16.12.2016

Kommentar

Rohdiamanten schleifen

Der Vatikan hat seine Richtlinien für die Ausbildung von Priesteramtskandidaten überarbeitet. Schwerpunktthemen sind nun auch der Schutz Minderjähriger vor Missbrauch, der Umgang mit Frauen und der Nutzen der neuen Medien. Ein Kommentar von Susanne Haverkamp.

„Rohdiamanten“ – so nannte Papst Franziskus in einer Rede junge Männer, die sich auf den Weg zum Priestertum machen. Wie aus diesen Rohdiamanten strahlende Priester für die Weltkirche geschliffen werden, darauf geben die jetzt veröffentlichten neuen „Richtlinien für Priesterseminare“ Hinweise. 

Eine Neuauflage der Richtlinie von 1985 war auch nötig, denn Kirche wie Gesellschaft haben sich in den letzten 30 Jahren gewandelt. Dies allerdings weltweit unterschiedlich, so dass es gut ist, nur allgemeine Richtlinien vorzugeben; die „Nationalen Richtlinien“ müssen nun folgen. Denn es ist etwas anderes, in einem kirchlichen Seminar in Kenia Theologie zu studieren – oder an einer staatlichen Hochschule in Deutschland. Muss dort vielleicht auf Wissenschaftlichkeit geachtet werden, fehlen Seminaristen hierzulande oft spirituelle Grundlagen. Während in Indien „kleine Seminare“ schon Schüler auf den Weg bringen, gibt es hier verstärkt Spätberufene. Während es in Polen reichlich Priester gibt, müssen sich die wenigen Priester in völlig neuen Rollen und Formen der Gemeindeleitung zurechtfinden. 

Gleichwohl sind einige Hinweise für alle interessant. Etwa der auf die Möglichkeiten der Verkündigung in sozialen Netzwerken – wobei in dem Bereich ältere Priester vermutlich mehr Fortbildungsbedarf haben als der Nachwuchs. Zudem wird mehr Gewicht gelegt auf die sexuelle Reife der Kandidaten. So müsse die Fähigkeit, mit Frauen zusammenzuarbeiten, in die Beurteilung eingehen. Und vor allem gehört der Schutz Minderjähriger dazu. Da spiegeln sich bittere Erfahrungen, die die Kirche erschüttert haben und mit besserer Auswahl hätten verhindert werden können.

Dass Männer, die ihre Homosexualität leben, nicht Priester werden können, ist klar: Zölibat gilt für alle. Weniger klar ist, dass „tiefsitzende homosexuelle Tendenzen“ grundsätzlich ein Weihehindernis sind. Vielleicht sind hier die angeblichen „schwulen Seilschaften“ das abschreckende Beispiel.

Schlechte Erfahrungen stehen wohl auch hinter dem Hinweis, dass zwar die Bischöfe ihre Kandidaten zur Weihe zulassen, dass sie sich aber nicht über das Urteil der Ausbilder und geistlichen Begleiter hinwegsetzen und auch nicht anderswo entlassene Kandidaten für ihr Bistum weihen sollen – immer mal wieder konfliktreich geschehen.

Doch bei allen guten Bemühungen: Wer Menschen kennt, weiß: Sie lassen sich nur begrenzt zurechtschleifen. An dem Versuch sind schon Ehen gescheitert. Und Priester.

Von Susanne Haverkamp