30.08.2016

Jannek berichtet über seinen Freiwilligendienst in Israel 2016/17

Neues aus Kfar Tikva

Zwei junge Leute aus dem Bistum Osnabrück, die einen Freiwilligendienst im Ausland (FDA) absolvieren, 2016 bis 2017, berichten an dieser Stelle über ihre Erlebnisse. Der Einsatzort von Jannek Strack aus Papenburg heißt Kfar Tikva und liegt in Israel. Dort leben Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen. 

August
Abschied vom Kfar und Rückkehr nach Deutschland

Ein neuer Hund für die Pinat Chai: Huskymischling Luna

Jetzt sitze ich wieder in Deutschland und schreibe diesen Blog in meinem Zimmer in Papenburg. Es ist ein komischer Gedanke, dass nun das Jahr in Israel ein Ende gefunden hat. Das Jahr kam mir nicht vor wie nur eines. Dort hab ich viele Erfahrungen, Eindrücke und Freunde machen können.

Doch bevor es vergangenen Donnerstag Richtung Heimat ging, gab es natürlich im Kfar noch einiges zu tun. So hab ich meine letzte Zeit in der Pinat Chai damit verbracht, einen neuen Hundezwinger zu bauen. Denn die Pinat Chai hat einen neuen Hund bekommen! Einen Huskymischling namens Luna! Dieser kam aus einer Familie, was sie sehr zutraulich gemacht hat und somit super ins Kfar passt.

In meiner letzten Woche gab es auch eine Verabschiedungsfeier für alle deutschen und israelischen Freiwilligen. Dort haben verschiedene Leute Reden gehalten, und am Ende bekam jeder von Eran ein T-Shirt und eine Urkunde überreicht.

An meinem letzten Abend in Israel haben wir uns alle in einem nahen Park getroffen. Alle israelischen und deutschen Freiwilligen kamen, sogar ein paar von den Arbeitern aus dem Kfar. Wir haben den Park schön hergerichtet, mit Lichterketten, Tischen und einem Lagerfeuer. Zu essen gab es in Alufolie verpackte Gemüse und Fleischgerichte. Diese wurden unter die Glut des Lagerfeuers geschoben und dort für circa 30 Minuten gelassen. Danach konnte man es essen. Es war sehr lecker! Es war ein langer Abend, denn keiner wollte wirklich gehen, weil dies das letzte Mal für eine ganz lange Zeit war, wo wir alle zusammenkamen.

Wieder zu Hause: Jannek mit seiner Mutter

Am nächsten Morgen bin ich zusammen mit den anderen Jungs aufgestanden, sie mussten zur Arbeit und ich zum Flughafen. Also machte ich mich auf den Weg. Ein letztes Mal von der Wohnung zur Bushaltestelle, von dort nach Haifa und von Haifa dann schließlich zum Ben Gurion, dem Flughafen. Mein Flieger sollte um 18 Uhr gehen und ich war schon um 14.30 Uhr da. Das hieß, dass ich warten musste. Als ich dann endlich einchecken konnte und durch alle möglichen Kontrollen musste – diese sind in Israel sehr streng – stellte sich heraus, dass mein Flieger eine Stunde Verspätung hatte. Also heiß es, noch eine Stunde länger warten. Endlich im Flieger angekommen, ging es dann auch los. Der Flug war bis auf einige Turbulenzen recht ruhig. Nach etwa vier Stunden bin ich dann in Hamburg gelandet.

Dort warteten meine Mutter und mein Stiefvater auf mich. Auch wenn ich mich gefreut habe, die beiden zu sehen, wurde mir dann erst richtig bewusst, dass das Jahr nun endgültig vorbei ist. Und nun sitze ich wieder in Deutschland und frage ich mich: Wo ist das Jahr nur geblieben?

 

Juli
Letzte Hebräischstunde und Vorfreude auf zu Hause

Urkunde für den absolvierten Hebräischkurs

Nun ist mein Jahr in Israel schon fast vorbei. Gerade einmal ein Monat bleibt mir noch hier. Der Gedanke daran, bald wieder in Deutschland zu sein, ist schon ziemlich komisch. Fast ein Jahr hatte ich jetzt keinen deutschen Boden mehr unter den Füßen. Und wenn ich zurückdenke, verging das Jahr wie im Flug. Es kann unmöglich so lange her sein, dass ich ins Flugzeug gestiegen und Richtung Tel-Aviv abgehoben bin. Trotz meines unglaublich tollen Jahres hier, in dem ich viel erlebt, gesehen, gelernt und viele neue Menschen kennengelernt habe, freue ich mich schon sehr auf Deutschland. Endlich meine Familie und meine Freunde wiederzusehen, ist etwas auf das ich jetzt schon hinfiebere!

Auch wenn das Jahr so gut wie vorbei ist, steht das Leben im Kfar natürlich nicht still. So hatten wir zum Beispiel Ende Juli unsere letzte Ulpanstunde (der Hebräischunterricht). In dieser hat Iris, unsere Lehrerin, uns ein Urkunde ausgestellt und wir haben jeder unsere Namen in Form eines Kühlschrankmagneten bekommen. Dies war eine kleine, nette Aufmerksamkeit.

Außerdem hat Iris uns auch noch zu sich nach Hause eingeladen. Im Vorfeld haben wir was zu essen vorbereitet. So gab es selbstgemachte Pita, Lasagne und verschiedene Salate. Es war ein sehr netter Abend, den wir zusammen verbracht haben. Ich bin sehr gespannt wie sehr ich mein Hebräisch behalten werde.

In der Pinat Chai gibt es nach wie vor eine Menge zu tun. Allerdings gibt es aus meinem Workshop diesen Monat etwas Trauriges zu berichten. Unsere Hündin Gina musste eingeschläfert werden. Sie war sehr alt und hat das Essen und Trinken verweigert und konnte sich hüftabwärts nicht mehr bewegen. Wir haben unseren Membern die Möglichkeit gegeben, sich von Gina zu verabschieden. Jeder durfte ihr noch einmal sagen, wie gern er oder sie sie hat und das wir sie sehr vermissen werden. Und dann ging es auf ein mal sehr schnell, der Tierarzt gab ihr zuerst eine Spritze zur Beruhigung und danach dann die letzte Spritze. Dann war auch schon alles vorbei.  

 

Juni
Von eigenem Ziegenkäse und halbgeschorenen Schafe

So sieht der Ziegenkäse, Marke Eigenproduktion, aus.

