Lathener Schüler lernen ein Jahr lang die Altenpflege kennen

Schülerfirma im Altenheim

Altenpflege – könnte das ein Beruf für mich sein? Das fragen sich einige Jugendliche, wenn sie ihre Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz schreiben. In Lathen können die Neuntklässler das vorher ausprobieren – bei einer Schülerfirma im Caritas-Seniorenzentrum Haus Simeon.

 

Aktiv werden beim Obstsalat: Aileen und Melanie gehören zu den Schülern, die ins Haus Simeon in Lathen kommen. Hier schneiden sie mit Bewohnerin Ingrid Maikowski Früchte für den Nachtisch.    Foto: Petra Diek-Münchow

Mit einem freundlichen Lächeln schiebt Aileen ein Schälmesser und einen Apfel zu Ingrid Maikowski hinüber. „Wollen wir den zusammen schneiden?“, fragt die 15-Jährige und nickt der älteren Dame aufmunternd zu. Und dann schnippeln die zwei im Gleichtakt erst den Apfel, dann eine Banane und eine Birne in kleine Würfel – genau wie Doreen, Melanie und Hanna das am anderen Ende des Tisches auch machen. An diesem Vormittag sitzen sie in der Tagespflege im Caritas-Seniorenzentrum Haus Simeon in Lathen. Heute Mittag soll es Obstsalat geben und den bereiten sie gemeinsam mit den älteren Leuten zu.

Die insgesamt fünf Jugendlichen, auch ein Junge gehört noch zu der Gruppe, bilden eine der fünf externen Schülerfirmen der Grund- und Oberschule in Lathen. (siehe auch „Zur Sache“). Jeden Mittwoch kommen sie für drei Schulstunden in das Altenpflegeheim, um ganz praktische Erfahrung im Berufsfeld Altenpflege zu sammeln. Sie setzen sich im Wohnbereich der Tagespflege mit an den Tisch. Plaudern und basteln mit den Senioren, backen Kekse und Marmorkuchen, lesen aus der Zeitung vor oder machen einen Spaziergang mit einigen der Gäste. „Unsere Bewohner finden es richtig klasse, wenn junge Leute im Haus sind“, sagt Pflegedienstleiterin Inga Gerdelmann und beobachtet mit einem Lächeln, wie sich die Schüsseln mit dem frisch geschnittenen Obstsalat füllen. Das ist mal ein ganz anderer Unterricht.

Warum sich die Jugendlichen gerade für eine „Schülerfirma“ in einem Seniorenzentrum entschieden haben, erklärt Hanna stellvertretend für ihre Klassenkameraden aus dem Jahrgang 9. „Wir wollen einfach mal gucken, ob dieser Beruf etwas für uns sein könnte.“ Schließlich dauert es nicht mehr so lange, bis sie Bewerbungen für Ausbildungsplätze schreiben werden. „Im Frühjahr müssen wir anfangen.“

Sanfter Einstieg in den Altenpflegeberuf

Damit sie sich vorher schon ein wenig orientieren, damit sie vorher schon in bestimmte Arbeitsfelder hineinschnuppern können, gibt es an der Lathener Schule Profilunterricht mit Praxiserfahrung. „Vor allem außerhalb der Schule in einem Betrieb“, sagt Verena Huntemann, Lehrerin und Fachleiterin. Und das eben nicht nur für vier Wochen, sondern ein ganzes Schuljahr lang. Für die Theorie kommt auf der anderen Seite Inga Gerdelmann direkt in den Unterricht.

Dabei macht sie auch deutlich, wie wichtig praktische Einblicke in die Altenpflege sind – vor der Berufswahl. „Viele Pflegekräfte haben vorher mal ein Praktikum in einer Altenpflegeeinrichtung gemacht. Ich habe selbst auch so angefangen.“ Denn die Arbeit in einem Seniorenzentrum wie dem Haus Simeon ist mehr als nur ein Job. Da muss jeder mit dem ganzen Herzen dabei sein, sagt Inga Gerdelmann. Man muss gern mit Menschen umgehen, man muss auch Leid und Tod aushalten können.

Die Pflegedienstleiterin erzählt auch ganz offen, dass die „Schülerfirma“ nicht nur den Jugendlichen hilft. Sondern langfristig auch der Einrichtung und der Altenpflege überhaupt. Denn in dem Berufsfeld droht ein Fachkräftemangel. Schon heute fehlt in einigen Regionen gut ausgebildetes und erfahrenes Personal – und der Bedarf wird noch steigen. Durch Aktionen wie in Lathen können die Heime für das Berufsfeld werben und vielleicht junge Leute gewinnen. „Das kann ein sanfter Einstieg sein“, sagt Inga Gerdelmann.

Und wie sieht es bei Hanna und ihren „Kollegen“ in der Schülerfirma nach den ersten Wochen aus? Die Arbeit mit den älteren Menschen macht ihr Spaß, sagt die 15-Jährige. Mit jedem Besuch verlieren die Jugendlichen immer mehr ihre anfängliche Scheu. Sie trauen sich nun, die Senioren direkt anzusprechen und auch mal deren Hände in ihre zu legen und beruhigend zu streicheln. Ein schönes Bild, findet Inga Gerdelmann. Ob aus diesem Praktikum später ein Berufswunsch werden kann, weiß Hanna heute aber noch nicht. „Darüber muss ich erst nachdenken“, sagt sie ehrlich. Und schnippelt dann eifrig weiter die Früchte klein.

Petra Diek-Münchow

 

 

Zur Sache

Das Caritas-Seniorenzentrum Haus Simeon arbeitet in diesem Schuljahr noch enger mit der Grund- und Oberschule Lat-hen zusammen. Dafür haben Schulleiter Leonhard Moss und Haus-Simeon-Leiterin Ingrid Wotte einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Einmal in der Woche kommen jetzt fünf Schüler für drei Schulstunden in das Seniorenzentrum, um dort praktische Erfahrungen zu sammeln. Diese „Schülerfirma“ ist Teil des Profilunterrichts im Bereich „Gesundheit und Soziales“.
www.caritas-os.de/haus-simeon-lathen