11.09.2014

Patrick berichtet über seinen Freiwilligendienst in Russland 2014/15

Neues aus Nowosibirsk

Über das Leben nachdenken, Toleranz lernen, an Schwierigkeiten wachsen: Ein Freiwilligendienst im Ausland ist eine fantastische Chance für junge Leute. Patrick Dillmann aus Hasbergen bei Osnabrück verbringt zurzeit ein Jahr in Russland. Über seine Erlebnisse berichtet er an dieser Stelle regelmäßig.

 

April 2015
Ein Abschied mit lachendem und weinendem Auge: vorzeitiges Ende des Freiwilligendienstes

Mit dem Vater in Moskau

Der April war wirklich sehr ereignisreich – im positivem wie auch im negativem Sinne. Zunächst das Positive: Mein Vater hat mich besucht. Ich habe mich gefreut, somit ein Stück Heimat hier in Novosibirsk zu haben. Wir haben eine Woche gemeinsam verbracht. Ich habe ihm die Stadt gezeigt, meinen Alltag und ihn mit meinen engsten Freunden bekannt gemacht. Danach sind wir noch für vier Tage zu einem Freund nach Moskau geflogen, haben uns die Stadt angeschaut, selbstgemachtes Schaschlik gegrillt, eine typische russische Banja (Sauna) besucht und vieles mehr. Ich habe die Zeit mit meinem Vater sehr genossen und war froh, dass er einen Einblick in mein Leben, das ich seit acht Monaten führe, bekommen hat.

Anfang April ereignete sich allerdings ein sehr unangenehmer Vorfall. Ich wurde am hellichten Tag von einem betrunkenen Mittzwanziger zusammengeschlagen – auf dem Weg zurück vom Russischunterricht, zehn Meter vor dem Eingangstor der Caritas. Ich trug blaue Flecke, Schrammen und eine Gehirnerschütterung davon. Nach diesem Vorfall ist es mir leider nicht mehr möglich, ruhig und gelassen durch die Straßen von Nowosibirsk zu gehen, zumal sich die Caritas in einer nicht ganz sicheren Gegend befindet. Ich wollte erst schauen und abwarten, ob sich meine Angst wieder legt, aber selbst als ich mit meinem Vater unterwegs war, fühlte ich mich nicht sicher, und mir graute schon davor, wieder allein zu sein. Deshalb habe ich nach langem Überlegen entschieden, meinen Freiwilligendienst nach acht unglaublich tollen Monaten frühzeitig zu beenden und kehre somit schon am 27. April nach Deutschland zurück.

Ich bin dankbar für die einzigartigen Leute, die ich hier kennengelernt habe und die unglaublichen Erfahrungen und Erlebnisse, die mir in Sibirien begegnet sind. Ich werde diese Zeit niemals vergessen und werde somit Nowosibirsk mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen.

 

 

März 2015
Shoppingmalls und alkoholisierte Kinder

Blick in eine Shoppingmall

Worüber ich mich wirklich wundere, ist die unglaubliche Vielfalt an Geschäften in Russland. Das habe ich so nicht erwartet. Nicht nur, dass es dieselben Klamottenläden gibt wie bei uns – und sogar noch mehr. In einem Supermarkt habe ich fast 80 Kassen gezählt. Und jedes Mal, wenn ich eine riesige Shoppingmall betrete – oft mehrstöckige und schöne Bauwerke –, denke ich mir: Ist das wirklich Russland?  