Im Vergleich zu meinem letzten Monat hier in Israel, war es von Mai auf Juni ziemlich ruhig. Nach meiner Jordanienreise hatte mich der Alltag im Kfar schnell wieder. Morgens erst in die Pinat Chai, nachmittags dann wie gewohnt meine „1 to 1‘s“. Alles wie gehabt. Zwei neue Sachen gab es dann aber doch. Da wir nun eine Babyziege haben, gibt ihre Mutter Milch. Deswegen hat einer meiner israelischen Mitfreiwilligen angefangen, die Mutterziege zu melken, so dass wir immer frische Milch haben. Am Anfang war es nur ein bisschen Milch, aber seit Luie (die Babyziege) keine Milch mehr trinkt, gibt es nun um einiges mehr an Milch. Da wir diese nicht zum Trinken verwenden wollen, haben wir beschlossen, daraus Ziegenkäse herzustellen!

Dafür mussten wir uns natürlich erst einmal informieren. Nach ein paar Recherchen im Internet haben wir herausgefunden, dass dies gar nicht mal so schwer ist. Wir benötigen nur einen Herd, ein sauberes Tuch, einen Holzlöffel, Essig und einen dunklen kühlen Ort, um den Käse aufzuhängen.

Dann ging es auch schon an die Käseherstellung. Die Ziegenmilch wird auf 80 bis 90 Grad erhitzt, danach wird ein bisschen Essig hinzugefügt. Der Essig bewirkt, dass sich in der Milch kleine Klümpchen bilden, die sich vom Wasser getrennt haben. Dies dauert allerdings ein paar Minuten, wenn sich dann aber alles voneinander getrennt hat, kann man Salz oder andere Gewürze hinzugeben. Anschließend wird alles in ein sauberes Tuch gegossen, so dass die ganze Flüssigkeit heraustropfen kann.

Sobald dies geschehen ist, wird der Käse nur noch an einem dunklen kühlen Ort aufgehangen und dann heißt es warten. Am nächsten Tag kann man den fertigen Käse probieren. Auf unseren ersten Käse waren wir natürlich sehr gespannt. Als wir ihn dann probiert haben, war ich etwas enttäuscht. Wir hatten zu viel Essig und zu wenig Salz verwendet, der Käse schmeckte nicht.

Entmutigen lassen haben wir uns natürlich trotzdem nicht. Beim nächsten Versuch haben wir etwas mehr Salz und etwas weniger Essig benutzt und es schmeckte! Jetzt feilen wir noch an Kleinigkeiten, aber im Grunde produzieren wir unseren eigenen Käse!

Schafe per Hand zu scheren, ist eine mühevolle Angelegenheit.

Die andere, allerdings etwas kleinere Neuigkeit, gab es ebenfalls in der Pinat Chai. Wir haben angefangen, unsere Schafe zu scheren. Dies ist eine sehr zeitaufwendige Aufgabe. Wir haben leider keine elektrische Maschine, sondern nur eine, die man aufwendig mit der Hand bedienen muss. Dies hat zur Folge, dass man ziemlich lange braucht und auch leider, dass man kein ganzes Schaf an einem Tag schafft. Deswegen hatten wir für eine kurze Zeit lang nur halb geschorene Schafe bei uns in der Pinat Chai.

 

Mai
Kamelreiten in Jordanien und Tauchen im Roten Meer

Blick auf die Felsenstadt Petra in Jordanien

Im letzten Monat stand ein Highlight meines Auslandsjahres an. Ich bin zusammen mit drei anderen Volunteers für eine Woche nach Jordanien gefahren. Dafür mussten wir uns allerdings zuvor ein „Re-Entry Visum“ aus Haifa besorgen. Also ging es vor der Reise ins Ministry of social affairs. Dort hieß es: Warten. Aber gute zwei Stunden später und 90 Schekel ärmer, hatten wir dann das Visum.

Eine Woche später ging es dann los. Wir nahmen einen Bus von Nazareth direkt nach Amman, der Hauptstadt von Jordanien. Bevor wir allerdings Israel verlassen konnten, mussten wir über den Grenzübergang. Eine ganz neue Erfahrung, da ich das aus Europa ja nicht gewohnt bin. Nach gefühlten 20 mal Reisepass vorzeigen und erklären, was wir in Jordanien machen, konnten wir endlich in Jordanien einreisen.

Eingang zur Felsenstadt Petra

In Amman ging es dann erstmal ins Hostel, ehe wir die Stadt erkundeten. Amman ist eine riesige Stadt. Wir haben zwei Stunden damit verbracht, durch die Gassen zu gehen und uns die Läden anzuschauen. Allerdings waren wir auch etwas müde von unserer Anreise, so dass wir auch relativ früh wieder im Hostel waren und geschlafen haben.

Am nächsten Tag haben eine Tour zu Wüstenschlössern unternommen. Diese war allerdings nicht allzu spektakulär, da dass Wort „Schloss“ für die Gebäude etwas großzügig gewählt ist. Es waren eher große Gebäude. Diese haben wir besichtigt.Diese Tour hat den Großteil des Tages eingenommen, so dass wir am Abend nur noch was essen gegangen sind.

An unserem letzten Tag in Amman haben wir das jordanische Nationalmuseum besucht, dort ging es um die Entwicklung der Menschheit. Am Nachmittag sind wir dann zu einer alten Zitadelle gegangen, dort haben wir den Nachmittag verbracht. Von dort aus hatte man eine wunderbare Aussicht auf die Stadt.

Am nächsten Morgen ging es dann früh in Richtung Petra. Ein weiteres Highlight! Petra ist eine uralte, in den Fels eingehauene Stadt und eines der neuen sieben Weltwunder. Die Gebäude sind allesamt sehr beeindruckend. Wir haben insgesamt zwei Tage dort verbracht und längst nicht alles sehen können. Wir waren dort wandern, haben uns die Gebäude angeschaut und auch vieles einfach nur bestaunt.

Kamelritt durch das Wadi Rum

Im Anschluss ging es dann auf eine Wüstentour durch das Wadi Rum. Diese wurde von verschiedenen Beduinen geführt. Sie fing mit einer Kameltour an. Es war eine ganz besondere Erfahrung, auf einem dieser Tiere zu sitzen, allerdings nach fünf Minuten auch eine ziemlich unbequeme Erfahrung. Denn ein Kamelrücken ist trotz Decken und Sattel kein sehr bequemer Ort zum sitzen.

