Jugendkreuzweg im nördlichen Emsland mit neuem Konzept

Schule, Disco, Transrapid

Schule, Straßenverkehr, Disco: Das können für junge Leute echte Kreuzwegstationen sein. Deshalb findet der ökumenische Jugendkreuzweg im nördlichen Emsland dieses Mal nicht in einer Kirche statt. Sondern unterwegs, mit dem Bus in der Region Hümmling.

 

Die Transrapid-Strecke bei Lathen: Vor zehn Jahren eignete sich hier ein schrecklicher Unfall. Die Anlage ist eine der vier Stationen beim neuen Jugendkreuzweg im Hümmling. Foto: Daniel Gollin

„Junge Menschen kommen an Grenzen, fast jeden Tag“, sagt der Sögeler Pfarrer Bernhard Horstmann. Zum Beispiel in der Schule, in der Ausbildung, am Wochenende in der Disco: Da geht es um Konkurrenz und Leistungsdruck, um Erfolg und Scheitern, um Mobbing und mangelnde Anerkennung. Aber auch im Freundeskreis, in der Familie oder im Straßenverkehr machen Jugendliche existenzielle Erfahrungen, die sie verändern. Und dort können sie vielleicht mehr als in einer Kirche ihre ganz persönlichen Parallelen zum Kreuzweg ziehen, den Jesus am Karfreitag gegangen ist.

An genau solche Orte will der Jugendkreuzweg im nördlichen Emsland am 11. März fahren – mit dem Bus, einige Kilometer quer durch die Region Hümmling. Zu einer Schule, wo bald schon die nächsten Klausuren geschrieben werden. Zu einer Konzerthalle, wo sich am Wochenende junge Leute treffen und dazugehören möchten. Verschiedene Jugendgruppen haben zeitgemäße Texte und moderne Lieder der Künstler von „Rosenstolz“ und „Silbermond“ dazu ausgesucht. Der Kreuzweg wird so ganz anders interpretiert.

Gute Tradition mit neuen Inhalten füllen

Auch bei zwei Stationen, an denen es ganz eindrücklich um Leid und Tod geht. Das ist die stillgelegte Transrapid-Versuchsanlage in Lathen – 23 Menschen sind hier vor zehn Jahren bei einem schrecklichen Unfall gestorben. Und das ist die Gedenkstätte in Alt-Wahn – über 1000 Einwohner mussten das Dorf während des Zweiten Weltkrieges verlassen und anderswo neu anfangen. Wie die vielen Flüchtlinge, die bei uns eine Zukunft suchen.

Mit diesem Konzept wagen das Katholische Jugendbüro und das sechsköpfige Vorbereitungsteam um Pfarrer Bernhard Horstmann und Claudia Schulte einen Neustart für den Jugendkreuzweg in der Region Hümmling. Früher war der mit 700 bis 800 Gästen „immer ein Riesenevent in unserer Gegend“, sagt die Dekanatsjugendreferentin. Aber in den vergangenen Jahren waren die Teilnehmerzahlen deutlich zurückgegangen, zuletzt kamen etwa 100 junge Leute. Der Grund dafür? Die Antwort sei nicht so leicht, sagt Claudia Schulte. Vielleicht hat der Jugendkreuzweg an Stellenwert verloren, und im jetzt großen Dekanat mag die vertraute Bindung fehlen. 

Aufgeben will das Team aber nicht. Sondern die gute Tradition mit neuen Inhalten füllen: mit zwei Standbeinen. In diesem Jahr macht sich der Kreuzweg deshalb auf den Weg, 2017 findet er voraussichtlich in der Gedenkstätte Esterwegen statt.

Petra Diek-Münchow

 

Zur Sache

Der ökumenische Jugendkreuzweg im nördlichen Emsland zum Thema „Wo bist du?“ findet am Freitag, 11. März, statt. Die Teilnehmer starten ab 18.30 Uhr zu einer Busfahrt mit vier Stationen in der Region Hümmling. Treffpunkt und Ende ist jeweils die Schule am Schloss in Sögel. Die Fahrt führt zur Gedenkstätte in Alt-Wahn, zur Transrapid-Anlage in Lathen und zur „Packhalle“ (ein Konzertsaal) in Sögel.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, aber möglich unter Telefon: 0 59 52/20 71 40.

Als Einstimmung auf die Veranstaltung gibt es bei youtube einen Film