Vom Kreuzweg bis zum Osterfeuer

Ostern mit der Familie feiern

Ostern ist das Fest der Feste. Es liegt zeitlich günstig in den Ferien und bietet die Chance, es erlebnisreich zu gestalten – in der Familie selbst, aber auch bei Aktionen in der Kirchengemeinde für Kinder und Eltern.

 

Seit vielen Jahrhunderten werden an Ostern Osterfeuer angezündet. Auch viele Kirchen laden hierzu ein. Das Feuer gilt als Symbol für die Auferstehung Jesu. Ein schöner Osterbrauch – auch für Familien.Foto: pa

„Warum ist Jesus wieder ,aufgestanden‘?“ „Wieso hat Gott ihn nicht vorm Kreuz gerettet?“ Solche Fragen aus Kindermund sind beim Basteln oder den Festvorbereitungen zu erwarten und können Erwachsene ins Schleudern bringen. Robert Benkert, Pastoralreferent aus dem Erzbistum München, empfiehlt Eltern, sich Gedanken zu machen, welchen Stellenwert das österliche Geschehen für sie selbst hat und es auf das tägliche Leben zu übertragen. „Dann ist man für viele Fragen schon gut gewappnet.“

Jeder Mensch, und bereits Kinder, erlebten zuweilen ein Wechselbad der Gefühle. Etwa wenn eine Freundschaft zerbricht, es heftigen Streit gibt oder Krankheit und Tod erschüttern. „Doch wir erfahren: Es geht nach einem Tief wieder bergauf. Ohnmacht und Zuversicht liegen ganz nah beieinander.“ Dies ist nach Ansicht des Experten eine zutiefst religiöse und österliche Erfahrung. Daran erinnern Karfreitag und Ostern. „Das frohe Osterfest ist nur zu verstehen, wenn beide Seiten, die unsägliche Trauer und der Sieg des Lebens über den Tod, Kindern einfühlsam und ihrer Entwicklung angemessen nahegebracht werden.“

Jüngeren lasse sich die Botschaft am besten sinnlich vermitteln. „Einfach rauszugehen und das Erwachen und Knospen in der Natur zu bestaunen“, dazu rät Monika Korthaus-Lindner von der Katholischen Elternschaft Deutschlands. Mädchen und Jungen liebten es, bei einem Spaziergang im Frühjahr kleine Schätze zu sammeln.

Gute Gespräche beim Basteln und Dekorieren

So ließen sich Stöcke, aus denen zarte Blattspitzen treiben, zu Hause zu einem Kreuz binden. Und Tag für Tag entfalten sich die Blätter weiter, aus dem scheinbar leblosen Holz erwächst in sattem Grün neues Leben. Eine andere Idee: Steine mit Maserung suchen, die aussieht wie ein Kreuz. Freude macht es auch, selbst gepflückte Blumen zu pressen für Lesezeichen als kleines Ostergeschenk an die Paten oder Großeltern.
 

Osterdekoration basteln – das macht Kindern Spaß. Foto:
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Und natürlich helfen die typischen Symbole, Ostern zu begreifen, wie Eier als Sinnbild des Lebens, der Schmetterling als Zeichen für die Verwandlung oder die Kerze, die nach der Dunkelheit wieder Licht bringt. Für die Osterdekoration zu malen, zu werkeln, auszuschneiden, zu formen oder Symbole auf Ostermuffins zu platzieren, Blumen zu arrangieren und Serviettenringe zu verzieren – dafür sind selbst Teenager zu begeistern.

Wie die Tage von Karfreitag bis Ostermontag gestalten? Hier kann es freilich nur Anregungen geben. Jede Familie hat ihre eigenen Vorlieben und Rituale für die Feiertage. Der Blick in den Pfarrbrief oder auf die Homepage der Kirchengemeinden vor Ort und in der Umgebung kann sich jedoch lohnen, um an liturgischen oder sonstigen Veranstaltungen teilzunehmen und die Zeit auch religiös zu strukturieren.

 

Karfreitag ist ein besinnlicher Tag. Laute Musik und Getöse passen nicht dazu. Gelingt es familiär, Hektik zu vermeiden und Stille zu spüren, erschließt sich Kindern die Bedeutung eher. Manche Kirchengemeinden bieten die Kinderkreuzwegandacht oder den Kinderkreuzweg an. Dabei werden die Stationen des Lebens und Leidens Jesu sensibel mit kindgerechten Elementen erklärt. Natürlich kann die Familie auch auf eigene Faust eine Kirche besuchen, die Bilder betrachten oder Blumen unter das Kreuz legen. Theologe  Benkert ist an diesem Tag schon mal mit seinen Kindern über den Friedhof gegangen. „Dieser Ort regt zum Nachdenken an, und es ergibt sich zuweilen ein kleiner philosophischer Dialog über das Leben, den Tod und die Auferstehung.“

Karsamstag steigt die Vorfreude auf das Fest. Der Strauß aus dem Garten – gut eignen sich Forsythien, die in warmem Wasser schnell aufblühen – wird geschmückt, die Osterkerze gestaltet mit weltlichen und christlichen Motiven aus Wachsplatten. Etwa dem Kreuz in Rot, den griechischen Buchstaben Alpha und Omega für Anfang und Ende sowie der Jahreszahl und einer strahlend gelben Sonne. Die ausgepusteten Eier werden bemalt und an den Strauch gehängt, Namensschilder für die Ostertafel gebastelt und vielleicht noch ein Osterbrot oder ein Osterlamm gebacken. Einige Kirchen laden ein zum Besuch des Heiligen Grabes und stellen mit Figuren szenisch Leiden, Tod und Auferstehung von Jesus Christus nach. Anderswo lodern am Abend des Karsamstags Osterfeuer vor der Kirche, um sich dort zu treffen oder anschließend den gemeinsam Gottesdienst zu besuchen.

Ostersonntag startet in vielen Familien mit einem Frühstück oder Brunch an einer geschmückten Tafel mit der leuchtenden Osterkerze, vielen Blumen und bunten Eiern. All das versprüht Fröhlichkeit und Feststimmung. Traditionell gehört der Osterspaziergang mit Eiersuche zu einer beliebten Aktivität mit Verwandten oder Freunden. Manchmal steht nach dem Gottesdienst auch eine gemeinsame Eiersuche für alle Kinder im Pfarrgarten auf dem Programm oder ein ausgiebiger Osterspaziergang, dem Emmaus-Gang.

Ostermontag gehen viele gern ruhig und zwanglos an. Als Familientag, der spontan geplant wird. Dazu können Gesellschaftsspiele gehören genauso wie eine Radtour zu einem Kräutergarten oder Park. Wer mag, kann sich bei speziellen Osterspielen vergnügen, etwa Eierlauf (die Teilnehmer laufen mit einem hartgekochten Ei auf einem Esslöffel um die Wette) oder Eierrollen (hartgekochte Eier werden von den Mitspielern einen kleinen Hang nacheinander hinuntergerollt. Trifft ein Ei das des anderen, bekommt es der Gewinner.)

Viele Kirchengemeinden bieten ein sogenanntes Agape-Frühstück. In lockerer Atmosphäre treffen sich dann Jung und Alt im Pfarrheim zu einem kleinen Snack und wünschen sich gegenseitig „Frohe Ostern!“

Heike Sieg-Hövelmann