Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe arbeiten mit dem „Hamburger ABC"

Schwierig sind „der", „die", „das"

Vom Bild zum Buchstaben, vom Buchstaben zum Wort: Ehrenamtliche im Integrationskreis der St.-Bartholomäus-Gemeinde Wellingholzhausen arbeiten mit Flüchtlingen beim Deutschlernen nach dem „Hamburger ABC". Das klingt einfacher, als es ist.

 

Friederike Hemker (r.) und Brigitte Heitz (3.v.r) helfen Flüchtlingen beim Deutschlernen. Foto: Stefan Buchholz

„Irgendwann habe ich gedacht: Jetzt muss ich etwas für diese Menschen tun.“ Ulrike Mestermacher erzählt von einem Moment im Sommer vergangenen Jahres. Da hatte sie schon viele Fernsehsendungen über das Schicksal der Menschen geschaut, die auf abenteuerlichen und lebensgefährlichen Wegen versuchen, in Sicherheit zu gelangen. Trotz zeitfordernder Familie und dem Halbtagsjob nebst Haus und Hund wollte die 51-Jährige aktiv werden und helfen.

Doch was genau sie tun könne – das wurde erst konkret, als Ulrike Mestermacher einen Aufruf im Pfarrbrief las. Gesucht wurden Menschen, die Flüchtlinge unterstützen. Es meldeten sich fünf weitere Frauen. Ab Herbst konnte es losgehen: mit einem Sprachkurs und Pädagogik „aus dem Bauch heraus“, wie Urike Mestermacher sagt.

„Wir haben uns erkundigt, wo man passendes Material bekommt.“ Empfohlen wurde den Ehrenamtlichen unter anderem  das „Hamburger ABC“. Das Lernheft sei speziell für Migranten zusammengestellt, sagt Mestermacher. Das Erlernen der deutschen Sprache erfolge so Schritt für Schritt: vom Bild zum Buchstaben, vom Buchstaben zum Wort, vom Wort zum Satz, vom Satz zum Text.

Das klingt einfacher, als es für Vjollca und Yll ist. Das junge Paar aus dem Kosovo hilft sich gerade bei der Übung, bei der es um das Einsetzen von Vokalen geht. Richtig schwierig seien die Artikel „der“, „die“ und „das“, erzählt Vjollca. „Muss man einfach auswendig lernen“, meint Ulrike Mestermacher, die den beiden an diesem Tag hilft.

Wie die gut zehn anderen Menschen aus Afghanistan, Rumänien und Spanien nutzen Vjyollca und Yll freiwillig das Sprachlernangebot in der katholischen Kirchengemeinde. „Ohne Sprache keine Arbeit. Ohne Arbeit kein Geld. Ohne Geld keine Wohnung“, zählt Yll auf. Im Kosovo hat er als Fliesenleger gearbeitet, berichtet er.

Übungssache: Lebenslauf schreiben

Brigitte Heitz, seit Jahren aktiv in der ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuung in Wellingholzhausen und im ökumenischen Integrationskreis engagiert, erzählt von einem Informationsabend in Bissendorf. Dort trafen sich Vertreter von Firmen und der Arbeitsagentur, um über Beschäftigungsmöglichkeiten für Asylbewerber zu sprechen. Heitz knüpfte Kontakt mit dem leitenden Personaler von DPD. Und erzählte Yll und den anderen Flüchtlingen davon. „Daraus haben wir gleich eine Übung formuliert: einen Lebenslauf zu schreiben“, schildert Ulrike Mestermacher.

Und noch etwas macht die Flüchtlingshilfe in Wellingholzhausen zu einem Integrationsangebot. Neben der Möglichkeit, die Sprache zu lernen und Arbeit vermittelt zu bekommen, bieten die Ehrenamtlichen die Gelegenheit zum Kennenlernen. Veranstaltet wurde bereits ein Abend, an dem man gemeinsam kochte. Und es gab einen Spieleabend.

Für ihr Bemühen, mehr als nur Sprachbarrieren abzubauen, bekamen die Frauen aus Wellingholzhausen im Dezember ein Lob. Die Werbegemeinschaft der Kaufleute in Melle hob ihr Engagement ausdrücklich hervor.

Stefan Buchholz