Caritas sammelt fremde und alte Währungen für die Russlandhilfe

Schrott und Schätze

Hartgeld aus Myanmar, Thailand, China – das lässt sich kaum eintauschen. Münzen aus Malta, Island oder der Schweiz – schon besser. Die Caritas in Osnabrück nimmt alte Währungen und Restdevisen entgegen und führt sie der Russlandhilfe zu. Ehrenamtliche nehmen beim Zählen jede Münze in die Hand.

 

 

 

Ehrenamtliche sortieren Münzgeld aus aller Welt bei der Osnabrücker Caritas. Im Uhrzeigersinn: Horst Steingräber, Bernhard Bitter, Helmut Klecker, Alfred, Helga und Ursula Schnieder, Karin Schröder und Dietmar Stock.
Fotos: Philipp Adolphs

Chaos auf dem großen Konferenztisch im Osnabrücker Caritashaus am Knappsbrink: Haufen aus Kupfer, Stahl, Zink und Zinn funkeln um die Wette. Kiloweise Fremdgeld aus aller Herren Länder liegt unsortiert vor acht Ehrenamtlichen, die freudig darauf warten, es nach seiner Herkunft zu sortieren. „Seit Urzeiten gehen die Restdevisen an den Caritasverband“, sagt Ottmar Steffan. Der Mitarbeiter der Caritas holt immer neue Eimer und Säcke voll Fremdgeld aus dem deckenhohen Schrank vor seinem Büro und schüttet die Münzen auf den Tisch. Einige Tausend Euro in Kleingeld erreichten Steffan im Laufe der vergangenen Monate über Spenden und eine gezielte Sonntagskollekte im November aus dem gesamten Bistum.

„Wollen wir denn Polen noch machen?“, fragt eine der Helferinnen in die Runde. „Italien kannste in die Tonne kloppen!“ und „Niederlande geht auch nicht mehr“, ruft Helmut Klecker. Grundsätzlich werden zwar alle Währungen gesammelt, manche lassen sich aber nicht mehr in den Euro wechseln. „Ich habe schon Japan gehabt und China. Sammeln wir auch Südafrika?“, fragt Karin Schröder. „Myanmar, Thailand, China, können wir alles nicht eintauschen, da kriegen wir nur Schrottgeld“, sagt Klecker. Ein Osnabrücker Münzhändler nimmt der Caritas das unbrauchbare Fremdgeld für 6 Euro pro Kilo ab und steckt die Münzen unsortiert in Säckchen, die er auf Flohmärkten verkauft.

Eine „krumme Münze“ verstopfte den Automaten

Die meisten Münzen lassen sich aber sehr wohl umtauschen. Seien sie aus Kroatien, Island, Malta, der Schweiz, Israel, Norwegen oder den Philippinen: Alles wird gesammelt. Manchmal muss man noch differenzieren, sagt Horst Steingräber. Spanien nehme beispielsweise nur noch jene Münzen zurück, die in den 90er Jahren gegossen wurden. Das sind die, auf denen der spanische Diktator Francisco Franco nicht mehr zu sehen ist.

Selten: zwei Hong-Kong-Dollar mit Elizabeth II., australisches
Geld, chinesische Münzen, eine Reichsmark von 1876 und
50 DDR-Pfennig.

Die meisten Münzen erreichten die Caritas aus den „Touristenkirchen“, sagt Steffan: aus der Propstei Bremen, aus Lingen, dem Dom oder St. Johann. Der Löwenanteil des Geldes setzt sich aus Schweizer Franken, US-Dollar, Türkischen Lira und D-Mark zusammen. Laut Bundeszentralbank sind noch 13 Milliarden D-Mark im Umlauf. Steffan freut sich über solche Spenden: „Wir sind sehr interessiert an Ideen von Gemeinden für eine D-Mark-Sammlung.“ Denn das alte deutsche Geld sei unkompliziert und zum guten Kurs von 2:1 bei der Landeszentralbank in Osnabrück einzutauschen. „Da bin ich dann mit der Sackkarre hin“, scherzt Dietmar Stock.

Einmal haben die Ehrenamtlichen den Annahmeautomaten verstopft, „vermutlich weil sich eine krumme Münze unter den vielen anderen versteckte“, sagt Steffan. Andere Währungen müssen von Helfern ins Ausland gebracht werden. „Wir suchen immer Leute, die ein paar Kilo mit ins Ausland nehmen“, sagt Steffan und hält dabei eine Plastiktüte hoch: „Das hier sind zum Beispiel 25 Kilogramm Norwegen.“ Ursula Schnieder sagt scherzhaft: „Wenn Ottmar erfährt, wo man Urlaub macht, dann kriegt man etwas mit.“ Die Arbeit der Ehrenamtlichen spart bares Geld: Münzfirmen würden 25 bis 40 Prozent des Geldwertes einbehalten, sagt Steffan. Die Caritas suche stets neue ehrenamtliche Helfer.

Philipp Adolphs
 

 

 

Zur Sache

„Wir sammeln Geld aus aller Welt“ und „Kleine Münzen – große Hilfe“ steht auf den Caritas-Plakaten. Restdevisen aus dem Urlaub oder alte Währungen können bei der Sonntagskollekte in jeder Kirchengemeinde abgegeben oder direkt der Caritas in Osnabrück übergeben werden. Der Erlös nach dem Sortieren und Eintauschen des Geldes kommt der Russlandhilfe der Caritas zugute. Bis zu 5000 Euro finden so ihren Weg zu bedürftigen Familien im Parnterbistum St. Clemens in Russland.