04.12.2017

Papst in Dhaka

Rikscha, Rohingya, Rosenkranz

Bunte Rikschas und ernste Gespräche: Der Besuch von Papst Franziskus in Bangladesch.


Foto: kna
Papst Franziskus im Mutter-Teresa-Haus in Dhaka. Foto: kna


Die kurze Fahrt mit der Fahrradrikscha zu der Begegnung mit den Vertretern der Religionen, der Zivilgesellschaft und 16 Rohingya-Flüchtlingen wird Papst Franziskus gefallen haben. Der Priester aus Argentinien ist ein Mann der Bescheidenheit und ein Mann des Volkes.

Fahrradrikschas sind in den Straßen Dhakas allgegenwärtig. Ob bei sengender Hitze oder niederprasselndem Monsunregen strampeln Rikschafahrer ihre Fahrgäste - Arme wie Reiche - durch die Stadt. In den Mega-Staus der Kapitale von Bangladesch kommt man mit den erstaunlich wendigen Gefährten oft schneller voran als mit Autos.

400.000 dieser knallbunten und prachtvoll verzierten Rikschas soll es in Dhaka geben - mindestens. So manches dieser Gefährte hat allerdings auch schon bessere Tage gesehen, wie Blessuren am Fahrgestell und verblassende, abblätternde Farben verraten.

Die Papst-Rikscha freilich war funkelnagelneu und in den Nationalfarben Rot und Grün gehalten, verziert mit gelben, grünen und orangen Blüten. Deutet man den Gesichtsausdruck des Pontifex richtig, dann hat ihm die kurze Rikscha-Erfahrung im Garten der erzbischöflichen Residenz von Dhaka Spaß gemacht.

Bei der Begegnung mit den Religionsvertretern und den Rohingya in der Residenz wurde es dann wieder ernst. Badiul Alam Majumdar, einer der Teilnehmer des Treffens, war von dem Mann aus Rom beeindruckt. "Er hat die richtigen Worte gefunden", sagt der Vorsitzende der humanitären Hilfsorganisation "The Hunger Project". "Vor allem den Rohingya hat der Papst sehr intensiv und sehr ernst zugehört."

 

Treffen mit Priestern und Ordensleuten

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Jugendliche begrüßen jubelnd Papst Franziskus im Notre-Dame-College
in Dhaka. Foto: kna

Am letzten Besuchstag in Bangladesch stand vor dem Abflug nach Rom eine Begegnung mit Priestern, Ordensleuten und Bischöfen in der Holy-Rosary-Kirche in Dhakas Stadtteil Tejgaon auf dem Programm; auch ein Besuch des Mutter-Teresa-Hauses gleich neben der Kirche.

Erzbischof Moses Costa von Chittagong umriss in seiner Ansprache die vielen Bereiche, in denen die vergleichsweise wenigen katholischen Priester und Ordensleute aktiv sind, "von denen die meisten hier versammelt" seien. Sie kümmerten sich um Migranten, Kranke, Obdachlose, Vertriebene, Opfer von Naturkatastrophen.

Jahr für Jahr stehen weite Teile des bitterarmen 160-Millionen-Einwohner-Landes während des Monsuns unter Wasser. Immer wieder brechen zudem vom Golf von Bengalen tropische Wirbelstürme ein. Das alles wird durch den Klimawandel noch schlimmer. Bangladesch ist von den Folgen des globalen Erwärmung und des steigenden Meeresspiegels hart betroffen.

Costa kennt dies alles aus eigener Anschauung. Zu seinem Erzbistum um die Hafenstadt Chittagong gehört auch Cox's Bazar, wo in Flüchtlingslagern die mehr als 600.000 aus Myanmar vertriebenen Rohingya unter schwierigsten humanitären Bedingungen leben.

 

Besuch im Mutter-Teresa-Haus

Ein großer Tag war der Besuch des Papstes auch für das Mutter-Teresa-Haus, in dem sich Ordensfrauen im weißblauen Habit um Kranke, Behinderte und Straßenkinder kümmern. Mutter Teresa (1910-1997) hat ihren Orden einst mit Schwestern aus Bengalen gegründet, von denen viele aus Dhaka stammten. Früher gehörten Dhaka wie auch Kalkutta, wo sich das Stammhaus der Mutter-Teresa-Schwestern befindet, zu Bengalen. Nach der Teilung Indiens 1947 wurde das mehrheitlich muslimische Ostbengalen - das heutige Bangladesch - Pakistan zugeschlagen, während Westbengalen mit Kalkutta weiter zu Indien gehören.

Franklin Pereira, ein 28 Jahre junger Banker, verdient seinen Lebensunterhalt bei der 1955 gegründeten Christian Cooperative Credit Union Ltd. Dhaka. "Wir bieten Christen eine Vielzahl von Finanzprodukten zu sehr günstigen Bedingungen an", erzählt der 28-jährige Katholik von der Rosenkranzgemeinde stolz. In den Tagen des Papstbesuchs allerdings war für ihn an Arbeit nicht zu denken. "Ich war bei der Papstmesse. Den Papst zu sehen und zu erleben, das war ein wunderbares Gefühl", sagt Franklin aus tiefem Herzen. "Das war der beste Tag meines Lebens. Ein Traum ist wahr geworden."

kna