Wie funktioniert ein Feuerlöscher? Und wie ein Stromkreis? Kinder sind neugierig und haben Freude am Experimentieren. In Schulen und Kitas wird das immer mehr unterstützt. Dabei geht es nicht um tiefes Verstehen, sondern um das Wecken von Interessen.
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Wie funktioniert ein Stromkreis? Die Kindergartenkinder probieren es aus. Foto: Stefan Buchholz |
„Vier, drei zwei eins ...“ Knatternd schießt der Luftballon in die Höhe. Die Kinder aus der „Raupengruppe“ des St.-Johannis-Kindergartens in Wallenhorst-Hollage amüsieren sich über das komische Ballongeräusch. Und jeder möchte natürlich das Experiment wiederholen. Von einem Raketenstart hat Ihnen zuvor Tom Daniek erzählt. Anschaulich demonstriert der 18-Jährige, dass auch ein Ballon, dem man die Luft ablässt, raketengleich Richtung Decke abheben kann.
Insgesamt sieben physikalische Phänomene zeigen Gymnasiasten vom Osnabrücker Carolinum den Kindern. Mal geht es um einen einfachen Stromkreis, mal um optische Täuschungen oder um das Prinzip des Feuerlöschers. Für gut zwei Drittel der Kinder zwischen vier und sechs Jahren gibt es Dinge zu sehen, zu hören und zu riechen, die sie so noch nicht kennengelernt haben.
Warum bildet Wasser bei der Oberflächenspannung eine Art Netz? Warum erlischt die Teelichtflamme, wenn man einen Becher darüberstülpt? Warum treibt eine Handkurbel die kleine Glühbirne an? Diese Fragen stellen die Kinder nicht. Sie sehen den Effekt, sie staunen und wollen alles selber ausprobieren.
„Unser Ziel ist es, Interessen zu wecken und einen Wissenszuwachs zu erreichen“, erklärt der betreuende Lehrer, Kai Crystalla. Nicht Vorsprung durch Elitebildung sei dabei das Ziel, sondern Verknüpfungen mit Alltagsphänomenen, so der Pädagoge, der das Projekt im Rahmen des Seminarfachs Physik entwickelt hat.
Begeisterung wachhalten, Talente fördern
„Kinder sind gute Forscher und Entdecker, weil sie neugierig und begeisterungsfähig an eine Sache herangehen“, betont auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Sie ist Schirmherrin der Initiative „Haus der kleinen Forscher“, Deutschlands größter frühkindlicher Bildungsinitiative, die genau das gleiche Ziel verfolgt: Kinder für Naturwissenschaften, Mathematik und Technik zu begeistern. „Diese Begeisterung wollen wir wachhalten und Talente fördern – auch über die Kita hinaus“, so Schavan.
Über eine Million Kinder in mehr als 19 000 Kindertagesstätten hat die Stiftung in den fünf Jahren ihres Bestehens mit ihren Angeboten erreicht. Auch die Ausweitung auf die Grundschulen schreitet voran: 52 Netzwerke starteten die bundesweite Ausbreitung für sechs- bis zehnjährige Kinder. Pädagogen können sich über die Stiftung auch fortbilden, um in den Kitas oder Grundschulen die Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Themen gezielt anzuregen und Freude am Forschen bei den Kindern zu wecken und zu stärken. Alle interessierten Einrichtungen können mitmachen und sich zum „Haus der kleinen Forscher“ auszeichnen lassen.
Auch Kindergartenleiterin Monika Pohlmann war von den Experimenten begeistert. Sie möchte einzelne Themen noch einmal aufgreifen und sich weiter mit den Kindern auf Entdeckungsreise durch den Alltag machen. (buc/afl)
Weitere Informationen: www.haus-der-kleinen-forscher.de
Experimente zum Nachmachen
Oberflächenspannung Wasser:
Wasser in ein Glas füllen bis es kurz davor ist überzulaufen. Darauf entweder Pfeffer streuen oder eine Nadel (ganz vorsichtig) legen. Warum schwimmt die Nadel, warum der Pfeffer? Weil das Wasser wie ein Netz eine Oberflächenspannung bildet und so die Nadel und den Pfeffer hält. Dieses Netz reißt, wenn man ein, zwei Tropfen Spülmittel dazugibt. In der Natur lässt sich Ähnliches beobachten: Insekten wie der Wasserläufer beherrschen ihre Kunst nicht mehr, wenn sie in mit Waschmitteln belastete Gewässer geraten.
Eiswürfel angeln:
An einem Stift einen Wollfaden binden. Eiswürfel in eine Schüssel oder ein hohes Gefäß geben. Nun versuchen, einen Eiswürfel zu angeln. Das klappt auf diese Weise nicht. Streut man jedoch etwas Kochsalz auf den Eiswürfel, schmilzt dessen Oberfläche. Warum? Natrium- und Chloridionen aus dem Kochsalz verbinden sich mit den Wassermolekülen aus dem Eis. Dadurch wird das Eiskristallgitter zerstört.
Nun diesen Eiswürfel angeln, indem der Wollfaden auf die leicht getaute Stelle gelegt wird. Da der Eiswürfel an der gesalzenen Stelle durch die kühle Umgebung wieder friert, lässt er sich nun leicht mit der improvisierten Angel aus dem Wasser fischen. (buc)