Selbstverständlich gibt es auch den ein oder anderen Schwarzmarkt mit Produkten aus China. Vor allem in den Metro-Stationen sind viele kleine Geschäfte untergebracht. Allerdings musste ich jetzt feststellen, dass durch die Rubelkrise und den damit verbundenen Preisanstieg die Produkte mittlerweile teurer sind als in Deutschland. Das war im September vergangenen Jahres, als ich ankam, noch anders. Von daher macht das Bummeln durch die Geschäfte nicht mehr so viel Spaß. Aber vor allem frage ich mich, wie die Russen damit umgehen. Denn selbst die Lebensmittel werden teurer. Oft stelle ich fest, dass die Einheimischen trotz allem optimistisch bleiben. Das ist wohl ihre Mentalität. Viele regen sich zwar über die Preise auf, aber die meisten reagieren so: „Was kann man schon machen, das Leben geht weiter. Wir haben schon lange so gelebt, also werden wir es auch weiterhin schaffen.“ Viele Leute leben auch sehr einfach. Sie würden sich gern mal einen Urlaub gönnen, aber das ist in den meisten Fällen nicht möglich. Ihre Einnahmen beziehen sie auch oft aus mehr als einer Arbeitsstelle. 

Durch meine Arbeit bei der Caritas habe ich schon viele Situationen mitbekommen, die für Russland alltäglich sind: Eltern haben oft mehrere Jobs, um Geld für Miete, Verpflegung etc. für ihre Familie zu erwirtschaften. Da fehlt den Kindern oft eine „führende Hand“. Auch ist es immer häufiger der Fall, dass Leute ihre Arbeit verlieren und somit leicht dem Alkohol verfallen. Dies wirkt sich natürlich auf die Kinder aus und führt dazu, dass viele schon im jungen Alter anfangen zu trinken. Auch habe ich letztens ein paar Kinder gesehen (sie waren vielleicht elf Jahre alt), die angetrunken mit einer Wodkaflasche in der Hand durch die Straßen taumelten. Ich habe den Eindruck, das stört niemanden beziehungsweise die Menschen verschließen die Augen davor. Somit wachsen die Kinder solcher Familien mit Alkohol auf, werden im schlimmsten Fall noch im Jugendalter schwanger, werden von zu Hause rausgeworfen und  streiten sich viel mit ihren Eltern. So geht der Teufelskreis weiter. Es ist wirklich schlimm, solche Geschichten zu hören, aber umso schöner ist es, zu sehen, dass es Organisationen wie die Caritas gibt, die sich um diese Menschen kümmert.

 

 

Februar 2015
49 Stunden „Zugluft"

St. Petersburg – strahlend blauer Himmel

Den Großteil des Februars habe ich in der schönen Stadt St. Petersburg verbracht. Anfang des Monats bin ich mit dem Nachtzug zunächst in die sibirische Stadt Omsk gefahren und habe dort eine Freiwillige aus Bistum dem Osnabrück besucht. Nach einem Tag Aufenthalt ging es dann zu zweit weiter mit dem Zug nach St. Petersburg, denn dort fand das verpflichtende Zwischenseminar des Bistums Osnabrücks mit zwei Betreuern statt.

Während eines Aufenthaltes in der Ukraine 2012 konnte ich schon einmal für längere Zeit „Zugluft“ schnuppern. Diese Reise in die größte nördlichste Millionenstadt war jedoch noch um einiges länger. Insgesamt haben wir 49 Stunden im Zug verbracht, und es war ehrlich gesagt nicht so schlimm wie ich es mir vorgestellt hatte. Sicher, es war recht unangenehm, sich das Abteil mit zwei Bier trinkenden und Trockenfisch essenden Russen zu teilen, denn der entsprechende Geruch verteilte sich im Zug. Aber alles in allem war das leichte Schaukeln des Zuges und das Vorbeiziehen verschneiter Dörfer und Landschaften sehr beruhigend.

Die 49 Stunden habe ich größtenteils damit verbracht zu schlafen, Tee zu trinken, zu essen und russische und italienische Vokabeln zu lernen. Von daher ließ sich die Zeit recht gut vertreiben. Dennoch war ich sehr froh, als wir dann ankamen und erst einmal eine warme Dusche nehmen konnten. Das Zwischenseminar fand nicht direkt in St. Petersburg statt, sondern in einem eineinhalb Stunden entfernt gelegenen Dorf. Wir waren in einem Kloster untergebracht, in dem ein einziger Mönch lebt. Dieser erzählte uns, dass im Winter nur 30 Menschen in dem Dorf wohnen. Umso schöner war dort aber auch die Natur. In einer Seminarpause haben wir einen Ausflug zu einem See gemacht und sind durch eine verschneite Waldlandschaft gestiefelt. Der Schnee war überall im Wald unberührt und mehr als kniehoch. Trotz der Minusgrade war es also recht schweißtreibend und langwierig, durch den hohen Schnee zu stapfen. Aber es hat sich gelohnt, denn die verschneite Waldlandschaft war wirklich traumhaft.
 

