08.05.2012

Der Vatikan veröffentlicht liturgischen Kalender für tridentinischen Ritus

Liturgiekalender ohne "moderne" Heilige

Der Vatikan hat erstmals den liturgischen Kalender auch für den tridentinischen Ritus von 1962 veröffentlicht. "Moderne" Heilige sucht man deshalb auch vergeblich darin.

Die von der zuständigen Vatikan-Kommission «Ecclesia Dei» herausgegebene Publikation umfasst 90 Seiten und enthält die kirchlichen Feiertage und Heiligenfeste für das Kirchenjahr 2011/12 nach dem alten Messbuch in der Fassung von 1962 samt einführenden Hinweisen. Neue Heilige, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) zur Ehre der Altäre erhoben wurden, sind im Kalender nicht aufgeführt. Dazu gehören etwa Maximilian Kolbe, Edith Stein oder Pater Pio.

Der jetzt veröffentlichte Kalender setzt das Motu proprio «Summorum Pontificum» von Papst Benedikt XVI. vom Juli 2007 um. Darin hatte der Papst neben dem ordentlichen Ritus nach der Liturgiereform im Zuge des Konzils auch in größerem Umfang die alte Form in der Fassung von 1962 als «außerordentlichen Ritus» zugelassen. Er benannte eine Reihe von Vorgaben, um diese Feiern in die Einheit der Kirche und in die Diözesen einzubinden.

Als tridentinische Messe bezeichnet man den lateinischsprachigen Gottesdienst im alten Ritus, wie er nach dem Konzil von Trient (1545-1563) für die katholische Kirche weltweit vorgeschrieben war. Diese Messbücher wurden nach dem Zweiten Vatikanum schrittweise durch eine erneuerte Liturgie ersetzt, die in der Regel in der jeweiligen Landessprache gefeiert wird. Latein blieb aber weiterhin erlaubt.

Gegen diese Liturgiereform wandten sich die Traditionalisten um den französischen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991). Seine Priesterbruderschaft Pius X. hielt die Einführung der Landessprache und die stärkere Einbeziehung der Gemeinde in die Messfeier für verfehlt. Sie überwarf sich 1988 mit dem Vatikan; Verhandlungen über eine mögliche Aussöhnung sind seit zwei Jahren im Gang.

(kna)