Heinrich Pieper fertigt Kreuze für die Herz-Jesu-Priester in Deutschland

Mit Herz und Hand aus Wettrup

Wenn Heinrich Pieper aus dem Fenster seiner Werkstatt schaut, sieht er den Turm der Handruper Klosterkirche. Dazu hat er eine besondere Beziehung. In seiner Tischlerei fertigt der 55-Jährige alle großen Kreuze für den Orden der Herz-Jesu-Priester in Deutschland.

 

Mit großer Sorgfalt fräst Heinrich Pieper in seiner Bau- und Möbeltisch-
lerei in Wettrup die Kreuze aus – pro Jahr sind das bis zu 150 Stück.
Fotos: Petra Diek-Münchow

Sorgsam legt Heinrich Pieper das Stück Buchenholz in die Schablone. Schaut genau nach, ob alles richtig passt, ob alles richtig sitzt. Und schaltet dann die stationäre Oberfräse in seiner Tischlerei an. Millimeter für Millimeter arbeitet die Maschine nun die Form eines Kreuzes aus: 24 mal 24 Zentimeter im Durchmesser, die Balken nur fast symmetrisch gleich, in der Mitte das geöffnete Herz. Seit einigen Jahrzehnten gilt es als Logo der Herz-Jesu-Priester. (Siehe auch „Zur Sache“) „Fertig“, sagt Heinrich Pieper nach mehreren Minuten und spannt das Werkstück wieder aus. Er nimmt es in die Hand, blickt prüfend auf das Herz in der Mitte, fährt mit den Fingern über die rauen Kanten. „Die muss ich später vielleicht mit der Hand noch mal nachschleifen.“

Seit gut zehn Jahren schon fertigt Pieper in seiner Bau- und Möbeltischlerei in Wettrup, nur knapp drei Kilometer entfernt vom Herz-Jesu-Kloster in Handrup, die unverkennbaren Kreuze an. Zwischen 100 und 150 Stück pro Jahr – je nachdem, wie viel die Häuser der deutschen Ordensprovinz bei ihm bestellen. Sie hängen zum Beispiel im Provinzialat in Neustadt an der Weinstraße, im Kloster Maria Martental in der Eifel, im Kloster in Freiburg und im ordenseigenen Gymnasium Leoninum im emsländischen Handrup. Sehr viel Geld verdient Pieper mit diesen Aufträgen nicht, sein Familienbetrieb ruht eher auf anderen Säulen. „Mir macht es einfach Spaß, diese Kreuze anzufertigen. Für mich haben sie vor allem einen ideellen Wert.“

Denn Heinrich Pieper hat zu den Herz-Jesu-Priestern eine besondere Beziehung – nicht nur, weil er deren Kirchturm jeden Tag bei der Arbeit sieht. Er kennt Kloster und Schule seit seiner Kindheit. Ist im Leoninum zur Schule gegangen, hat dort sein Abitur gemacht und danach dort auch seinen Zivildienst abgeleistet. „Ich war der erste Zivi überhaupt“, erzählt er mit einem Schmunzeln auf dem Weg von der Werkstatt zurück ins Büro. 18 Monate hat der Wettruper dabei gearbeitet – Schränke und Türen repariert, Rasen gemäht und Bücher geholt, im Schulbüro Listen geführt und Zeugnisse abgetippt. „Ich kenne das Haus vom Keller bis unter das Dach“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Aus Buche und Eiche, aus Kirschbaum und Ahorn

Von da hatte er es nicht weit bis nach Hause, wo er seinem Vater auch im Betrieb half. Seit mehreren Generationen schon betreiben die Piepers die Tischlerei in Wettrup – und alle Inhaber heißen Heinrich. Der jetzige zeigt auf ein altes Schwarz-Weiß-Foto, das seinen Opa samt Familie vor dem damaligen Betrieb und Wohnhaus zeigt. „Der da auf dem Schaukelpferd, das ist mein Vater“, sagt er und daraus klingt Stolz auf die lange Tradition heraus. Wie läuft das Unternehmen heute? Heinrich Pieper ist zufrieden. Mit seiner fünf Mann-und-Frau-starken Belegschaft baut er Türen, Fenster, Möbel und die Ausstattung für Saunen in Wellnessanlagen und Freibädern – mit Aufträgen aus ganz Deutschland und den Beneluxländern.