Nach knapp zwei Stunden sattelten wir dann von Kamel auf Jeep um. Dieser brachte uns zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten. Eins davon war zum Beispiel eine natürliche Steinbrücke oder ein „Steinpilz“ (ein großer Stein liegt auf einem kleinen Stein). Am Abend ging es dann in ein Beduinencamp. Dort gab es leckeres Essen und eine Menge traditionellen Tee, ehe wir dann ins Bett gingen. Am nächsten Tag hatten wir dann wieder eine Jeeptour zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten in der Wüste vor uns. Allerdings machten wir um die Mittagszeit eine große Pause, da es viel zu heiß wurde. Am Abend ging es wieder ins Zelt. Am letzten Tag gab es nur noch Frühstück, bevor wir nach Aqaba, einer Stadt am Roten Meer, gebracht wurden. Dort haben wir allerdings nur die Grenze überquert, um die letzten Tage unserer Reise noch in Eilat, Israel, zu verbringen.

Vor dem Tauchgang

Dort stand dann für mich dann wieder ein Highlight an: Ich bin tauchen gegangen! Dazu hab ich einen Einführungskurs mitgemacht. Nach anderhalb Stunden ging es dann aber auch ziemlich zügig ins Wasser bzw. unter Wasser! Der erste Atemzug unter Wasser war sehr merkwürdig, da es nun mal etwas ist, was man im Normalfall nicht tut. Aber schnell gewöhnte ich mich daran und dann war die Aussicht einfach atemberaubend. Es schwammen hunderte Fische in allen Formen und Farben an mir vorbei! Wir haben sogar einen Oktopus gesehen. Nach 50 Minuten war es allerdings schon vorbei. Auch unser Urlaub war so gut wie vorbei, es stand nur noch die Rückreise an.

Nach einer langen Busfahrt sind wir wieder in Tivon angekommen. Am nächsten Tag ging es auch schon wieder zur Arbeit. Darauf hatte ich mich schon wieder sehr gefreut, da ich die Member sehr vermisst habe.

Der Alltag hatte mich schnell wieder, und so war ich dann wieder mit dem Umzug in die neue Pinat Chai beschäftigt. Nun ist fast alles fertig, unseren Karavan, in dem wir viele Sachen lagern, wurde an seinen neuen Platz versetzt. Das erledigte ein Kran. Nun ist es nicht mehr viel, was gemacht werden muss.

 

 

April
Sandboarding und Besuch aus Deutschland

Auf gehts zum Sandboarding!

Im vergangenen Monat ist einiges passiert. Es fing Ende März an. Eran hat uns alle, deutsche und israelische Freiwillige, in die Wüste eingeladen. Die Reise ging am 22. März los. Dafür haben wir uns morgens im Kfar getroffen und den Bus mit unseren Sachen, aber auch mit Lebensmitteln beladen, denn unser Ausflug sollte drei Tage dauern. Nach einer guten Stunde war alles gepackt. Unser erster Halt war in Ein Ovdat, ein kleiner Nationalpark mit einem wunderschönen Wasserfall. Dort machten wir eine kurze Pause, ehe es dann auch schon weiterging. Unser nächstes Ziel war ein zunächst unscheinbarer Ort. Zu sehen gab es erst mal nur eine Düne mit einem Bulli davor. Uns war nicht ganz klar, was es damit auf sich hatte, und Eran wollte es uns auch nicht verraten. Doch als wir näher kamen, erkannten wir: Es ging zum Sandboarding!  

Da ich dies noch nie vorher gemacht hatte, war ich ganz besonders gespannt. Nach einer kurzen Einweisung schnappte sich jeder ein Board und es ging die Düne hinauf. Oben angekommen, ging es sofort aufs Board und wieder runter. Es waren sehr lustige und spaßige eineinhalb Stunden und auf jeden Fall ein Highlight.

Surfen im Sand – eine ganz neue Erfahrung.

Abends ging es ins Nachtlager: ein Beduinenzelt. Nach dem Abendessen und nach einer Dusche – wir waren voller Sand – ging es dann auch schon schlafen.

Am nächsten Morgen ging es früh los auf eine Wanderung. Wir stiegen auf einen Berg. Oben angekommen, hatte Eran eine Aufgabe für uns: 45 Minuten in Stille verbringen. Nach dieser Dreiviertelstunde erzählte jeder von seinen Erfahrungen, bevor wir unsere Wanderung fortsetzten und abends wieder im Lager waren.

Dann brach auch schon der letzte Tag an. Diesen verbrachten wir an einem Ort in der Wüste, wo es verschiedenfarbigen Sand gibt, und an einer Wasserquelle, ehe es zurückging.

Nachwuchs bei den Ziegen: Das Baby
heißt Luie.

Kurze Zeit nach unserem Ausflug stand ein persönliches Highlight für mich an. Ich bekam Besuch aus Deutschland. Meine Mutter und Stiefvater kamen mich besuchen. Sich wiederzusehen war erst etwas unreal, da ich die beiden ja das letzte Mal vor sieben Monaten gesehen hatte. Aber dieses Gefühl verging, und es war schnell wieder alles normal. Insgesamt war mein Besuch für eine Woche da. Wir haben vieles zusammen gemacht. So hab ich ihnen mein Projekt gezeigt, was ich sehr schön fand, da sie es sonst nur von meinen Erzählungen kannten. Aber wir haben auch sonst noch vieles erlebt. So waren wir zum Beispiel in Betlehem und in Jerusalem am Toten Meer. Sich am Ende der Woche zu verabschieden, war dann wieder etwas komisch, aber diesmal ist der Abschied ja nicht mehr für so lange.

Als ich dann am Dienstag wieder in die Pinat Chai kam, erwartete mich eine kleine Überraschung: Eine unserer Ziegen hat ein Baby bekommen! Wir haben es Luie getauft.

 

 

 

März
Karneval auf Jüdisch: Schwitzen im Schneeanzug

Halbzeit: Zum Zwischenseminar ging es nach Haifa.

Mittlerweile bin ich schon mehr als sechs Monate in Israel, also hieß es am 18. Februar: Halbzeit für mich! Die Zeit verfliegt einerseits ziemlich schnell, so dass ich mich andauernd frage, was ich überhaupt so gemacht habe, andererseits habe ich das Gefühl, schon ewig hier zu sein. Man fühlt sich sehr als Teil des Kfar‘s, so dass es merkwürdig ist, sich zu überlegen, dass es erst sechs Monate sind.

