: Lutherischer Weltbund/Albin Hillert

 

Herr Erzbischof, was bedeutet es, dass nun ein Afrikaner an der Spitze des Lutherischen Weltbundes steht?
Eine Menge. Es stärkt uns Afrikaner in unserer Zugehörigkeit zur weltweiten Gemeinschaft der Lutheraner. Dass sich die Gemeinschaft entschieden hat, nun einen Präsidenten aus Afrika zu wählen, macht uns dankbar, glücklich und stolz. Dankbar und stolz, dass die die afrikanische Region mit ihren Gaben Teil dieser Weltgemeinschaft sein darf.


Worin sehen Sie die größte Herausforderung des LWB?
Wir leben als Christen in einer zerbrochenen Welt. Da ist die größte Herausforderung, als Gemeinschaft zusammenzuleben. Wir stehen vor der Herausforderung, eine Alternative zu dieser Welt voller Konflikte zu sein.


In diesem Jahr begehen die Lutheraner den 500. Jahrestag von Martin Luthers Reformation. Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang den Dialog mit der römisch-katholischen Kirche?
Meine Hoffnung ist, dass das Jubiläum dazu führt, dass wir unsere Dialoge fortsetzen und weiter darauf aufbauen. Ich hoffe, dass die Vereinbarungen, die in den vergangenen Jahren erreicht wurden, nun in den verschiedenen Kontexten der einzelnen Kirchen umgesetzt werden; und dass es auf der Ebene der Länder und der Kirchen nun neue Gespräche gibt. Ich hoffe, dass wir unsere ökumenischen Reise fortsetzen.


Eines der großen Themen der Ökumene in Deutschland ist die Frage des gemeinsamen Abendmahls von Lutheranern und Katholiken. Hoffen Sie auf eine baldige Lösung?
Wir haben in dieser Debatte noch eine lange Wegstrecke vor uns. Aber wo der Heilige Geist weht, das weiß am Ende niemand. Meine Hoffnung ist, dass wir es erleben werden. Doch es wird davon abhängen, welche Ergebnisse die Dialoge der nächsten Jahre haben werden. Unsere Gespräche der vergangenen Jahre haben uns auf eine neue Ebene gegenseitigen Verständnisses gebracht. Und auch wenn das Mahl noch nicht auf dem Tisch steht, gibt es doch schon eine ganze Reihe Ergebnisse, die wir feiern. Das erlaubt es, auf die Möglichkeit eines gemeinsamen Abendmahls in der Zukunft zu schauen.


Sie kommen aus einem Land, in dem islamistischer Terrorismus großen Einfluss hat. Was ist Ihr Ansatz, um mit diesem Problem umzugehen?
Wir als Kirchen Nigerias konzentrieren uns darauf, Frieden zu suchen, der auf Gerechtigkeit basiert. Wir sollten weiter darauf bestehen - und wir sollten unsere Stimmen gegen die Gewalt erheben. Ich kann auch alle übrigen Christen nur auffordern, das Gespräch mit moderaten Muslimen zu suchen. Davon gibt es mehr, als man manchmal denkt. Man sollte jede Möglichkeit dafür nutzen. Und schließlich: Die Situation ist schwierig, aber wir sollten uns auf keinen Fall dazu herablassen, Waffen zu benutzen. Wo Waffen gegen Waffen stehen, zerfällt die Welt zu Asche.


Haben Sie selbst auch Angst vor Terroristen?
Wenn man bedroht wird, gibt es Momente, in denen man denkt: Jetzt trifft es auch dich. Aber als Kirchenleiter haben wir die Verantwortung weiterzumachen. Wir müssen mit unseren Regierungen und anderen Organisationen zusammenarbeiten. Angst ist eine natürliche Emotion. Aber Angst darf uns nie aus unser Verantwortung entlassen, zu führen und für Gerechtigkeit einzutreten - egal, wie schwierig die Lage ist.

kna

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