Wenn er davon erzählt, spürt jeder Zuhörer: Da arbeitet jemand in seinem Traumjob. Nach dem Zivildienst hat Pieper in Rosenheim an der Fachhochschule Holztechnik studiert und das Studium als Diplom-Ingenieur abgeschlossen. Mit 25 Jahren steigt er in den elterlichen Betrieb ein und muss ihn wenig später ganz übernehmen, weil sein Vater stirbt. Keine einfache Zeit, keine einfache Aufgabe. Aber er liebt die Arbeit mit dem Werkstoff Holz, gepaart mit modernen Maschinen. „Wir sind ja schließlich keine Pumuckel-Bude. Die Technik muss stimmen“, spielt er mit einem Lächeln auf „Meister Eder“ in seiner urigen Schreinerwerkstatt in einem Münchner Hinterhof an. Das wird sicher auch sein Sohn so sehen, der gerade eine Ausbildung in der Branche macht. Natürlich hoffen Heinrich Pieper und seine Frau, dass er später den Betrieb weiterführt.

Und wie kam es zu den Herz-Jesu-Kreuzen? Das hängt mit Helmut Amshove zusammen, Lehrer und Mitglied der Schulleitung am Leoninum. Er taucht eines Tages in der Werkstatt von Heinrich Pieper auf – mit einem Muster des Herz-Jesu-Kreuzes. Und fragt, „ob ich so was nicht mal aus Holz fräsen könnte“. Konnte Heinrich Pieper und macht es seitdem regelmäßig. Ganz verschiedene Ausführungen sind entstanden: aus Buche und Eiche, aus Kirschbaum, Ahorn oder Esche. Am liebsten mag der Wettruper ungewöhnliche Exemplare. Mit dunklen Einschlüssen, mit ungewohnten Maserungen. Nicht immer muss alles gleich aussehen, das ist im Leben auch nicht so. „Das da kommt aus unserem Wohnzimmer“, sagt er und zeigt so ein ganz anderes Kreuz. Und hängt es gleich wieder auf.

Petra Diek-Münchow

 

 

Zur Sache

„Man sieht nur mit dem Herzen gut"

Mit dem Herz in der Mitte: Bei einem Schülerwett-
bewerb ist das besondere Kreuz der Herz-Jesu-
Priester entworfen worden.

Das Logo des Herz-Jesu-Kreuzes geht auf das Ende der siebziger Jahre zurück. Pater Heiner Wilmer, früher Schulleiter in Han­drup und jetzt Generaloberer der Kongregation, hat die Geschichte des Logos für den Orden aufgeschrieben.

1978 feierte die Deutsche Ordensprovinz zum hundertjährigen Jubiläum der Ordensgemeinschaft ein erstes „Fest der Jugend“ – im Gymnasium Leoninum in Handrup, mit einer Neuauflage im Jahr darauf in Stegen. Dafür sollte ein Logo gefunden werden, um das Wort des Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry zu veranschaulichen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut“. In einem Schülerwettbewerb gewann Martin Hättich aus dem Schwarzwald mit seinem „Kreuz mit Herz“ – das später zum Logo der gesamten Kongregation avancierte.

Diese Darstellung ist laut Wilmer ein Plädoyer für die alte biblische Vorstellung vom Herzen als Sitz des Verstehens und Erkennens. „Wir schauen auf das Kreuz und sehen das Herz. Wir sehen das Leid Christi und erkennen seine Liebe.“ Das Logo mit dem offenen Herzen in der Mitte ist eine „Einladung an uns, diesen freien Raum mit Leben zu füllen.“ (pd)