28.10.2015

Bremer Theologe startet Gesprächsprojekt

Philosophie verständlich machen

„Mit Philosophie das Leben verstehen“ heißt ein Projekt, das der Bremer Theologe Christoph Lubberich auf zwei Jahre angelegt hat. Freiheit, Angst und Schuld – mit solch existenziellen Themen will der 34-Jährige nicht nur katholisches Publikum erreichen. 

Was genau steckt hinter Ihrem neuen Projekt, das Sie innerhalb Ihrer Ausbildung zum Pastoralreferenten starten?

Es geht um ein Gesprächsangebot einmal im Monat. Aber zunächst stellte sich die Frage: Wie kommt man als Kirche überhaupt mit den Menschen ins Gespräch? In Bremen, habe ich festgestellt, ist es schwierig, sie über eine theologische Sprache zu erreichen. Also kam ich auf die Idee, es auf der philosophischen Ebene zu versuchen. Diese Sprache versteht eigentlich jeder. Freiheit, Angst und Schuld – die Themen der ersten drei Gesprächsabende – interessieren mich persönlich und treffen vermutlich auch den Nerv vieler anderer. Um möglichst viele Menschen anzusprechen, werbe ich für mein Projekt auch in Cafés oder Kneipen – an Orten, die nicht kirchlich sozialisiert sind. 

Woher kommt Ihr besonderes Interesse an Philosophie?
 

Hochschulreferent Christoph Lubberich
ist in der Ausbildung zum Pastoralrefe-
renten. Foto: Anja Sabel

Ich habe in Frankfurt und Dublin Theologie und Philosophie studiert und später über das Thema Angst promoviert. Philosophische Lebensberatungen werden immer beliebter. Ein Trend. Also habe ich überlegt, ob man philosophische Fragen nicht auch in der Kirche ansiedeln könnte – Philosophie als Grundlage jeglicher Theologie.
Mein Projekt passt auch gut in das bistumsweite „Jahr des Aufatmens“. Ich verstehe das Motto so, nicht nur zur Ruhe zu kommen, sondern sich anfragen zu lassen, Dinge zu reflektieren und einen solchen Gesprächsabend vielleicht unruhiger zu verlassen, als man reingekommen ist. Als angehender Pastoralreferent finde ich es auch spannend, die Pastoral vor Ort mit Wissenschaft zu verbinden: theologische und philosophische Fragen zu stellen und sie verständlich zu machen.

Wie ist das Ganze aufgebaut?

Auftakt war ein Vortrag, in dem ich die Themen der ersten drei Gespräche kurz angerissen habe: Was heißt Freiheit? Wie kann man in diesem Zusammenhang Angst verstehen? Und was heißt Schuld in Bezug auf Freiheit? Daran knüpft das eigentliche Projekt „Mit Philosophie das Leben verstehen“ an. Es findet ab November einmal monatlich im Bremer Rosenak-Haus statt und ist offen für alle Interessierten. Die Teilnehmer sollen zum Nachdenken angeregt werden und mal aus dem Alltagstrott herauskommen. Ich gebe jeweils einen philosophischen Impuls. Diakon Dieter Wekenborg von der Beratungsstelle „Offene Tür Bremen“ wird auch dabei sein und die Themen dann psychologisch noch untermauern.

Interview: Anja Sabel

2. November: „Zur Freiheit verdammt“
14. Dezember: „Existenzielle Angst als dienender Geist“
11. Januar 2016: „Schuld – verfehlte Freiheit“
jeweils um 19.30 Uhr im
Rosenak-Haus, Kolpingstraße 7, in Bremen.