30.08.2017

Eva-Maria berichtet über ihren Freiwilligendienst in den USA 2017/18

Neues aus Rochester

Rochester, einst aufstrebende Industriestadt im Bundesstaat New York, hat viele soziale Probleme. Dort wird Eva-Maria Enking ihren Freiwilligendienst leisten. Die 22 Jahre alte studierte Sozialarbeiterin aus Emsbüren lebt und arbeitet ein Jahr lang im Bethany House, einer katholischen Einrichtung für obdachlose Frauen, auch mit Kindern. Das Projekt läuft über IN VIA, Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit Köln e.V.

September
Nach einem chaotischen Flug endlich in Rochester angekommen!

Außenansicht des Bethany House in Rochester

Verrückt, wie schnell die Zeit vergeht! Ich weiß noch genau, wie ich versucht habe, Klamotten für ein ganzes Jahr in einen einzigen Koffer zu quetschen, mich von Freunden und der Familie verabschiedet habe und schließlich tierisch nervös nach Frankfurt gefahren bin. In Frankfurt habe ich mich dann mit zwei weiteren Freiwilligen von IN VIA Köln getroffen, und wir sind gemeinsam nach Philadelphia geflogen. Soweit so gut, denn nachdem Darian und ich uns dort von Hanna verabschiedet hatten und motiviert in unseren zweiten Flieger nach Rochester gestiegen waren, fingen die Probleme an: Nachdem wir ganze drei Stunden im Flieger gesessen hatten, ohne dass dieser sich auch nur annähernd bewegte, wurde der Flug aufgrund des Wetters gecancelt und wir durften wieder aussteigen. Zusätzlich gingen dann auch noch unsere Koffer verloren, und wir erfuhren, dass der nächste Flug erst am folgenden Tag gegen 12.30 Uhr startet. 

Glücklicherweise hat American Airlines uns jedoch kostenlos ein Hotelzimmer zur Verfügung gestellt, so dass wir halbwegs ausgeschlafen am nächsten Tag erneut zum Flughafen gefahren sind. Der Flug hatte dann zum Glück „nur“ drei Stunden Verspätung, so dass ich schließlich mit einer Verspätung von 22 Stunden in Rochester, New York, angekommen bin. Endlich!

Blick aus einem Fenster im Bethany House

Meinen zwölfmonatigen Freiwilligendienst werde ich im Bethany House, einer katholischen Einrichtung, die dem „Catholic Worker Movement“ angehört, absolvieren. Dort angekommen, wurde ich herzlich von den vier Mitarbeitern des Hauses empfangen und bekam direkt am nächsten Tag eine Einführung in den Arbeitsalltag. Insgesamt können hier bis zu zehn Frauen übernachten. Sie haben die Möglichkeit, für 45 Tage zu wohnen, bekommen Mahlzeiten und können zum Beispiel Unterstützung in der Suche einer eigenen Wohnung, einer Arbeitsstelle oder medizinischer Hilfen bekommen. 

Zusätzlich besteht die Möglichkeit für weitere Frauen, Foodbags, Pampers oder Babynahrung zu erhalten. All das sind Spenden, die das Haus fast täglich auf unterschiedlichen Wegen erhält. Den größten Anteil hat daran eine Supermarkt-Kette ein, die ihre nicht verkauften Produkte spendet. Es ist der Wahnsinn, was für Massen an Nahrungsmitteln hier täglich rein- und rausgetragen werden, und es ist jedes Mal schön zu sehen, wie dankbar die Frauen für unsere Hilfe sind und uns teilweise weinend vor Freude in die Arme fallen. Auch unsere Gäste, die hier wohnen, beschreiben es immer wieder als gesegnetes Haus und die Gemeinschaft als eine Familie. 

Das Team des Bethany House spiegelt sich in der Scheibe.

Das Bethany House steht als soziale Einrichtung für Wohnungslose jedoch nicht alleine in Rochester da. Auf dem „Homeless Connect“, einer Messe für wohnungslose Menschen, haben sich die verschiedenen Einrichtungen der drittgrößten Stadt New Yorks vorgestellt. Auch das Bethany House war vertreten. Ich war wirklich beeindruckt, dass mehr als 50 Einrichtungen ihr Angebot vorgestellt haben. Auch wenn dies meiner Meinung nach auch notwendig ist, da etwa 33,8 Prozent der Einwohner Rochesters in Armut leben. Es freut mich zu sehen, wie auch viele Freiwillige sich in diesem Bereich engagieren und immer wieder Fortbildungen angeboten werden. Erst gestern war ich als Mitarbeiterin des Bethany House auf ein Symposium zum Thema Wohnungslosigkeit eingeladen, auf dem einige wirklich interessante Diskussionen zum Umgang mit den Bedürftigen entstanden. Weil es zusätzlich im College stattfand, habe ich mich etwas in mein Studium zurückversetzt gefühlt.

Vor den High Falls

Bisher fühle ich mich hier in Rochester superwohl. Ich bin herzlich aufgenommen worden, alle helfen mir, mich hier langsam einzufinden, und die ersten Bekanntschaften habe ich auch schon geknüpft. Die Menschen scheinen hier so offen und herzlich zu sein, dass es nicht schwerfällt, in Kontakt zu kommen. So bin ich auf dem Fringe Festival (irgendwie scheint hier jedes Wochenende ein anderes Festival stattzufinden) nach nur wenigen Minuten ins Gespräch mit einer Gleichaltrigen gekommen und habe schließlich den gesamten Abend mit ihr und ihren Freunden verbracht. Gemeinsam haben wir ein paar lustige Stunden verbracht und gleich Pläne für die kommenden Feiertage wie Halloween oder Thanksgiving geschmiedet. Auch an der Bushaltestelle oder am Strand wird man immer wieder ins Gespräch verwickelt – ganz anders als ich es aus Deutschland gewöhnt bin.

So langsam aber sicher habe ich das Gefühl, dass ich mich hier richtig einlebe und freue mich riesig auf die kommenden Monate. Ich habe noch so viele Ideen und Pläne. Langweilig wird es bestimmt so schnell nicht! 

 

Am Ufer des Ontario-Sees

Ganz liebe Grüße aus dem noch warmen New York,
Eva