Winterliches St. Petersburg

Nach dem Seminarende bin ich noch für vier Tage bei Freunden in St. Petersburg geblieben und wir haben viel unternommen. Es ist wirklich eine wunderschöne Stadt, in der jedes Gebäude individuell und impressiv auf seine eigene Art und Weise ist. Viele Kirchen, Plätze, Gedenkorte und Museen standen auf dem Programm, unter anderem die Eremitage. Zum Glück ist dort im Winter nicht so viel Trubel wie im Sommer, so dass ich in manchen Räumen der Einzige war und sogar zwei Gemälde Da Vincis in Ruhe betrachten konnte. Das ist im Sommer, wie man mir sagte, unmöglich wegen der Menschenmengen.

Das Wetter war genau zu der Zeit, in der ich dort war, sehr sonnig. Ungewöhnlich, da beispielsweise in St. Petersburg im gesamten Dezember gerade mal eine Stunde die Sonne scheint. Insgesamt hat mir der Aufenthalt in St. Petersburg sehr gut gefallen, deshalb spiele ich mit dem Gedanken, im Sommer noch einmal hinzufahren.

 

 

Januar 2015
Kein Weihnachtsmarkt, aber fünf Festessen

Weihnachten im Mütter-Kinder-Zentrum in Nowosibirsk

Auch in Russland ist die Weihnachtszeit nun vorbei. Ich habe mich vorher lange gefragt, wie Weihnachten im Ausland wohl sein wird, ganz ohne Familie und Freunde. Natürlich hatte ich Sehnsucht nach zu Hause, habe aber trotzdem ein schönes Fest erlebt.

Weihnachten wird in Russland erst am 7. Januar gefeiert. Dann steht auch eher Neujahr als Feiertag im Vordergrund und man beschenkt sich. Da die Caritas aber ein katholischer Verband ist, haben wir Weihnachten gefeiert wie ich es kenne. An Heiligabend war ich bei Ordensschwestern zum Essen eingeladen und habe neue Traditionen kennengelernt. Zum Beispiel bekam jeder eine Scheibe Brot. Damit ist man zu den anderen Festteilnehmern gegangen, hat gegenseitig ein Stück Brot abgerissen und sich alles Gute für das kommende Jahr und generell für das Leben gewünscht. Das hat mir sehr gefallen.

Am 25. Dezember stand meine nächste Weihnachtsfeier an. Organisiert vom Mütter-Kinder-Zentrum haben wir draußen zuerst russische Weihnachtslieder gesungen und vor allem Programm für die Kinder veranstaltet. Anschließend wurde zu einem Festessen eingeladen. Auch meine Freunde haben extra ein Weihnachtsessen für mich zubereitet. Ingesamt waren es für mich fünf Festessen. Sie bestanden zum Großteil aus Fisch und verschiedenen typisch russischen Salaten, Kartoffel- und Hühnchengerichten. Ich selbst hatte eine Präsentation vorbereitet und vor Publikum etwas über „Weihnachten in Deutschland“ erzählt. Das kam gut an.
 

Überall in der Stadt wurden riesige Tannen aufgestellt

Besonders vermisst habe ich die Weihnachtsmärkte. Sie sind in Russland nicht üblich. In der ein oder anderen Shopping Mall stehen kleine Verkaufshütten, und an einem Sonntag im Dezember veranstaltete das deutsch-russische Konsulat einen „Weihnachtsbasar". Aber das alles ist nicht vergleichbar.

