30.08.2017

Stephanie berichtet über ihr Praktikum in Finnland 2017/18

Neues aus Helsinki

Erste Auslandserfahrungen hat Stephanie Jarvers bereits in Schweden gesammelt. Die 25-Jährige, gebürtig aus Georgsmarienhütte, studiert englische und skandinavische Philologie in Göttingen. Nun geht sie für ein halbes Jahr nach Finnland. Während ihres Praktikums im Auftrag des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken wird sie in Helsinki an drei Stellen mitarbeiten: in einer katholischen Gemeinde, bei der Caritas und im Katechetischen Zentrum.

November
Warum Helsinki gar nicht so düster ist

Stephanie Jarvers (links) und Freundinnen aus dem Wohnheim beim Plätzchen-Wettbewerb. Die Kekse sollten zu den Themen finnische Unabhängigkeit und Weihnachten dekoriert werden. Das Ganze entstand bei einer kleinen Weihnachtsfeier (pikkujoulu) des Wohnheims.

Am Donnerstag, 9. November, war es endlich soweit. Mein Flug nach Helsinki startete mittags um 12.40 Uhr. Schon im Voraus wurde mir mitgeteilt, welche Aufgaben mich als Praktikantin des Bonifatiuswerkes erwarteten. Dennoch war ich spürbar aufgeregt und fragte mich, was denn tatsächlich in Finnland auf mich zukommen würde. Meine Arbeitszeit im kommenden Jahr wird aufgeteilt auf drei „Institutionen“: das Katechetische Zentrum in Helsinki, die Caritas und die Pfarrei St. Mary. In der Kirche St. Mary helfe ich zum Beispiel bei dem Blumenschmuck oder auch dabei, Messgewänder und Bücher zu sortieren. Außerdem erwartet mich die Herausforderung, die unterschiedlichsten Sachen zu nähen, zum Beispiel Taschen zum Schutz der Kelche.

Einmal im Monat, meistens an einem Samstag, finden der Unterricht der Kommunionkinder oder andere katechetische Kurse statt. Dort unterstütze ich, wo Hilfe benötigt wird, wie unter anderem beim Vorbereiten des Essens und Abräumen oder bei der Kinderbetreuung in den Pausen.

Die Kirche St. Mary in Helsinki

Im Katechetischen Zentrum besteht ein Teil der Arbeit darin, dass ich Materialien vorbereite, die dann im Bistum Helsinki verteilt werden, damit Religionslehrer vor Ort mit neuen Materialien ihr Wissen weitergeben können. Der Begriff Religionslehrer ist in Finnland aber deutlich weiter gefasst als in Deutschland. Katholische Religion ist hier kein selbstverständliches Unterrichtsfach, und auch die Lehrer müssen nicht den langen Ausbildungsweg gehen, wie er in Deutschland vonnöten ist. Zudem gehören die Lehrer meistens auch nicht dem katholischen Glauben an.

Kaum in Finnland angekommen, stoße ich auch schon auf helle Lichterketten in den Straßen und geschmückte Schaufenster. Ja, dafür bin ich äußerst dankbar, denn der November zeigt sich von seiner unverwechselbaren Seite. Schwarze Nacht, dunkelgrauer Tag, starker Wind, Regen und ein bisschen Schnee lassen wohl die meisten Finnen und auch mich nach einem Funken Helligkeit lechzen. Die Weihnachtsstimmung steigt mit jedem kürzer werdenden Tag. Da sind natürlich die Weihnachtsbasare und Märkte nicht wegzudenken.

In der Vorweihnachtszeit ist die Caritas, die in Finnland noch sehr unbekannt und auch viel kleiner ist als in Deutschland, viel unterwegs, um für ihren Einsatz in aller Welt und natürlich ganz besonders auch in Finnland zu werben. Es werden die verschiedensten Produkte verkauft. Fantastische selbstgemachte Schokoladen aus einem Kloster in Spanien, Cremes, Seifen und Parfüm, ebenfalls von Nonnen handgefertigt, aber aus Frankreich stammend, oder Kerzen aus Deutschland. Die Mitarbeiter der Caritas und viele Freiwillige helfen hier beim Aufbau der Stände und dem Verkauf.

In diesem Wohnheim ist Praktikantin Stephanie Jarvers untergebracht.

So viel zu meiner Arbeit, aber wie wohne ich in Helsinki? Während meiner Zeit in Finnland werde ich in einem Studentinnenwohnheim untergebracht sein. Es wohnen rund zwölf Studentinnen zusammen, die alle unterschiedliche Fächer studieren oder Ausbildungen machen und verschiedene kulturelle Hintergründe und Herkunftsländer haben. Ich wurde sehr herzlich empfangen, und wir unternahmen einiges zusammen. So ist der November in Helsinki dann auch gar nicht so düster.

So einiges habe ich also in meinen ersten beiden Wochen erlebt, und ich bin sicher, dass in den nächsten Wochen auch noch viele neue, unerwartete, weihnachtliche und aufregenden Dinge auf mich zukommen werden.

In Finnland leben ungefähr 5,5 Millionen Einwohner auf einer Fläche von etwa 390 000 Quadratkilometern. Die beiden als Volkskirche anerkannten Religionen sind die Orthodoxe Kirche und die Evangelisch-Lutherische Kirche. Der Anteil der Katholiken in Finnland macht nur etwa 0,25 Prozent der Bevölkerung aus und besteht zum größten Teil aus Einwanderern. Gläubige und Priester legen weite Strecken zurück, um ihren Glauben zu leben und zusammen Gottesdienst zu feiern. Auch wenn viele hundert Kilometer die Gemeindemitglieder trennen, sind sie eng miteinander vernetzt und helfen sich gegenseitig bei anliegenden Projekten. Ihr Umgang miteinander ist herzlich und jedes Wiedersehen gleicht einer Familienfeier.

Wer mehr über die Diaspora in Finnland oder in anderen skandinavischen Ländern erfahren möchte, kann einmal auf der Internetseite des Bonifatiuswerks vorbeischauen. Falls Ihr Interesse an einem Praktikum im Norden habt, findet ihr dort zusätzliche Informationen.