Schnitzkunst vor Palmsonntag in Averbecks Speicher Glane

Palmstöcke wie in der Kindheit

Palmstöcke nach historischem Vorbild schnitzen Erwachsene und ältere Kinder in Glane. Vor der Palmsonntagsprozession werden sie von den Kindern geschmückt.

 

Ein roter Apfel ziert den Palmstock, den Agnes Wiemann (links) in der Hand hält. Er sieht so aus wie die Palmstöcke ihrer Kindheit, mit Verzierungen an fünf Stellen; rechts Gemeindereferentin Edith Triphaus. Foto: Andrea Kolhoff

An den Palmstock ihrer Kindheit kann sich Agnes Wiemann noch gut erinnern. Ein dicker rotwangiger Apfel zierte den aus hellem Holz geschnitzten Stock, der so bearbeitet war, dass gewellte Holzspäne wie krause Bändchen vom Stock abstehen, an fünf Stellen in Erinnerung an die fünf Wunden Christi. Der Stock wurde mit frischem Buchsbaum verziert. Und auch der Apfel wirkte noch frisch, mitten im Frühjahr. Das hatte seinen Grund: Die Äpfel für den Palmstock wurden früher an einem besonderen Ort aufbewahrt, bis sie in der Karwoche gebraucht wurden.

So lagerten die Bewohner des Averbeck’schen Hofes in Glane ihre Äpfel für die Palmstöcke im Vorratsspeicher, mitten im Korn, damit die Früchte möglichst frisch blieben. So hat es Adolf Averbeck Agnes Wiemann einmal erzählt. Die Vorsitzende des Heimatvereins Glane vermutet, dass die Palmstockäpfel für die ganze Nachbarschaft im Speicher aufbewahrt wurden.

Inzwischen ist Bauer Adolf Averbeck verstorben und der Averbeck’sche Speicher dient dem Heimatverein schon seit Jahren als Museumsort. Hier werden zum Beispiel Trachten und die dazugehörigen Hauben – katholische und evangelische –, prachtvoll bestickte Priestergewänder und Wäschestücke aus Leinen gezeigt. Auch archäologische Funde sind zu sehen, die bei Grabungen rund um Averbecks Hof zutage traten. Bei Führungen durchs Museum können Wiemann und die anderen Aktiven des Heimatvereins dazu Geschichten erzählen. Ob Schulklassen oder kirchliche Gruppen – solch ein Ausflug ist für viele Besucher interessant.

Holz muss trocken und nicht zu spröde sein

In der Woche vor Palmsonntag findet in Averbecks Speicher an einem Nachmittag das Palmstockschnitzen für die katholischen Kinder aus Glane und Bad Iburg statt. Einige ältere Kinder dürfen schon selbst schnitzen, für die anderen Kinder sind Erwachsene am Werk. „Die setzen sich auch gerne mit Opa hin und schauen zu“, erzählt Wiemann. Geschnitzt wird so, wie es die Glaner sich 2008 von Josef Finke aus Kloster Oesede haben zeigen lassen. Er beherrschte die Palmstockschnitzkunst und hat es in einem Workshop verschiedenen Erwachsenen gezeigt.

Das Holz für die Palmstöcke stammt vom Gemeinen Schneeball, die Stecklinge werden einige Tage zuvor von Rita und Hubertus Kassen geschnitten und vorbeigebracht. Es muss trocken genug, darf aber nicht zu spröde sein. „Wenn die zu trocken sind, dann kriegt man diese Krüssel nicht mehr hin“, sagt Wiemann.

Die Palmstöcke werden am Samstag vor Palmsonntag von den Kindern geschmückt und mit buntem Band verziert. Erstmals fand das so im vergangenen Jahr statt. Gemeindereferentin Edith Triphaus bringt Rätsel zum Thema Palmsonntag mit und für die Kinder besteht nach dem Basteln die Möglichkeit, draußen vor dem Speicher zu toben, bevor alle gemeinsam die Vorabendmesse zum Palmsonntag besuchen und allesamt mit ihren prächtigen Palmstöcken Teil der Palmsonntagsprozession werden.

Andrea Kolhoff