Zur Halbzeit mussten ich zu einem Zwischenseminar. Da ich allerdings als Einziger aus dem Bistum Osnabrück in Israel bin, habe ich mich den Freiwilligen der Diözese Freiburg angeschlossen. Das Seminar war in Haifa, also nur eine kurze Busfahrt entfernt.

Am ersten Tag haben wir uns bekanntgemacht, unsere Erwartungen an das Seminar geteilt und abends unsere Einsatzstellen vorgestellt. Andere Programmpunkte während des Seminars waren: Haifa erkunden, das Thema Wasser, unser Blick auf das kommende halbe Jahr und noch vieles mehr. Die Abende haben wir meistens gemütlich mit einem Bier und Geschichten aus unseren Projekten ausklingen lassen. Am 28. Februar ging es wieder Richtung Tivon. Die Woche war sehr abwechslungsreich, nie langweilig, und ich habw viele neue und nette Menschen kennengelernt.

Zurück im Kfar, hatte mich schnell der Alltag wieder. Jeden Morgen in die Pinat Chai, dann Pause, nachmittags verschiedene Aktivitäten oder „1 to 1‘s“. Zum Glück jedoch wird dieser Alltag nie langweilig.

Vergangenen Sonntag und Montag kam dann Purim, die jüdische Version von Karneval. Am Sonntag haben wir, die deutschen Freiwilligen und die israelischen Shinshinim, eine Kostümparade veranstaltet, sind durch das ganze Kfar gelaufen und haben mit den Membern zusammen gefeiert. Am Montag war dann die große Purimparty. Diese stand unter dem Thema „Welt“. Dafür haben wir uns in verschiedene Gruppen aufgeteilt, die Spiele und Aktionen für bestimmte Länder und Regionen der Welt vorbereitet haben.

Ich war an der Station „Antarktis“. Dementsprechend musste ich mich auch kleiden; ich steckte in einem Schneeanzug mit Mütze bei 25 Grad. Es war, wie man sich wahrscheinlich denken kann, sehr sehr warm. Immerhin konnte ich mich bei den Spielen an unserer Station etwas abkühlen: Die Member mussten aus Eiswürfeln kleine Spielzeuge herausschlagen. Im Anschluss gab es dann noch eine kleine Show mit einem indischen Tanz, danach konnten alle tanzen. Am Ende des Tages war ich doch sehr froh, mein dickes Kostüm ausziehen zu können.
 

Ausflug nach Jericho

Vor zwei Wochen bin ich auch endlich wieder mal etwas gereist. Wir sind zu viert nach Jericho in Palästina gefahren. Jericho ist die älteste und tiefstgelegene Stadt der Welt. Am Freitagabend sind wir angekommen und haben uns ein Hostel gesucht. Da das Hostel etwas außerhalb liegt, haben wir den Abend auf dem Balkon verbracht, mit einer wunderschönen Aussicht auf die Stadt.

Am nächsten Morgen gab es um 9 Frühstück. Danach ging es dann los zum Berg der Versuchung, auf dem Jesus der Versuchung des Teufels wiederstanden haben soll, als er 40 Tage lang fastete. Nach einem kurzem Besuch des Tempels dort, ging es zu einer alten Palastruine. Dort verbrachten wir aber nur kurze Zeit.

Im Anschluss ging es zum Toten Meer. Darin zu schwimmen, war eine sehr besondere Erfahrung. Man kann nicht untergehen, der Körper geht immer automatisch in die Waagerechte. Auch die Haut fühlt sich sehr besonders an, das ist schwer zu beschreiben. Nach unserem Ausflug ging es dann wieder zurück nach Tivon.

 

 

Februar
Neue tierische Bewohner

Die ersten Tiere ziehen um. Hier wird ein Käfig auf den Traktor geladen.

In diesem Monat sind wir mit dem Umzug in der Pinat Chai gut vorangekommen. So langsam ziehen die ersten Tiere um. Die Vögel waren die ersten. Dazu kamen Sheran und Salech, beides Hausmeister in Kfar Tikva, mit ihrem Traktor zu uns. Den großen und lauten Traktor zu sehen, hat viele der Member richtig gefreut.

Mit der Hilfe einiger Member haben wir dann den Käfig auf die Gabel des Traktors getragen. Anschließend haben wir ihn auf den für ihn vorhergesehenen Platz gebracht. Somit hat die neue Pinat Chai ihre ersten Bewohner.

Anfang dieser Woche sind dann auch schon die nächsten Bewohner eingezogen, diese kamen aber nicht aus der „alten“ Pinat Chai, sondern sind komplett neu. Wir haben sechs Hühner bekommen. Den Stall haben die Member zusammen mit einem meiner Mitfreiwilligen gebaut. Die ersten Eier gab es auch schon!

Am Donnerstag bin ich mit Orit, unserer Workshopleiterin, einer Freundin von ihr und ein paar Bewohnern des Kfar Tikva zu einem Schulgelände gefahren. Dieses hat ebenfalls eine Pinat Chai, mit Ziegen. Da wir überlegen, ob wir noch mehr Ziegen aufnehmen, hat sich Orit dort Tipps und Ratschläge geholt. Denn diese Ziegen wollen wir dann auch melken und aus der gewonnenen Ziegenmilch Käse herstellen. Allerdings sind all dies noch Überlegungen und bis jetzt noch nichts Festes. Wir hoffen aber sehr, dass unsere Ideen bald vom Chef des Kfar genehmigt werden. Dann setzen wir uns ran und bauen ein Gehege.

Die letzte Woche war etwas anstrengender als sonst. Zurzeit haben viele Freiwillige ihr Zwischenseminar und sind somit für eine Woche nicht im Kfar. Dazu kommt, dass die Shinshinim diese Woche einen Ausflug gemacht haben und somit auch nicht da waren. Trotzdem musste der normale Alltag weitergehen. So haben wir aufgefangen was wir konnten, was häufig in langen Arbeitstagen endete. Allerdings hat diese Erfahrung auch Spaß gemacht. Den so waren wir viel mehr involviert im Kfar und konnten die Bewohner nochmal besser kennenlernen und sie uns auch.

