Wer sonntags die Gymnasialkirche in Meppen besichtigt, trifft dort Hermann Knispel, Egon Speckmann, Josef Merswolken oder Bernhard Schmees. Seit vier Jahren passen sie abwechselnd auf das Gotteshaus auf.
![]() |
|
Hermann Knispel, Egon Speckmann und Josef |
Josef Merswolken kann sich noch sehr genau daran erinnern, wie es vor vier Jahren los ging. Die Kulturamtsleiterin des Landkreises Emsland, Andrea Kaltofen, hatte ihn gefragt, ob er sonntags ehrenamtlich die Aufsicht in der Gymnasialkirche führen will. Der Landkreis hat die Trägerschaft für die Kirche, die in der Woche nur durch ein gläsernes Foyer betrachtet werden kann. Aber am Sonntagnachmittag kann jeder Gast durch die Kirche gehen und sich die kostbare Innenausstattung aus der Nähe anschauen. Merswolken fand drei zuverlässige Mitstreiter, die sich seither von Ostern bis Ende September jeden Sonntag von 15 bis 18 Uhr um die Kirche kümmern.
„Wir verteilen untereinander die Termine. In der Regel ist jeder sechs bis sieben Mal dran“, berichtet Hermann Knispel. Nach seinen Worten kommen im Schnitt jeden Sonntag um die 90 Besucher. „Die meisten wollen sich die Kirche einfach mal von innen anschauen. Viele sind aber auch zum Beten hier“, erzählt er. Dabei sei das Publikum in jeder Hinsicht bunt gemischt. Es kommen sowohl Familien mit Kindern als auch ältere Menschen. Oft sind Gäste aus den Niederlanden darunter. Generell nutzen eher Auswärtige als Meppener die Gelegenheit zu einer Besichtigung. „Aber dies liegt wohl daran, dass die meisten Einheimischen die Kirche aus anderen Zusammenhängen kennen“, vermutet Knispel.
Kirche ohne Aufsicht – undenkbar
Wie sich die Menschen in der Kirche verhalten, ist sehr unterschiedlich. „Manche wollen einfach nur einmal einen Blick in die Kirche werfen, andere lassen sich sehr viel Zeit und schauen sich jedes Detail ganz genau an“, so Merswolken. Leider komme es aber auch immer wieder vor, dass die Besucher sich nicht ganz angemessen verhielten. „Einige kommen mit Pommestüte und Getränken herein, andere lärmen durch das ganze Gotteshaus. Da müssen wir schon eingreifen.“
Vollkommen undenkbar sei inzwischen, die Kirche ohne Aufsicht zu lassen. „Die Ausstattung stammt aus der Wende vom Barock und Rokoko. In Norddeutschland ist diese Kirche neben Clemenswerth die einzige dieser Art. Da ist die Gefahr, dass die wertvollen Gegenstände und Malereien durch Vandalismus zerstört werden, viel zu groß“, erklärt Knispel. Er selbst liebt besonders den für unsere Region einzigartigen Altarraum und fühlt sich der Gymnasialkirche sehr verbunden. Merswolken wiederum hat in dieser Kirche nicht nur geheiratet sondern auch seine silberne Hochzeit gefeiert. Für Egon Speckmann war der Wunsch, im Dienst der Kirche ehrenamtlich tätig zu sein, genug Motivation: „Ich bin dabei sonntags nicht alleine hier, denn meine Frau begleitet mich immer.“ Auch wenn die vier nicht im eigentlichen Sinne Führungen anbieten, beantworten sie Fragen immer wieder gerne und kennen sich mittlerweile gut aus.
Godula Süßmann
Zur Sache
Bis Ende September ist die Gymnasialkirche am Markt in Meppen an den Sonntagen von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Das Gotteshaus gilt als Kleinod barocker Baukunst. Das Gebäude wurde zwischen 1743 und 1746 als Schulkirche des benachbarten Gymnasiums errichtet. Die Fassade mit dem geschwungenen Giebel und die prächtige Innenausstattung weisen sie als Jesuiten- und Marienkirche aus.