Dafür aber hatte ich endlich mal wieder eine weiße Weihnacht. Überall in der Stadt wurden riesige geschmückte Tannenbäume aufgestellt, Schlittschuhbahnen aufgebaut oder Eisskulpturen auf öffentlichen Plätzen bearbeitet. Auch haben wir nach deutschen Rezepten gemeinsam mit den Kindern Plätzchen gebacken.

Das Neue Jahr habe ich mit Freunden in einem Klub begrüßt. Um Mitternacht hörten wir eine Rede Putins, es folgte die russische Nationalhymne, danach wurde angestoßen, und an allen Tischen wurden Neujahrsgeschenke überreicht.

Ein aktuelles Thema ist zurzeit der Rubelkurs. Natürlich freue ich mich über günstige Preise, aber aus russischer Sicht ist es wirklich sehr unangenehm. Ich kann gut nachvollziehen, dass die Menschen nicht gerade erfreut sind, wenn ihr Einkommen plötzlich nur noch die Hälfte wert ist. Vor allem bei Produkten aus dem Ausland steigen die Preise.

 

 

Dezember 2014
Der sibirische Winter hält Einzug

Der Schnee in Nowosibirsk liegt schon knöchelhoch.

Der Winter hat Russland im Griff. Zurzeit ist das Wetter in Nowosibirsk sehr wechselhaft: Während es an dem einen Tag -2 Grad sind, sind es am anderen -20. Im November ist das Thermometer sogar schon auf -35 Grad gesunken. Ich war wirklich gespannt, wie sich solche Temperaturen anfühlen und muss jetzt sagen: Meine Freude darüber ist nicht ganz so groß. Bei solchen Minusgraden bahnt man sich den Weg zu seinem Ziel von einem Transportmittel über ein warmes Restaurant oder sonst ein Gebäude zum nächsten Transportmittel.

Es ist ein komisches Gefühl, vor allem da die Nase „einfriert“ und man das Gefühl hat, man müsse sich ununterbrochen die Nase putzen, weil irgendetwas zu stören scheint. Ebenso gefriert auch die Luft, die man ausatmet beziehungsweise in den Schal atmet, so dass sich Eiskristalle auf dem Schal bilden. Man überlegt auch, ob man das Haus verlässt, um noch einen Liter Milch zu holen. Lieber verzichte ich dann mal auf die frische Milch zum Frühstück.

Trotzdem ist es unausweichlich, dass man auch bei -30 Grad auf die Straße muss. Eine Zeitlang konnte ich der Kälte noch entgegenwirken, indem ich in meinen dicken Winterstiefeln drei Paar Socken getragen habe, ansonsten zwei Schichten langer Unterwäsche, einen dicken Wollpullover, meine dicke Winterjacke und zwei Paar Handschuhe. Schal, Mütze und Kapuze trug ich soweit im Gesicht, dass nur ein geringer Teil meines Gesichts der Kälte ausgesetzt war. Bei mir persönlich sind die Hände das größte Problem, die jetzt fast immer in den Jackentaschen verschwinden.

Dicke Eiszapfen hängen vor dem Fenster.

Und auf mein Handy schaue ich lieber erst, wenn ich im Haus bin. Denn einmal, als ich meine Handschuhe ausgezogen habe, um draußen auf eine Nachricht zu antworten, spürte ich danach kaum noch meine Hände; meine Finger waren fast am Handy festgefroren. Aber das Gerät schaltet sich bei extremen Minusgraden sowieso ab. Was ich immer als äußerst lästig empfinde ist die Tatsache, dass man draußen als „Zwiebel“ herumläuft , aber sobald man am Ziel angekommen ist, schnell alles ausziehen muss, um in den beheizten Räumen nicht zu schwitzen.

