Nasa-Mission

Operation Neugier

Montagfrüh um 7.31 Uhr landete auf dem Mars die Neugier. Die Forschungssonde „Curiosity“ soll dort nach Leben fahnden. Und die Menschheit der Antwort auf eine ihrer größten Fragen näherbringen: Sind wir allein im Universum?

Seit dem 26. November war das Raumschiff unterwegs. Am 6. August um 7.24 Uhr MESZ erreichte es die Atmosphäre des Mars. Von dort waren es sieben Minuten bis zur Oberfläche. Die Signale zur Erde aber brauchten 14 Minuten. Als also die irdischen Kontrollzentren, eines in Darmstadt, erfuhren, dass die Sonde in die Atmosphäre eintritt, war sie bereits seit sieben Minuten gelandet.

Landeplatz ist der 154 Kilometer weite Gale-Krater, in dessen Mitte sich der 5500 Meter hohe Sharp Berg erhebt. Dessen Flanken zeigen offene Gesteinsschichten und bieten Geologen so ein Bilderbuch der Marsgeschichte. Darin soll Curiosity, das bisher größte außerirdische Forschungsfahrzeug, nach Spuren suchen. Spuren, die belegen, dass auf dem Mars einmal Bedingungen geherrscht haben, die mikroorganisches Leben ermöglicht hätten.

Leben ist möglich unter extremsten Bedingungen

Grüne Marsmännchen erwartet auf dem roten Planeten keiner mehr. Denn die Suche nach außerirdischem Leben hat sich in den vergangenen 20 Jahren erheblich verfeinert. „Wir wissen heute zum einen, dass Leben unter völlig extremen Bedingungen gedeihen kann: in Säure, kochendem Wasser, unter großem Druck“, sagte Jill Tarter, Direktorin eines Forschungszentrums für die Suche nach außerirdischer Intelligenz in Kalifornien der BBC. Zudem konnten Astronomen bis 1995 nur theoretisch sagen, im Umfeld welcher Sterne es Planeten geben könnte. Heute sind Tausende Planeten außerhalb unseres Sonnensystems bekannt. Anderes Leben lässt sich chemisch, physikalisch nachweisen, Gott nicht.

Für den Mainzer Theologen Alexander Loichinger bietet die Weltraumforschung dennoch „schöne Aussichten“: „Sollte Gott das riesige All fast ganz ohne Leben geschaffen haben?“ Die neugierige Suche nach Leben im All lasse sich gut verbinden mit der existenziellen Suche nach Gott – unter drei Voraussetzungen: 1. Der Mensch verliert das Staunen nicht, das am Anfang von Philosophie und Naturwissenschaft steht: Woher kommt alles, warum ist es so komplex? 2. Theologen greifen die Impulse der Astronomen wirklich auf, um eigenes Denken zu vertiefen. 3. Physiker akzeptieren, dass auch sie die komplexe Wirklichkeit nicht vollständig erfassen können.

Die Naturwissenschaft hat unser Welt- und Gottesbild erheblich verändert. Wie zerbrechlich unser Heimatplanet ist, erschütterte zuerst die Raumfahrer von Sojus und Apollo. Inzwischen ist der „Blaue Planet“ eine Ikone der Menschheit. Und unsere Vorstellungen von Gott sind viel abstrakter.

Neugier als Triebkraft menschlicher Kultur

Dennoch geht es nicht darum, Gott irgendwie noch im All unterzubringen, sondern naturwissenschaftliche und religiöse Fragen intelligent zu verbinden. Der Namensvorschlag für die Marsmission stammt von einer zwölfjährigen US-Amerikanerin. „Neugier
(Curiosity) ist die ständige Flamme, die im Geist jedes Menschen brennt“, schrieb sie dazu. Neugier und Wissensdurst sind wesentliche Antriebskräfte der menschlichen Kultur. Die kann ab dem 6. August einen weiteren Schritt tun.

Von Roland Juchem