Lebendige Symbole der Umkehr

Sieben Pforten, verteilt im ganzen Bistum, stehen als Sinnbild für das „Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ – eine davon befindet sich in der Wietmarscher Wallfahrtskirche.

 

Zwei Schritte zur Barmherzigkeit: Anke Heilemann und Birgit Lügering in der Marienkapelle der Wallfahrtskirche in Wietmarschen Fotos: Diek-Münchow; Dieckmann(2); Kolhoff (2); bpo/Pentermann; Thompson

Die Pforte in der St.-Johannes-Kirche finden Besucher ganz leicht. In Wietmarschen sind das zwei Glastüren, die in die neue Marienkapelle führen. Wer sie durchschreitet, liest zuerst die eingefräste Schrift in der Bodenfliese. Mattgold schimmern die Buchstaben. Drinnen umfängt wohltuende Stille den Gast. Wer mag, kann sich in eine Bank setzen und nach vorn zum Gnadenbild schauen – zur  Gottesmutter mit dem Jesuskind. Eine besondere Atmosphäre prägt diese Kapelle – hell und licht, ruhig und geborgen. Das gibt Zeit und Raum, abseits des trubeligen Alltags aufzuatmen und nachzudenken. Über Barmherzigkeit. Was heißt das eigentlich? Wo finde ich die? Und wem kann ich sie geben? In der Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, in der Gemeinde.

Diese Atmosphäre spricht offensichtlich viele Gäste an. „Wir müssen jeden Tag neue Kerzen nachlegen“, sagt Gemeindeassistentin Ann-Kathrin Hoffmann und setzt 15 neue Teelichter vor das Gnadenbild. Ein paar Schritte hinter ihr rückt der pastorale Koordinator Rainer Axmann mit Birgit Lügering und Anke Heilemann eine Tafel vor der „Pforte“ zurecht. Zitate aus der Bibel sind daraufgeheftet, alle drehen sich um das Thema Barmherzigkeit. Rechts daneben stellt Anke Heilemann ein Körbchen auf den Hocker. Beutel mit Roibusch-Tee liegen darin. Und Sinnsprüche von Thomas von Aquin, Frère Roger oder Albert Schweitzer. Sie fischt einen Zettel heraus und liest vor: „Kein Werk der Liebe ist vor Gott ohne Bedeutung, kein Werk des Erbarmens ohne jede Frucht.“ Sie macht eine kleine Pause und sagt dann: „Darüber kann man doch in Ruhe bei einer Tasse Tee zu Hause nachdenken.“

Aufatmen, Barmherzigkeit und Gnadenbild als Einheit

Anke Heilemann und Birgit Lügering gehören zum Liturgieausschuss im Wietmarscher Pfarrgemeinderat (PGR). Mit dem Gremium haben sie intensiv darüber nachgedacht, wie sie die „Pforte der Barmherzigkeit“ zu einem lebendigen Symbol der Umkehr gestalten können, eng verbunden dabei mit dem „Jahr des Aufatmens“, denn beide Themen passen ihrer Ansicht nach gut zusammen und gut in die Wallfahrtskirche. „Aufatmen, Barmherzigkeit und unser Gnadenbild, das gehört für uns zusammen“, sagt Lügering.

Sie zieht eine Ideenliste aus der Tasche, die im Pfarrgemeinderat erarbeitet worden ist. Einiges ist schon umgesetzt: die Inschrift, die Stellwand, die Tee-Aktion, Impulse und Bücher zu den Werken der Barmherzigkeit im Schriftenstand. Aber die Wietmarscher wollen noch mehr machen. Eine Predigtreihe ist angedacht, eine Malaktion für Kinder, Themengottesdienste, Erzähl­abende, Kolumnen im Pfarrbrief. Auch bei der Familienwallfahrt am 1. Mai spielt das „Jahr der Barmherzigkeit“ eine Rolle.

Und was bedeutet für Birgit Lügering und Anke Heilemann Barmherzigkeit? Sie finden den Begriff gar nicht so altmodisch, wie er vielleicht klingt. „Das fängt klein an,“ meint Birgit Lügering. Indem man sich selbst zurücknimmt. Indem man ein weites Herz dafür hat, was der Ehemann, die Tochter, die Arbeitskollegin, die ältere Dame von nebenan, der Mitstreiter im Pfarrgemeinderat, der Flüchtling aus Syrien braucht. Den stillen Moment, darüber nachzudenken, finden auch die beiden Frauen in der Marienkapelle. Zwei Schritte nur durch die „Pforte der Barmherzigkeit“.

Petra Diek-Münchow

Die „Pforte der Barmherzigkeit“ in Wietmarschen ist der Zugang zur neuen Marienkapelle in der Wallfahrtskirche. Sie ist von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Mittags um 12 Uhr ist Angelus-Gebet.