Der Schnee liegt auch schon mehr als knöchelhoch, und nachts sind Fahrzeuge unterwegs, die den Schnee mit einer Art Förderband auf einen LKW befördern. Es ist auch tagsüber nicht selten, dass man voll beladene LKW sieht, die den Schnee abtransportieren. Auch der Fluss Ob ist bereits zugefroren – was ich mir auch nicht vorstellen konnte. Und als ich eines Morgens aufgewacht bin, hingen Eiszapfen vor meinem Fenster und Balkon – mit einer Länge von etwa 1,80 Meter.

Aber alles in allem kann man der Kälte gut entgegenwirken, wenn man warme Zwischenstopps einlegt und sich entsprechend anzieht. Dafür genieße ich diese einzigartig klare Winterluft, die bei solchen Temperaturen vorhanden ist.

 

 

November 2014
Im Kinderklub ist ordentlich was los

Ein Treffen der Caritas-Kinderklubs Nowosibirsk, Tomsk und Barnaul

Besuch im Kinderklub der Caritas in Nowosibirsk: Jeweils zehn Kinder und ihre Betreuer aus den Kinderklubs in Tomsk und Barnaul waren angereist. Nach russischen Verhältnissen sind Tomsk und Barnaul „Nachbarstädte“, obwohl sie rund 260 beziehungsweise 230 Kilometer entfernt sind. Drei Tage lang war hier also ordentlich was los. Es wurde nicht langweilig.

Zweimal im Jahr finden solche Caritas-Kinderklub-Treffen in Russland statt. Dann geht es einfach darum, sich auszutauschen und etwas zu unternehmen. So haben sich die Kinder mit verschiedenen tänzerischen oder musikalischen Darbietungen vorgestellt, sie haben einen Malwettbewerb veranstaltet, gespielt und vieles mehr.

An einem der gemeinsamen Tage waren wir auch in einem Kunstmuseum, wo wir eine kleine Führung erhalten haben, und wir haben gemeinsam das Ballett im Operhaus in Nowosibirsk besucht. Am letzten Abend wurde dann eine kleine Abschiedsparty im Kinderklub veranstaltet. Es war wirklich sehr interessant, sich mit den Kindern zu beschäftigen und sich mit ihnen zu unterhalten. Dabei musste ich mal wieder feststellen, wie offen und freundlich die Leute hier sind. Viele der Älteren haben mich sogar nach Tomsk und Barnaul eingeladen, was mich sehr gefreut hat.

 

 

Oktober 2014
Gymnastische Übungen mit Igor

Muskeln kräftigen mit Hilfe gymnastischer Übungen

Seit zwei Wochen mache ich jetzt montags immer einen Hausbesuch, denn die Caritas fährt auch zu Senioren nach Hause, um sie zu pflegen oder um die Angehörigen in geeigneten Pflegemethoden zu unterweisen. Ich besuche allerdings keine Senioren, sondern einen achtjährigen Jungen namens Igor. Er leidet an „Infantiler Zerebralparese“, einer geistigen Behinderung, die man daran erkennt, dass Igor sehr klein für sein Alter ist und nicht richtig sprechen und sehen kann.

Dafür ist sein Gehör sehr gut ausgebildet, so dass ihn beispielsweise das Geräusch des Kühlschrankes stört. Auch seine Mobilität ist eingeschränkt. Er kann sich nur krabbelnd fortbewegen, was dazu führt, dass seine Arme sehr kräftig sind, seine Beine aber sehr dünn und untrainiert.

Meine Aufgabe ist es, zusammen mit der Mutter und einer Caritas-Mitarbeiterin bei gymnastischen Übungen zu helfen. Diese Übungen dienen dazu, die Muskeln des Jungen zu beanspruchen und auch, um seine Atmung zu verbessern.

Mit solch einem Kind zu arbeiten ist eine schöne Erfahrung. In den Pausen trinken wir alle zusammen Tee und essen Konfekt, was hier in Russland sehr typisch ist, und ich nutze die Gelegenheit, um mein Russisch zu verbessern und mich ein bisschen mit der Mutter zu unterhalten.