Abseits vom Kfar-Leben hab ich diesen Monat leider nicht viel erlebt. Es hat hier sehr viel geregnet und war sehr nasskalt. Auch wenn es im Vergleich zu Deutschland sehr warm ist, hat es doch etwas unsere Reiselaune gedrückt, aber ich bin mir sicher, dass sie mit der Sonne auch wiederkommt. Eine Sache habe ich allerdings doch noch erlebt. Wir waren vor drei Wochen in Haifa, auf einem Konzert. Gespielt hat „The Angelcy“, eine israelische Band. Es war mein erstes Konzert auf Hebräisch. Zum Glück waren aber die Lieder auf englisch.

Konzert der israelischen Band „The Angelcy" in Haifa

 

 

Januar
Nachts nach Betlehem gewandert

Betlehem, vor der Geburtskirche

Zeit seit meinem letzten Blog war sehr ereignisreich. Weihnachten haben alle deutschen Freiwilligen in Jerusalem und Betlehem verbracht. Dazu sind wir am 24. Dezember alle zusammen gegen 19 Uhr in den Bus nach Jerusalem gestiegen. Gute eineinhalb Stunden später sind wir dann auch in der Central Station angekommen. Von dort aus ging es noch eine gute halbe Stunde zu Fuß weiter, zur Erlöserkirche. Um am Gottesdienst teilnehmen zu können, mussten wir vorher Karten reservieren, diese konnten wir am Eingang abholen.


Als wir dann unsere Plätze hatten, ging es um 22.30 Uhr los. Der Gottesdienst wurde hauptsächlich auf Deutsch gehalten, aber das Evangelium und wichtige Teile wurden auch auf Englisch, Hebräisch und Arabisch übersetzt. Es war auf jeden Fall eine sehr besondere Erfahrung, so einen Gottesdienst zu feiern, der irgendwie so war wie in Deutschland, aber auch wieder ganz anders. Nachdem Gottesdienst gab es draußen einen heißen Glühwein, bevor wir nach Betlehem gewandert sind. Während der Wanderung haben wir immer wieder angehalten, um weihnachtliche Lieder zu singen. Leider ging die Wanderung hauptsächlich an viel befahren Straßen entlang, was die Weihnachtsstimmung etwas drückte.

Um drei Uhr nachts sind wir dann in Betlehem in der Geburtskirche angekommen. Dort haben wir uns alle versammelt und ein paar Lieder gesungen. Danach sind wir noch zur Geburtsstätte gegangen. Um dorthin zu gelangen, mussten wir eine schmale Treppe runter, unten fanden wir dann einen Altar vor, vor dem sich jeder hinkniete. Es herrschte eine andächtige Stille. Nach ein paar Minuten sind wir dann wieder rausgegangen, um den anderen Leuten Platz zu machen.
 

die Geburtsstätte in Betlehem

Um die Nacht ausklingen zu lassen, sind wir noch in ein Café ganz in der Nähe gegangen. Wir hatten noch drei Stunden Zeit, bis der erste Bus kam. Auf unserem Rückweg mussten wir durch einen Checkpoint, da Betlehem im palästinensischen Autonomiegebiet liegt. Das war eine nicht ganz so schöne Erfahrung. Es standen viele arabische Palästinenser dort und warteten darauf, nach Israel gehen zu können. Vorher mussten sie aber einige Kontrollen über sich ergehen lassen, dies dauert lange, da wirklich jeder kontrolliert wird. Für mich ist es schwer vorstellbar, so etwas jeden Tag zu erleben. Nach dieser eher bedrückenden Erfahrung waren wir froh, einen Bus zurück nach Tivon nehmen zu können. Um acht Uhr morgens waren wir endlich in unserer Wohnung. Das ganze Umfeld, die Leute, mit denen wir dort waren – und alles ohne Familie – das alles hat dieses Weihnachten sehr einmalig für mich gemacht.

Zwischen Weihnachten und Silvester musste ich dann wieder arbeiten. Im jüdischen Kalender stand Chanukka als nächster großer Feiertag an. Dies haben wir auch im Kfar etwas gefeiert. Dazu ist es üblich, Kartoffelpuffer zu zubereiten und Süßgebäcke zu verteilen. Dies haben wir auch mit den Membern gemacht. Nach viel Gesang und Feiern war der Tag dann aber auch zu Ende.

An Silvester sind wir nach Tel Aviv gefahren, um dort ins neue Jahr zu feiern. Wir sind auf eine Party für deutsche Volontäre gegangen. Es war komisch, wieder so viel Deutsch zu hören, da ich im Alltag meisten nur Englisch und Hebräisch höre. Aber es war ein sehr schöner Abend, auch wenn es kein Feuerwerk gab. Denn das ist in Israel nicht erlaubt. Auch sonst ist Silvester für viele in Israel nichts Besonderes, viele müssen am nächsten Tag zur Arbeit und gehen deswegen gar nicht feiern. 

 

 

Dezember
Weihnachtsstimmung und eine Klettertour

Nationalpark im Norden von Galilee: Landeplatz für Tausende Kraniche

Weihnachten steht vor der Tür. In Deutschland sind jetzt Weihnachtsfeiern und Minus-Temperaturen, während bei mir in Israel kaum Weihnachtsstimmung aufkommt. Hier gibt es immer noch Tage, an denen man nur mit einem Pullover, ohne Jacke, raus kann. Geschmückt ist es auch nicht, warum auch? Israel ist ja überwiegend jüdisch. Allerdings war ich von Nazareth überrascht. Nazareth ist eine christlich-arabische Stadt, heißt also, es wird Weihnachten gefeiert. Dementsprechend gibt es dort Weihnachtsbäume, Lichterketten und den obligatorischen Glühwein. Das war das erste Mal, dass bei mir etwas Weihnachtsstimmung aufkam. Trotz der fehlenden Weihnachtsstimmung geht es mir immer noch sehr gut hier. Die Arbeit im Kfar macht mir nach wie vor großen Spaß.

In der Pinat Chai sind wir immer noch sehr mit dem Umzug beschäftigt, aber es ist ein Ende in Sicht. So muss nur noch das Gehege für Klick (unser Pferd) installiert werden, dafür musste ich mit einem Member alles vermessen, einen Plan entwerfen und Markierungen setzten. Dann muss das Inventar meines Workshops hingebracht werden. Unser neuer Hühnerstall steht auch kurz vor der Vollendung. Er wurde von Bastian, einem Mitfreiwilligen, und einem Member zusammengebaut. Ich bin schon sehr gespannt wie die Pinat Chai aussieht, wenn alles fertig ist.

