11.10.2017

150 Jahre Bischofskonferenz

Reden und entscheiden

Vor genau 150 Jahren traf sich die „Deutsche Bischofskonferenz“ zum ersten Mal. Ob das Gremium eher organisatorische oder wirklich lehramtliche Aufgaben hat, ist nach wie vor umstritten. Aber Papst Franziskus setzt Akzente.


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Viel Farbe ist im Spiel, wenn die deutschen Bischöfe sich treffen, so wie hier beim Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrsvollversammlung im Februar 2016 in Schöntal. Foto: kna


Als in dieser Woche die Deutsche Bischofskonferenz zur Herbstvollversammlung in Fulda tagte, erinnerte sie sich auch an ihre Ursprünge. Denn im Oktober 1867 trafen sich die deutschen Bischöfe erstmals am Grab des heiligen Bonifatius, des Apostels der Deutschen, zu einer „bischöflichen Conferenz“. Mit Zustimmung des Papstes und mit einer ersten Geschäftsordnung.

Zum Vorsitzenden wählten die Mitbrüder den Kölner Erzbischof Paulus Melchers – vorläufig, bis zum nächsten Treffen. Denn zu formell wollte man nicht werden, um nicht den Verdacht zu erwecken, zu viel Macht für sich zu reklamieren. In der Geschäftsordnung von 1867 heißt es: „Die bischöflichen Konferenzen bezwecken nicht, den deutschen Episkopat als eine Gesamtheit zu vertreten ... oder legislatorisch tätig zu sein.“


Von Anfang an ein Diskussionsgremium

Statt dessen wurde – wie heute noch – viel diskutiert. So trieb der Mainzer Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler mit flammenden Reden seine Mitbrüder an, sich endlich für das verarmte Industrieproletariat einzusetzen. Auch der Kulturkampf in Preußen, wo Bismarck versuchte, die öffentlichen Wirkungsmöglichkeiten der katholischen Kirche massiv einzuschränken, erforderte regelmäßige Abstimmungen der Bischöfe.

Auch wenn seitdem weltweit die Geschäftsordnungen präziser und der Verwaltungsapparat größer geworden ist: Die Prinzipien – und die Probleme – der Bischofskonferenzen sind ähnlich geblieben: das Prinzip, gerade bei Konfliktthemen eine gemeinsame Linie gegenüber Staat und Gesellschaft zu finden; und das Problem, welchen rechtlichen Status, welche lehramtliche Kompetenz dieses Gremium eigentlich hat. Denn so viel ist klar: Verantwortlich ist jeder Bischof weiterhin allein dem Papst; es gibt keinen Chef dazwischen.

Theologisch geändert hat sich der Status der Bischofskonferenz durch das Zweite Vatikanische Konzil. Damals betonte man erstmals die Bedeutung des Zusammenwirkens der Bischöfe. Galt bis dahin das Prinzip, dass der Papst und jeder einzelne Bischof das Lehramt hüten (Zentralismus), betonten die Konzilsväter die sogenannte „Kollegialität“: Wenn Bischöfe gemeinsam einmütig entscheiden, hat das lehramtliche Bedeutung.


Lehramt oder nicht: Das ist hier die Frage

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Reproduktion einer Lithografie aus dem Jahr 1848 mit den Teilnehmern an
der ersten noch informellen Konferenz der deutschen Bischöfe in Würzburg.
Bis zur formellen Gründung dauerte es noch fast 20 Jahre. Foto: kna

Was daraus für die Bischofskonferenzen folgt, ist allerdings umstritten. So betonte Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation: „Wir dürfen nicht vergessen, dass die Bischofskonferenzen keine theologische Grundlage haben, … sie haben nur eine praktische, konkrete Funktion.“ Und: „Keine Bischofskonferenz hat als solche eine lehramtliche Funktion. Entsprechende Dokumente verdanken ihr Gewicht allein der Zustimmung der einzelnen Bischöfe.“

Papst Franziskus hingegen scheint die Kollegialität der Bischöfe stärken und den Bischofskonferenzen mehr Kompetenzem geben zu wollen. Jüngstes Beispiel: Die neue Übersetzung des Messbuchs liegt nun nicht mehr in der Hand Roms. Allerdings sollte Sprache sowieso eine nationale Kompetenz sein. Und dass eine Bischofskonferenz für ihren Zuständigkeitsbereich über  Themen wie etwa Pflichtzölibat oder die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare entscheiden kann, liegt in weiter Ferne.

Von Susanne Haverkamp