 

 

Oktober 2014
Ein üppiges Buffet zur „Deutschen Einheit" und eine neue Brücke

Zur neuen Brücke ging es mit dem Fahrrad.

Am 3. Oktober habe ich eingeladene Caritas-Mitarbeiter auf den Empfang des deutschen Konsulats in einem renommiertem Hotel in Nowosibirsk begleitet. Jedes Jahr findet hier anlässlich des „Tages der Deutschen Einheit“ ein Empfang statt, zu dem viele Deutsche, deutschsprachige Russen, Politiker und andere wichtige Leute eingeladen werden. Dieses Jahr jedoch gab es noch einen anderen Grund: Alle drei Jahre wechselt der Konsulent (sagt man wirklich „Konsulent“) und dieses Jahr war es wieder so weit.

Nachdem der neue Konsulent eine Willkommensrede gehalten hatte, waren alle zum Buffet eingeladen, das mich wirklich beeindruckt hat. Von Salat und Hühnerspießen über Sushi, Kaviar, Garnelen und Muscheln zu frischen Fruchtspießen und Tiramisu war alles dabei, um die interessanten Plaudereien mit den Leuten dort zu versüßen. An diesem Abend habe ich einige nette Menschen kennengelernt, die mich auch gleich zu einer kleinen Stadtführung oder zu einem Besuch zu sich nach Hause eingeladen haben.
 

Gesamtansicht der neuen Brücke in Nowosibirsk

Ein weiteres Highlight fand gestern statt, als die neue Brücke zum anderen Stadtufer ganz in der Nähe der Caritas eröffnet wurde. Es haben sich sehr viele Radfahrer auf einem Parkplatz eines Supermarktes getroffen. Dann sind wir alle zusammen die neue Auffahrt bis zur neuen Brücke entlanggefahren. Es war wirklich beeindruckend, unter der neuen Brücke mit solch einer gewaltigen Menschenmasse zu radeln. Zur Eröffnung ist sogar Putin gekommen, nur war er schon nicht mehr da, als die „Fahrradprozession“ dort ankam.

 

 

September 2014
Ballettbesuch und der erste Schnee

Aufführung des „Nussknacker" in der Oper in Nowosibirsk

Am vergangenen Donnerstag bin ich gemeinsam mit einer Freiwilligen aus Amerika und einer weiteren aus Deutschland (die aufgrund ihres Studiums nur zwei Wochen hier ist) ins Ballett gegangen, und wir haben uns den „Nussknacker“ angeschaut.

Viele, mit denen ich vorher gesprochen habe, haben mir ans Herz gelegt, das Ballett in Nowosibirsk zu besuchen, da es etwas ganz Besonderes sei. Ich war sehr gespannt, wie es mir wohl gefallen würde, da ich in Deutschland noch keine Ballettvorstellung besucht habe.

Und ich muss sagen, dass ich wirklich begeistert war. Das Theater- bzw. Opernhaus ist von innen sehr schön und impressiv und auch die Ballettvorstellung hat mir sehr gut gefallen. Besonders die Anmut, der Stolz und die Eleganz der Tänzer hat mich sehr beeindruckt, und nach diesem Abend war mir direkt bewusst: Das war mit Sicherheit nicht mein letzter Ballettbesuch!
 

Die Oper in Nowosibirsk: Innenansicht

Was mich auch sehr verwundert hat, war der Preis der Ballettvorstellung, denn wir saßen in der achten Reihe und haben 800 Rubel bezahlt, was umgerechnet nur etwa 16 Euro sind.

Auch habe ich während der Vorstellung immer mehr den Wunsch nach Winter und Schnee verspürt, da der Nussknacker ein winterliches Stück ist. Umso glücklicher war ich dann, als gestern aus dem Regen, der hier in den vergangenen Tagen wahrhaftig dominant war, plötzlich Schnee wurde. Ja, es ist unglaublich, der erste Schnee!! Leider hat es nur etwa 20 Minuten geschneit, aber ich habe mich trotzdem riesig gefreut. Obwohl viele Leute, mit denen ich gesprochen hatte, meinten, dass dies eher ungewöhnlich sei und dass der Winter dieses Jahr wohl sehr früh komme.