Am vergangenen Donnerstag haben wir Freiwillige und die Shinshinim mit unserem Verantwortlichen einen Ausflug unternommen. Wir sind in den Norden von Galilee gefahren. Dort haben wir vormittags eine große Fahrradtour durch einen Nationalpark gemacht. In diesem Nationalpark machen Tausende Kraniche Halt, bevor sie weiter nach Afrika fliegen. Schon von weitem konnte man sie hören. Es war sehr beeindruckend, wie viele Vögel es waren.
 

Tolle Aussicht auf Canyons und Berge

Nachmittags waren wir in einem Kibbuz Paintball spielen. Das hat sehr viel Spaß gemacht und war etwas, das ich schon in Deutschland immer mal machen wollte. Am Abend wurden wir noch zum Essen in ein arabisches Restaurant eingeladen. Es war sehr lecker. In solch einem Restaurant bekommt man keinen Teller mit seinem Gericht, sondern es werden viele kleine Schälchen mit allen möglichen Sachen gebracht. Typisch sind Humus, Salate, Soßen und Pita. Wenn diese Schälchen leer sind, dauert es meistens nicht sehr lange, bis sie aufgefüllt werden. Nach einem langen, aber sehr schönen Tag war ich dann froh, als ich abends im Bett lag.

Vor einigen Wochen wurden uns vom Kfar Gastfamilien zugeteilt. Diese Gastfamilien sollen uns das „israelische Leben“ zeigen. Mit meinem Gastvater bin ich dann auch schon vor ein paar Wochen in der Nähe von Masada wandern gewesen. Wir sind an einem Donnerstagabend losgefahren und spät abends am Startpunkt der Wanderroute angekommen. Dort haben wir erstmal ein Lagerfeuer gemacht, ehe wir schlafen gegangen sind.

Am Morgen ging es dann auch schon ziemlich früh los. Doch zunächst war ich sehr überrascht, denn ganz in der Nähe von unserem Lagerfeuer war eine riesige Felswand! Die habe ich am Abend vorher wegen der Dunkelheit nicht gesehen. Dann ging‘s los, zunächst mussten wir eine dieser Felswände rauf, 500 Meter, das war alles andere als leicht. Doch die Aussicht hat uns mehr als entschädigt. Man sah Canyons, Berge, Flussbetten und sogar das Tote Meer. Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es weiter über Berge und durch eine Menge Täler. Wir haben sogar ein wildes Kamel gesehen! Nach acht Stunden wandern waren wir wieder am Auto und ein sehr schöner Tag war zu Ende.

Wanderung in der Nähe von Masada

 

 

November
Sherlock Holmes auf Hebräisch und eine Olivenernte

Blick auf Jerusalem vom Ölberg

Letzte Woche sind wir in ein Theater gefahren. Das Theatergebäude befindet sich in einem Dorf, nicht weit von Kfar Tikva. Dort angekommen, mussten wir uns erst mal etwas organisieren, da 70 Member dabei waren und wir sieben Freiwilligen – und nur drei davon waren Israelis. Das erschwerte die Organisation etwas. Aber nach ein paar Minuten hatte jeder von uns eine Zehnergruppe, für die er verantwortlich war. Wir mussten dafür sorgen, dass jeder einmal auf die Toilette geht und dass jeder auf seinem Platz sitzt. Dies klappte besser als gedacht.
 

Im Theater: Es wird Sherlock Holmes aufgeführt.

Dann fing auch schon das Theaterstück an, es wurde Sherlock Holmes aufgeführt. Mit meinen eher mäßigen Hebräischkenntnissen war es etwas schwer, dem Stück zu folgen. Doch die Member hatten sehr viel Spaß. Als es zu Ende war, haben wir wieder unsere Gruppen zusammengesucht und sind zurück nach Kfar Tikva gefahren, wo es noch etwas zu essen gab: Humus mit Pita. Nach dem doch sehr langem Tag war ich froh, als ich abends ins Bett konnte.

Am nächsten Tag hieß es dann wieder um 7 Uhr aufstehen und den Transit zum Kfar nehmen. An diesem Tag gab es noch ein weiteres kleines Highlight: die Olivenernte. An einem Abhang im Kfar stehen viele Olivenbäume, diese sind nun reif. Um bei der Ernte tatkräftig mitzuhelfen, bekamen jeder Member eine kleine Hacke, und unter den Bäumen wurde ein riesiges Netz ausgebreitet. Dann durften wir auch schon anfangen zu ernten. Mit der kleinen Hacke wurden die Oliven abgehackt, wer keine Hacke hatte, pflückte die Oliven einfach mit der Hand. Das haben wir zwei Stunden lang gemacht. Es hat viel Spaß gemacht, war aber auch sehr anstrengend, da es hier um die Mittagszeit immer noch an die 30 Grad werden.
 

Olivenernte

Am letzten Wochenende bin ich mit anderen Freiwilligen nach Jerusalem gefahren. Wir haben im Paulushaus geschlafen, einem Projekt von einer anderen deutschen Entsendeorganisation. Das Haus steht  direkt am Damaskus-Tor, mit einer großen Dachterrasse mit Blick auf dem Platz vor dem Tor. Dort haben wir auch den Freitagabend verbracht, vorher haben wir uns aber noch eine Falafel gekauft.

Am Samstag sind wir dann gegen 10 Uhr losgegangen und haben die Stadt erkundet. Zuerst haben wir das „French“ besucht, ein Hospiz, das ebenfalls von einer anderen Entsendeorganiation unterstützt wird. Dort haben wir uns mit den Freiwilligen getroffen. Nach einer Stunde sind wir dann weitergegangen in Richtung Klagemauer. Dort angekommen, mussten wir uns aufteilen, Frauen und Männer haben getrennte Bereiche. Außerdem mussten Männer eine Kippa tragen.

Nach einer halben Stunde ging es dann weiter auf den Ölberg. Der Aufstieg war etwas anstrengend, vor allem wenn man aus dem flachen Emsland kommt, aber der Blick von dort hat für alles entschädigt. Es war wolkenfrei und man konnte ganz Jerusalem sehen und in der Mitte der Felsendom.

