13.04.2017

Ostern

Leben in Fülle

Ein seltenes Bild von Ostern: Der auferstandene Jesus am Ufer des Sees Gennesaret - es spricht die Sinne an und zeigt das Leben in Fülle.


 

Aquarell von Martin Auf der Maur

Dieses Bild zeigt ein seltenes Bild von Ostern: der auferstandene Jesus am Ufer des Sees Gennesaret, neben sich ein Feuer, auf dem Fische braten. Davor, noch auf dem Wasser, seine Jünger, die nach einem völlig überraschend tollen Fischfang zum Ufer hasten, denn: „Es ist der Herr …“. Johannes, der theologisch abgehoben-intellektuelle Evangelist, beschreibt mit seiner Auferstehungserzählung in 21,1–14 ein recht sinnenfreudiges Osterfrühstück.

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“, sagt Jesus in seiner Parabel vom guten Hirten. Doch sein „Leben in Fülle“ hat mit Völlerei nichts zu tun. Der Himmel – besser: das Reich Gottes – ist kein Schlaraffenland. Es ist viel, viel mehr und viel, viel besser.

Weil wir uns das schlecht vorstellen können, hilft Jesus unserer Fantasie und unserem Glauben auf die Sprünge. Zu Kana wandelt er Wasser ja nicht deshalb zu Wein, weil die Hochzeitsfeier dann lustiger wird. Von Mastochsen und Hochzeitsmählern in großen Sälen, die sich nur langsam füllen, erzählt er nicht mit dem Blick eines Partyservice oder Zeremonienmeisters. Ihm geht es um sattes, volles Leben in Freude und Liebe.

In den vergangenen Ausgaben hat diese Zeitung Anregungen gegeben, mit den Sinnen zu fasten, um das Leben neu zu entdecken. Zu Ostern, wenn das Leben über den Tod siegt, Fülle und Licht über Leere und Dunkel, kommen unsere Sinne so richtig zum Einsatz. In der Liturgie, zu Hause und in der Natur gehen uns Augen und Ohren über, kommen wir auf den vollen Geschmack, schmeicheln Düfte unserer Nase, berührt uns das Leben in seiner Fülle. Und wir bekommen eine Ahnung, wie es sein kann – das Leben nach dem Tod, ewig, endgültig und ganz bei Gott.

Zum Bild: „Die Erscheinung des Auferstandenen am See von Tiberias“ (Joh 21,1–14) ist ein Aquarell von Martin Auf der Maur. Es ist das erste Bild, bei dem der Künstler aus Zug in der Schweiz Jesus gemalt hat: „Ich konnte nur die Umrisse von Jesus hinlegen und habe mich nicht getraut, schon sein Gesicht zu malen.“

 

Von Roland Juchem