19.09.2017

Beten unter dem Kreuz

Krankenwallfahrt nach Lage-Rieste

Ein kühler Morgen, der Sonnenschein und Gottes Zuspruch brachte: Wieder nahmen viele Gläubige an der Diözesanwallfahrt für Kranke nach Lage-Rieste teil. Jeder Besucher erhielt im Gottesdienst den persönlichen Krankensegen.

 

Das Kreuz_zu_Lage-Rieste from Andrea Kolhoff on Vimeo.

Sonntagmorgen Mitte September an der Wallfahrtskirche St. Johannes der Täufer in Lage. Seit 7 Uhr richten Freiwillige den Platz für die Messe der Krankenwallfahrt her. „Der Aufbau geht schon eine ganze Woche vorher los“, erzählt Heinrich Schraad vom Kirchenvorstand der Gemeinde Lage-Rieste. Um 8.30 Uhr kommt der Sanitätsdienst der Malteser an. Er ist stets präsent, wird aber selten gebraucht. „Einen Notfall hatten wir erst einmal“, sagt Johannes von der Haar, Leiter des Maltester-Hilfsdienstes Alfhausen. Hauptaufgabe der Malteser ist es an diesem Morgen, Leute herzubringen, die nicht mehr gut zu Fuß sind.

„In diesem Jahr haben wir vier Fahrzeuge im Einsatz“, so von der Haar. Für diesen Fahrdienst melden sich Altenheime und Privatleute an. Auf dem Gelände fährt vor der Messe ein Shuttlebus zwischen Kirche und Parkplatz hin und her. Die Malteser halfen von Anfang an bei der Krankenwallfahrt mit. Sie findet nun zum 23. Mal statt. „Der Wallfahrtsausschuss fängt ein gutes Jahr vorher mit der Planung an“, sagt Schraad.

Am Sonntag nach dem Fest der Kreuzerhöhung wird auf dem Rasenplatz neben der Kirche die Wallfahrtsmesse gefeiert. Der Platz ist voller Gartenstühle. Dazwischen stehen auch einige Rollstühle. Menschen jedes Alters, Gesunde und Kranke, feiern gemeinsam Messe und beten füreinander.

Dieses Konzept ist das Besondere der Lager Krankenwallfahrt: „Das Gebet, die Sorge um die Kranken“, sagt die Besucherin Ingrid Bose, sei Grund für sie, mitzufeiern. Das Lager Kreuz wird aus der Kirche getragen und neben dem Altar aufgerichtet. Am Ende der Messe erhalten alle einen Segen durch die Geistlichen. Es sind Diakone und Priester aus dem Bistum. Weihbischof Wübbe hält an diesem Vormittag die Messe, obwohl eigentlich Bischof Bode angekündigt war. Wübbe richtet einen Gruß von ihm aus; der Bischof fällt krankheitsbedingt aus.

Das Motto der Krankenwallfahrt lautet in diesem Jahr „Mit Maria das Wort Gottes leben“. Wübbe stellt zu Beginn die Frage, wie das heute gelingen könne. Maria sei ein Vorbild dafür, „in allen Lebenslagen dem Wort Gottes zu trauen und auf seine Nähe zu vertrauen“, sagt er. Das sei nicht immer einfach. Wenn jemand einen großen Schmerz erleide, „können Worte des Trostes allein diesen nicht lindern“, so Wübbe in der Predigt.

Pater Bernhard Leisenheimer habe für die Wallfahrt ein Plakat gestaltet. Darauf sehe man das Gesicht Marias mit dem ihres Sohnes verschwimmen. Maria erlebe den Kreuzestod ihres Sohnes unmittelbar. „An Gottes Kraft zu glauben, wo wir keine Perspektiven haben, wünsche ich auch Ihnen“, sagt Wübbe. Jesus selbst sei in das Leben der Menschen ganz eingetreten, „auch in deren Schmerz“. Der sterbende Jesus vertraue seiner Mutter seinen Freund an und umgekehrt. Sie seien im Schmerz nicht allein. Um jemandem in großer Verzweiflung „Hoffnung zuzusprechen, musst du seinen Schmerz teilen. Und wenn Worte fehlen, können Gesten helfen“, sagt Wübbe.

Die Gemeinschaft mit den Leidenden müsse auch heutzutage gefestigt werden. Man könne durch Worte, durch Gesten oder Da-Sein helfen. Es sei gelebte Solidarität, in der Gottes Rettung ganz konkret werde, so Wübbe. Die Selbsthingabe Gottes werde in jeder Eucharistie, aber besonders hier in Lage, gefeiert. Dazu passt das Lager-Kreuz-Lied. Die Besucher singen es mehrmals gemeinsam mit dem Chor: „Wir tragen das Kreuz, das Kreuz trägt uns“, so der Text. Das kommt hier im Beten und dem Segen für die Kranken zum Ausdruck. Am Ende der Messe spenden die Priester und Diakone den Besuchern wie in jedem Jahr den persönlichen Krankensegen.

Viele Besucher kommen seit Jahren. So wie Hans Hörnschemeyer, der heute mit seinem erwachsenen, sehbehinderten Sohn Markus teilnimmt. „Wir waren schon oft mit der Familie hier“, sagt Hans Hörnschemeyer. Er besuche auch andere Wallfahrten, aber Lage sei besonders. „Es ist großartig, wie das aufgezogen wird“, so Hörnschemeyer. Er schätzt, dass die Messe und die Segnungen von Kranken und Gesunden im Fokus stehen.

Die Freundinnen Ruth Kreutzberg und Ingrid Bose sind seit Beginn der Krankenwallfahrt dabei. Sie sind in der Altenseelsorge tätig und haben auch selbst Krankheitsphasen erlebt. „Wir haben beide erfahren, dass das Gebet einen dadurch-trägt“, sagt Bose. Es sei charakteristisch für Lage, „dass Gesunde und Kranke miteinander und füreinander beten“, so Kreutzberg. Sie lebt selbst im Betreuten Wohnen. Die Anliegen der Mitbewohner nimmt sie mit und berichtet später zu Hause von der Wallfahrt. Sie erlebe jetzt selber, „im Alter durch das Gebet von anderen mitgetragen zu werden und andere mitzutragen“, sagt Kreutzberg.

Katharina Westphal

 

Einen Videofilm über das Kreuz zu Lage finden Sie auf der Internetseite des Kirchenboten unter „www.kirchenbote.de“.