Ausflug nach Jerusalem: die Klagemauer

 

 

Oktober
Viele Feiertage und Ausflug zu einer Ruinenstadt

Ein neuer Platz für die Tierfarm Pinat Chai

In den letzten Wochen gab es hier viele jüdische Feiertage. So war vor zwei Wochen Rosha Hashana, das jüdische Neujahr. Nach dem jüdischen Kalender haben wir jetzt das Jahr 5777. Um das neue Jahr zu begrüßen, haben sich alle Member in der Essenshalle zu einer kleinen Show versammelt. So hat der Kfar-eigene Memberchor gesungen, es wurde ein Tanz aufgeführt, und der Chef von Kfar Tikava hielt eine Rede. Als Höhepunkt gab es für jeden einen Apfel mit Honig, der gleichzeitig gegessen wurde – damit das Jahr süß beginnt. Nach dem offiziellen Teil hat eine Ehrenamtliche aus dem Nachbarort Musik mit ihrer Gitarre gemacht und gesungen. Die Member haben dazu getanzt.

Eine Woche später war der nächste Feiertag, Jom Kippur (oder Yum Kippur). An diesem Tag bitten gläubige Juden um die Vergebung ihrer Sünden. Dazu wird 25 Stunden gefastet und es ist verboten, Lederschuhe zu tragen, da Lederschuhe als Luxus gelten und das nicht im Sinne des Fastens wäre. Außerdem sieht man an diesem Tag auch kein Auto auf den Straßen und alle Grenzübergänge sind geschlossen (auch der Flughafen). Es ist zwar offiziell nicht verboten, das Auto zu benutzen, doch es halten sich auch die nichtreligiösen Juden daran. Leider war ich an diesem Tag nicht im Kfar, sondern hatte frei. 

Ausflug zu einer Ruinenstadt

Neben den Feiertagen verlief die restliche Zeit im Kfar wie gewohnt, mit der Ausnahme, dass nun mein Workshop, die Tierfarm Pinat Chai, dank einer Spende bald renoviert wird und wir jetzt dabei sind, für die Übergangszeit einen neuen Platz herzurichten, auf einer kleinen Lichtung. Das nimmt viel Zeit in Anspruch, da wir ziemlich vieles neu bauen. So haben wir neue Boxen für den Kräutergarten gebaut, ein Tor für das Gehege der Schafe angebracht und rund um die neue Pinat Chai einen Zaun montiert. Alles immer zusammen mit den Membern. 

An einem Wochenende habe ich einen der israelischen Freiwilligen besucht, die hier Shinshinim genannt werden. Er wohnt in der Nähe von Jerusalem, in einem kleinem Dorf.  Bei ihm habe ich mein erstes richtiges Schabbatessen erleben dürfen. Typisch für ein solches Essen ist, dass die ganze Familie kommt. So war es auch in diesem Fall. Zu essen gab es als erstes Challa, ein Brot, das es immer zum Schabbat gibt. Anschließend gab es eine Suppe und andere leckere Sachen. Natürlich alles koscher.

Am nächsten Tag sind wir zusammen mit einer Freundin und der Mutter des Freiwilligen zu einer verlassenen Ruinenstadt in Jerusalem gefahren und haben dort den Vormittag verbracht. Es war sehr interessant, diese alten verlassenen Ruinen zu sehen, da diese voller Geschichte sind. Es haben dort immer wieder Juden und Arbaer gelebt, die immer wieder vertrieben wurden. Leider kann ich die genaue Geschichte des Ortes nicht wiedergeben. Es war jedenfalls ein schönes Wochenende und ich habe mir vorgenommen, den Ort noch mal zu besuchen.

 

September
Hebräisch – eine schwierige Sprache

Mittlerweile bin ich schon vier Wochen in Israel. Die Zeit vergeht wie im Flug, es kommt mir so vor, als ob ich erst letzte Woche aus dem Flieger gestiegen bin. Aber dennoch lässt sich so langsam eine Routine ausmachen: Den Bus morgens um kurz vor 8 Uhr nehmen, einen Member zur Arbeit bringen, dann selber in meinen Workshop gehen, Mittagessen, nachmittags verschiedene Aktivitäten anbieten (Pnai‘s genannt) und dann um 18.30 Uhr den Bus zurück zur Wohnung nehmen. 

Von 8 bis 18.30 Uhr klingt nach einem langen Tag, ist es auch, aber er vergeht total schnell. Gerade weil man in den Pnai‘s sehr frei in der Gestaltung ist. So war ich in den letzten Wochen mit den Membern bowlen, Schach spielen – was alles andere als leicht ist, da im Kfar richtige Schachprofis sind – oder große Spaziergänge durch die benachbarte Stadt. 

Ein Bazar in Nazareth

Vorige Woche ist auch unser Hebräischkurs im Dorf angefangen. Nach drei Stunden hab ich festgestellt, dass noch ein ganz schönes Stück Arbeit auf mich zu kommt! Hebräisch ist keine leichte Sprache, da sie so gut wie gar nichts mit der deutschen Sprache gemein hat. Es gibt keine Vokale! Beziehungsweise gibt es schon welche, aber sie werden nicht geschrieben. Um ein Wort lesen zu können, muss man es schon vorher kennen, um die richtige Aussprache hinzubekommen – nicht gerade leicht, wenn man die hebräischen Buchstaben und die Sprache noch nicht kann.

Letztes Wochenende hatte ich das erste Mal Zeit, um auf Reisen zu gehen. Ich bin mit zwei Mitfreiwilligen nach Nazareth gefahren, was gerade einmal 45 Minuten mit dem Bus entfernt ist. Dort angekommen, haben wir uns erstmal ein Hostel gesucht und haben anschließend die Stadt erkundet. Wir sind durch sehr viele kleine verwinkelte Gassen gelaufen, es sah genauso aus, wie man sich eine arabische Stadt vorstellt. 

Nazareth ist nämlich die Stadt mit dem größten Anteil von Arabern in Israel. Das bedeutet, dass die Stadt nicht an den Schabbat gebunden ist, sondern die für uns Deutsche „normale“ Arbeitswoche hat. Weswegen wir am Samstag auch über einen Bazar gehen konnten. Überall waren Händler, die Obst, Teppiche und Gewürze verkauft haben. 

