09.11.2017

Ökumenische Konzerte

Musikalischer Brückenschlag

Zum Reformationsgedenken geben der evangelische Bonnuschor aus Osnabrück und der katholische Johanneschor aus Rulle zwei gemeinsame Konzerte. Bei den Proben betreten die Sänger auch musikalisches Neuland.

Sänger des Johanneschores und des Bonnuschores proben gemeinsam für die Auftritte. Beide Chöre haben ein unterschiedliches Repertoire. Fotos: Christoph Brüwer

Martin Tigges klatscht in die Hände und schnippt mit den Fingern. Die rund 60 Chormitglieder im Gemeindehaus der evangelischen Bonnusgemeinde in Osnabrück unterbrechen sofort ihren Gesang. „Da steht ‚fortissimo‘. Das klingt noch zu sehr wie ein Feierabendchor“, stoppt Tigges die Sänger aus dem evangelischen Bonnuschor und dem katholischen Johanneschor, die in einem Halbkreis um ihn stehen. „Okay, wir gehen in Takt 23 wieder rein.“ Gemeinsam üben sie dieselbe Stelle wieder und wieder.

 

Stücke stehen nach dem ersten Treffen fest

„Viele gemeinsame Proben haben wir nicht“, erklärt Tigges. Der Kirchenmusikdirektor im Bistum Osnabrück leitet den Johanneschor in Rulle, Maria Golbeck den Bonnuschor. Für das Chorprojekt Mitte November kommen sie an wenigen Abenden zum Üben zusammen. Die Chöre der Bonnusgemeinde und der St.-Johannes-Gemeinde geben mit dem Orchester „pro musica“ und den Solisten Sigrid Heidemann (Sopran), Kathrin Brauer (Alt), Oliver Schöndube (Tenor) und Christian Meyer-Perkhoff (Bass) zwei Konzerte, jeweils eins in der Kirche der eigenen Gemeinde.

Kooperationen sind für beide Chöre nicht neu. Vor rund 15 Jahren arbeitete der Bonnuschor schon einmal mit einem Chor von Martin Tigges zusammen, als dieser noch in Nordhorn tätig war. „Ich wurde von meinen Leuten gefragt, ob wir nicht mal wieder was zusammen machen können“, erzählt Maria Golbeck, die den Bonnuschor leitet, vom Beginn des Projekts. Das Reformationsjubiläum in diesem Jahr habe sich als Anlass für die Konzerte gleich angeboten. Und so verlief bereits das erste Treffen produktiv. „Wir hatten schon da die beiden Stücke auf dem Tisch“, erinnert sich Tigges.

Beide Chöre singen in den Konzerten zuerst die Kantate „Erschallet, ihr Lieder“ von Johann Sebastian Bach, die für einen Pfingstgottesdienst im Jahre 1714 geschrieben wurde. Im Kontrast dazu führen die Sänger als zweites Stück die Messe „Gott im Anderen begegnen“ des Düsseldorfer Musikers Klaus Wallrath auf, die 2014 entstanden ist. „Wir versuchen, an mehreren Stellen einen Brückenschlag zu schaffen: evangelisch und katholisch, Stadt und Land, alt und neu“, erklärt Tigges das Konzept der Konzerte.

 

Mit schwungvollen Armbewegungen dirigiert Chorleiter
Martin Tigges die Sänger aus Osnabrück und Rulle.

Neues Arrangement für die Konzerte

Mit der Bachkantate sei deshalb ein typisches Stück protestantischer Kirchenmusik ausgewählt worden. Die neuere katholische Messe habe dagegen eine eher freie Form und sei von Wallrath für das Konzert neu arrangiert worden, um auf das Orchester „pro musica“ aus Osnabrück zu passen, das die Konzerte begleitet und auch eigene Stücke spielt.

Obwohl beide Chöre auch ein breites überkonfessionelles Repertoire haben, bewegen sie sich musikalisch damit teilweise auf Neuland. „Für den Ruller Chor ist das die erste Bach-Kantate“, erklärt Tigges. Auch für den Bonnuschor dürfte die Kombination aus Neuem Geistlichen Lied und Jazz in katholischer Messe neu sein, vermutet er. Grundsätzlich sei es aber im Interesse beider Chöre, auch neue Stücke auszuprobieren. Durch die Kooperation hätten sie nun die Möglichkeit, zwei Konzerte an zwei verschiedenen Orten zu geben.

Eine Fortsetzung der Chorkooperation sei aber vorerst nicht geplant, sagt Tigges. „Die Hauptaufgabe des Ruller Chores ist es nach wie vor, den katholischen Gottesdienst zu besingen und der Bonnuschor ist weiterhin für die Gemeinde und Gottesdienste in Osnabrück da.“

Von Christoph Brüwer

 

Zur Sache:

Karten für die Konzerte

Karten für die Konzerte am Sonntag, 12. November, um 17 Uhr in der Bonnuskirche (Obere Martinistraße 54, Osnabrück) und am Sonntag, 19. November, um 17 Uhr in der Johanneskirche (Klosterstraße 9, Wallenhorst-Rulle) kosten an der Abendkasse 12 Euro, ermäßigt 6 Euro. Karten sind im Vorverkauf im Gemeindebüro der Bonnuskirche (Obere Martinistraße 54, Osnabrück) und im Markant Glissmann (Parkallee 1, Wallenhorst-Rulle) erhältlich. Kosten: 10 Euro, ermäßigt 5 Euro.