Es ist wirklich merkwürdig zu sehen, dass es hier schon so kalt ist (gestern waren es drei Grad) und dass es im Gegensatz dazu in Deutschland so warm ist.

Noch ist meine Freude über den bevorstehenden Winter groß, doch viele sagen mir, dass ich nach mehreren Monaten Schnee auch die Nase davon voll haben werde. Das kann möglicherweise gut sein, aber darüber mache ich mir zurzeit noch keine Gedanken, sondern genieße die klare und kühle Luft in vollen Zügen.

 

 

September 2014
Ankunft und erste Arbeitstage im Kinderclub

Angekommen in Sibirien: Patrick Dillmann vor dem Caritaszentrum in
Nowosibirsk

Mein Jahr in Russland kann beginnen! Lisa und ich sind frühmorgens in Nowosibirsk gelandet und haben uns nach der langen Reise erst einmal ausgeschlafen. Lisa – das ist eine weitere Freiwillige, die in Omsk arbeiten wird und vorerst ein paar Tage bei mir geblieben ist. Allzu lange schlafen konnten wir allerdings nicht, weil wir beide sehr aufgeregt waren. Die Leute hier sind alle wirklich sehr nett, und wir haben die ersten vier Tage damit verbracht, die Stadt zu erkunden. Dabei hat uns der Leiter der Caritas einiges gezeigt, zum Beispiel die Oper von Nowosibirsk.

Auch auf einige katholische „Kathedralen“, wie die Leute sie hier nennen, wurden wir aufmerksam gemacht. Das hat uns überrascht, denn diese „Kathedralen“ sind noch nicht einmal so groß wie beispielsweise die Gymnasialkirche in Osnabrück. Anschließend haben wir ein Kloster besucht, wo es ein Büffet anlässlich eines Klosterfeiertages gab. Und dort haben wir auch viele Leute aus der Gemeinde vor Ort kennengelernt.

Zum Wochenbeginn habe ich dann meinen Arbeitsplan erstellt. Die Caritas unterhält hier viele unterschiedliche Einrichtungen, in denen ich arbeiten kann. So gibt es zum Beispiel ein Mütter-Kinder-Zentrum, einen Kinderclub, ein Kinderheim und ein Office. Man kann seinen Arbeitsplan individuell gestalten, doch zunächst will ich gern in den Kinderclub und das Kinderheim reinschauen. In den Kinderclub kommen tagsüber etwa 20 Kinder im Alter von drei bis 16 Jahren. Sie stammen meistens aus Migrantenfamilien, wollen die russische Sprache besser lernen und mit Gleichaltrigen spielen. Außerdem bekommen sie dort ein warmes Essen. Das ist in den Elternhäusern nicht selbstverständlich, denn die Eltern haben oft mehrere Jobs und sind somit selten zu Hause.
 

Die Oper in Nowosibirsk

Ich habe jetzt schon zwei Tage im Kinderclub gearbeitet, und es gefällt mir wirklich sehr. Wir haben mit den Kindern verschiedene Spiele gespielt, getanzt und gesungen. Vormittags waren wir mit ein paar Kindern in einer Art Vorschule, wo wir auch mit der Lehrerin gemeinsam getanzt, gesungen und gemalt haben. Ich helfe auch beim Zubereiten der Mahlzeiten und bringe einigen Kindern etwas Russisch bei – auf Wunsch auch ein bisschen Deutsch.

Meine Arbeit im Kinderheim beginnt in den nächsten Tagen, auch darauf freue ich mich schon sehr. Die Zeit vergeht wirklich schnell, vor allem wenn man mit den Kindern zusammen ist. Abends falle ich dann immer erschöpft ins Bett.

 

Zwei junge Leute bloggen für den Kibo über ihren Freiwilligendienst im Ausland. Hier erfahren Sie mehr über die Motivation der beiden.