20.02.2015

Misereor-Chef stellt klar

Landwirte sind keine Sündenböcke

Im Streit zwischen dem Hilfswerk Misereor und Landwirten im Raum Weser-Ems hat Monsignore Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von Misereor, eine klare Position bezogen. Landwirte seien nicht die Sündenböcke in der derzeitigen Auseinandersetzung um Klimafragen. Von extremen Organisationen wie "Animal Peace“ werde sich das Hilfswerk distanzieren.

Auslöser für einen Streit war die Teilnahme von Misereor an einem Protestmarsch in Berlin aus Anlass der "Grünen Woche" in Berlin. Dort war es auch zu pauschaler und verletzender Kritik an Landwirten gekommen. Anfang Februar hatte es in Niederlangen ein Gespräch zwischen Landwirten und Misereor gegeben, bei dem aus Sicht vieler Landwirte Misereor nicht deutlich genug Abstand von extremen Organisationen genommen hatte. Einzelne Ortsvereine der Katholischen Landjugend-Bewegung (KLJB) hatten daraufhin ihre Teilnahme am traditionellen Fastenmarsch im Dekanat Emsland-Nord am 8. März abgesagt.

An diesem Sonntag (22. Februar) wird die Fastenaktion in Osnabrück eröffnet. Aus diesem Anlass sagte Pirmin Spiegel jetzt vor Journalisten, Misereor mache die Landwirte keinesfalls zu Sündenböcken. „Vielmehr fragen wir eine bestimmte Landwirtschaftspolitik an, die dafür sorgt, dass Höfe sterben, dass aufgrund einer falschen Logik andere Höfe immer größer werden müssen, damit sie den Besitzer und seine Familie noch ernähren.“ Eigentlich reiche die landwirtschaftliche Nutzfläche aus, um weltweit zwölf Milliarden Menschen zu ernähren. „Diese Probleme wollen wir nicht tabuisieren und sie offen ansprechen“, sagte er. Er kündigte einen weiteren Gesprächsabend im Bistum Osnabrück an, bei dem sich Vertreter des Hilfswerks und der Landwirtschaftsverbände an einen Tisch setzten.

Bischof: Dialog der Parteien ermöglichen

Auch Bischof Franz-Josef Bode ging auf die Thematik ein. Er habe nicht mit einer so heftigen Situation der Landwirtschaftsvertreter gerechnet, sagte er in Bezug auf den Fastenmarsch. Denn es gebe eigentlich einen guten Dialog im Bistum, an den er jetzt auch gerne anknüpfen wolle. So besuche er jedes Jahr den Winterkurs an der LandvolkHochschule Oesede und sei auch immer auf Bauernhöfen zu Gast. Er sehe die Kirche in der Pflicht, den Dialog der verschiedenen Parteien zu ermöglichen.

Zum ersten Mal seit 1999 eröffnet Misereor seine bundesweite Fastenaktion im Bistum Osnabrück. Im Mittelpunkt steht der Klimawandel. Schon heute gebe es Menschen, die unter den Folgen litten, so Bischof Bode. Dabei treffe es vor allem die Ärmsten der Armen. Gäste von den Philippinen erzählen in diesen Tagen an vielen Standorten von ihren Sorgen und Nöten. So hat es seit 2011 auf dem Inselstaat drei Taifune mit verheerenden Folgen gegeben. Davon, so Spiegel, müssten sich auch die Menschen in Deutschland berühren lassen.

Matthias Petersen

Mehr zur Fastenaktion unter www.misereor.de

Bilder von den Philippinen finden Sie hier.