144 Stolpersteine sind in Osnabrück bisher verlegt worden, mit denen an Opfer des Nationalsozialismus erinnert wird. Paten übernehmen die Materialkosten. Es engagieren sich Einzelpersonen, Schulklassen, Kirchengemeinden und Vereine.

Der erste Stolperstein, den der Künstler Gunter Demnig in Osnabrück verlegt hat, war ein Stein für Johannes Prassek. Der Geistliche, der während seiner Kaplanszeit in Lübeck verhaftet wurde, hatte 1937 seine erste heilige Messe in der Christus-König-Kirche in Osnabrück-Haste gefeiert. Mitglieder der Kirchengemeinde Christus König engagierten sich dafür, dass er auf dem Kirchplatz einen Stolperstein erhält und übernahmen die Kosten. 95 Euro kostet eine Patenschaft, mit dem Geld werden die Materialkosten gedeckt.
Jeder Stolperstein, der nach dem Entwurf Demnigs angefertigt wird, ist mit einer Messingplattte versehen, die den Namen, das Geburtsdatum und den Todestag der Person enthält, an die der Stein erinnert. Passanten, die den Stein entdecken, werden angeregt, sich Gedanken zu machen, welches Schicksal sich hinter den Daten verbirgt.
Die Paten selbst wissen darüber Bescheid, denn sie erhalten Informationen über die Person, für die der Stein verlegt wurde. Auch zur Verlegung der Steine werden sie eingeladen, wie Christine Grewe erklärt. Grewe ist Mitarbeiterin im städtischen Büro für Friedenskultur und Koordinatorin für das Projekt Stolpersteine. Unter den Paten seien viele Einzelpersonen oder Ehepaare, außerdem Kirchengemeinden und auch Schulklassen. Auch Vereine oder Nachbarschaften spendeten für eine Patenschaft. Wer Pate werden wolle, könne sich im Büro für Friedenskultur melden, allerdings gebe es eine Warteliste. Es seien bereits viele Schicksale erforscht, besonders die der jüdischen Opfer und der Sinti. 144 Steine wurden in Osnabrück bisher verlegt, die Zahl der Opfernamen bewege sich bei etwa 270.
Die Verlegung übernehmen oft Jugendliche aus dem Berufsvorbereitungsjahr Bautechnik des Berufsschulzentrums am Westerberg. Am 23. September wird Gunter Demnig wieder selbst mehrere Steine in Osnabrück verlegen und den nächsten Jahrgang Berufsschüler einarbeiten.
Andrea Kolhoff/Foto: Thomas Osterfeld
Kontakt: Christine Grewe, 05 41/3 23 22 87. Infos unter www.osnabrueck.de/stolpersteine
Zur Sache
Mit dem Projekt „Stolpersteine“ erinnert der Künstler Gunter Demnig an Menschen, die zur Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden, unter den Bedingungen der Deportation oder der Haft zu Tode kamen oder unter dem Druck der damaligen Umstände Selbstmord begangen. Ein Stolperstein wird dort verlegt, wo diese Männer, Frauen und Kinder ihren letzten freiwillig gewählten Wohnort hatten. Zu den Opfergruppen zählen Juden, Sinti, Euthanasieopfer, Deserteure, Homosexuelle, ethisch, religiös oder politisch Verfolgte. Aber auch Menschen, die verhaftet wurden und zu Tode kamen, weil sie beispielsweise Zwangsarbeitern Essen zugesteckt hatten, sind Opfer im Sinne des Projekts „Stolpersteine“.