Auf unserer Erkundungstour haben wir eine Gruppe Pfadfinder kennengelernt. Die Pfadfinder haben uns in ihr Vereinshaus eingeladen und uns ihre Vereinsgeschichte erzählt. Wir durften außerdem beim Training ihrer Marschkapelle zugucken. Dies war eine sehr schöne, aber auch etwas sonderbare Erfahrung: Auf einem Dach in Nazareth mit 30 jungen christlichen Arabern, die mit Dudelsäcken und Trommeln ein schottisches Volkslied spielen. Es war ein sehr schöner Abend, und ich habe mir vorgenommen, die Pfadfinder noch einmal zu besuchen.

Training einer Pfadfinder-Marschkapelle

August
Ankunft im Dorf der Hoffnung

Pinat Hai, die dorfeigene Tierfarm: Dort warteten auf Jannek die ersten Aufgaben.

Shalom!
Obwohl ich erst eine Woche hier bin, habe ich schon einiges erlebt. Am Abreisetag hieß es für mich: früh aufstehen, Koffer zum Auto bringen und los nach Hamburg fahren. Während der Fahrt schossen mir alle möglichen Gedanken durch den Kopf: Wie wird das Jahr? Werde ich mich mit den anderen Freiwilligen verstehen? Wie klappt das mit der Verständigung? Und, und, und ...

Nach ein paar Stunden Fahrt kam ich in Hamburg an, nach dem Check-In war es dann auch relativ schnell soweit, dass ich mich von meiner Familie verabschieden musste. Das war mit der schwerste Schritt. Nach dem Verabschieden musste ich durch einige Sicherheitskontrollen, bevor ich ins Flugzeug konnte. Nachdem ich diese geschafft hatte, ging es los.

Vier Stunden später landete ich in Tel-Aviv. Dort angekommen, musste ich einen elendig langen Gang langlaufen, nur um am Ende die Passkontrolle vorzufinden – mit einer riesigen Schlange. Doch nach knapp zwei Stunden lag auch diese Hürde hinter mir. Ich war also offiziell in Israel angekommen. Jetzt hieß es nur noch, meine Mitfreiwilligen zu finden. Dies gestaltete sich schwieriger als gedacht, da man in dem Gewusel schnell den Überblick verlieren konnte. Aber nach gut zehn Minuten hatte ich sie dann entdeckt.

Nach der Begrüßung ging es per Zug Richtung Haifa. Im Zug gab es dann auch schon den ersten kleinen Schock: Neben mir saß ein junger Mann der gerade seinen Wehrdienst ableistet. Er hatte ein Sturmgewehr dabei, das volle Magazin lag vor ihm auf den Tisch. Mein Mitfreiwilliger sagte mir, dass man sich an diesen Anblick gewöhnen müsse, er gehöre hier zum Alltag.

Nach knapp 90 Minuten Zugfahrt kamen wir in Haifa an. Wir mussten in einen Bus umsteigen, der uns nach Tivon brachte, die Stadt, in der ich ein Jahr verbringen werde. In Tivon brachte ich erst einmal meine Tasche in die Wohnung. Von der Wohnung war ich positiv überrascht, sie ist sehr groß und hat eine wunderschöne Dachterrasse mit einem unglaublichen Ausblick.

Dann ging es rüber zur Wohngemeinschaft der Mädchen, denn es ist so, dass wir drei WG‘s haben: zwei Mädchen-WG's und eine Jungen-WG. Insgesamt sind wir zwölf Freiwillige aus Deutschland. Ich stellte mich den anderen vor und aß zum ersten Mal Humus, eine Paste die aus Kichererbsen zubereitet wird. Der Abend war kurz, da ich sehr müde von der Reise war. Also ging ich früh schlafen.

Und noch ein Blick auf die Tierfarm.

Am nächsten Morgen lernte ich dann Kfar Tikva kennen, das Dorf der Hoffnung. Das Kfar ist mit dem Bus keine zehn Minuten von unserer Wohnung entfernt. Dieser kostenlose Bus fährt extra für die Member und Freiwilligen des Kfars. Meine erste Aufgabe bestand darin, die Tiere in der Pinat Hai (ausgesprochen: Pinat Chai) zu füttern. Die Pinat Hai ist die dorfeigene Tierfarm. Nach dem Mittagessen hatte ich frei – eigentlich schon den ganzen Tag, aber ich wollte an meinem ersten Tag in Israel nicht in der Wohnung bleiben. Am Abend haben wir uns alle getroffen und zusammen gegessen.

Der Sonntag war offiziell mein erster richtiger Tag. Dazu muss man wissen, dass in Israel die Arbeitswoche von Sonntag bis Donnerstag geht. Ich war im Garten, habe dort mit den Membern gearbeitet, die Pflanzen gegossen und das Laub geharkt. An meinem zweiten Tag war ich wieder in der Pinat Hai und am dritten Tag in der Holzwerkstatt. In der Pinat Hai gab es nun auch mehr zu tun, als nur die Tiere zu füttern. Wir mussten nun auch die Gehege der Tiere ausmisten, dies dauerte den ganzen Vormittag.  

In der Holzwerkstatt konnte ich leider nicht allzu viel machen, da es Zeit braucht, um sich in die Arbeit einzufinden. Trotzdem war es ein sehr interessanter Vormittag, da ich dort zwei Member kennengelernt habe, die Deutsch sprechen. Eine sehr willkommene Abwechslung, da ich noch sehr wenig Hebräisch verstehe. Aber das wird sich ab September ändern, dann habe ich regelmäßig Unterricht.

Es dürfen auch Grüße und Wünsche an die Freiwilligen geschickt werden. Einfach auf „Kommentar schreiben" klicken.


 

Kommentare

Hey,Jannek habe gerade überrascht gelesen was du machen musst ! Hast du schon Kontakt mit Menschen mit Behinderungen bekommen? Ist es sehr heiß dort oder gewöhnt man sich an die Hitze? Der Gewürzmarkt sieht sehr beeindruckend aus! Diese Mengen, werden die auch ins Ausland verkauft oder nur für die Menschen die dort leben? Wir haben hier auch gerade sehr schöne Temperaturen, sommerlich! In der Stadt ist Erntedankfest mit Bauernmarkt! Mach es erstmal gut und ich schreibe mal wieder!! Bis bald Anne! Auch Grüße von Lukas!

Hey, ja wir haben jeden Tag mit denen zu tun. Wir haben hier auch sowas wie FED. Das ist schon ziemlich warm hier, aber man gewöhnt sich schnell daran. Also auf dem Bazar konnte man das nur für sich kaufen, ich glaube nicht das die das verschicken. Liebe Grüße, Jannek