10.07.2013

Mit der Urlauberseelsorge zu Fuß auf dem "Planetenweg"

Singen und beten am Deich

In Ostfriesland ist vieles ungewöhnlich. Den ganzen Tag begrüßen sich die Leute mit „Moin“ oder spielen mit einer Kugel auf der Straße, Boßeln heißt das. Jetzt kann man am Deich auch noch von der Sonne bis zum Jupiter gehen.

Der erste Stopp ist bei der Sonne: Gemeinsam lesen Pastoralreferentin Ruth Schmitz und Pastor Bernd Reinecke auf dem „Planetenweg“ Texte und Gebete vor. Foto: Michaela Kruse

„Planetenweg“ – so nennt sich dieser spirituelle Spaziergang am Deich von Bensersiel bis Neuharlingersiel. 90 Minuten dauert die Tour. Pastoralreferentin Ruth Schmitz von der katholischen Regionalstelle „Kirche an der Küste“ lädt dazu mit dem lutherischen Pastor in Esens, Bernd Reinecke, ein. Entlang der Strecke steht ein maßstabsgerecht verkleinertes Modell des Sonnensystems. Den Anfang macht die Sonne, am Ende steht Pluto. Solche „Planetenwege“ gibt es an vielen Stellen in Deutschland und im Ausland. 

Nun geht es weiter zum Planeten Merkur

An der ostfriesischen Küste treffen sich die „Planetenwanderer“ um 20 Uhr am Fahrkartenterminal Langeoog. Die erste Station am Deich, das ist die Sonne. Die Gruppe bleibt vor dem Metall-Modell stehen und hört einen Text: „Höchster, allmächtiger und guter Herr, dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehr.“ Ein Motorrad fährt unter dem Deich vorbei. „Jetzt machen wir uns auf zum Merkur“, sagt Reinecke fröhlich. Los geht es.

Auf die Idee, mit Erwachsenen am Deich zu beten und zu singen sind Ruth Schmitz und Bernd Reinecke gekommen, weil beide in der Urlauberseelsorge etwas zusammen anbieten wollten. Etwas, das draußen stattfindet und Bewegung bietet – Ökumene am „Planetenweg.“

Station 2 ist der Planet Merkur. „Merkur ist auch der Gott der Reisenden. Hier beginnt unsere Reise“, sagen Ruth Schmitz und Bernd Reinecke. „Wir stehen am Deich und staunen.“ Gemeinsam beten die Teilnehmer, sagen, dass Gott sie immer wieder überrascht, dass Gott sie immer wieder innehalten lässt vor Staunen. Fahrradfahrer fahren an der Gruppe vorbei. Und staunen.
Bei der Venus, dem Gott der Liebenden, ist Halt Nummer drei. Wunderschöne Stellen aus der Bibel, aus dem „Hohe Lied der Liebe“, werden vorgelesen. Sie überraschen: Denn hier am Deich klingen die Texte neu und intensiver. An Station 4, der Erde, gibt es eine kleine Körperübung. Die Gäste schließen die Augen, spüren den festen Boden der Erde. „Sie trägt uns“, sagt Schmitz. Die Teilnehmer öffnen die Augen. Es wird gesungen: „Laudato si“.

880 Meter bis zum "Jupiter"

Auf geht es zum fünften Planeten. Auf dem Weg kommt man mal mit diesem, mal mit dem anderen Teilnehmer ins Gespräch. Beim „Mars“ erfahren die Deich-Pilgerer, dass er das Zeichen der Männlichkeit abbildet. „Aber Jesus war ein neuer Mann, er hat Sanftmut gepredigt“, so Reinecke. Es geht weiter, 880 Meter bis zum „Jupiter“.

Auf dieser Strecke hängt jeder  in Stille seinen Gedanken nach. Fahrradfahrer sagen unterwegs freundlich „Moin“. Als das Ziel geschafft ist, darf jeder von seinen Gedanken auf dem stillen Abschnitt erzählen. „Ich hatte gedacht, in der Stille spricht Gott mit einem – aber ich habe nichts gehört“, gibt eine Frau ehrlich zu. Die Gruppe erfährt, dass Jupiter der Gott des Himmels ist. Es ist auch ein weiter Weg ins Himmelsreich, sagt Pastor Reinicke.

Beim „Jupiter“ geht zurück zum Ausgangspunkt. Es wird erneut gebetet, gesungen, alle sind fröhlich und entspannt. „Es war ganz toll, ich habe ganz viele Eindrücke gewonnen“,sagt eine Teilnehmer. Ihr wird bewusst, dass man sonst vieles sieht, ohne dies als Geschenk zu begreifen.

Michaela Kruse

Die nächsten „Planetenwege“ werden am 18. Juli und am 13. August angeboten. Beginn ist um 20 Uhr, Treffpunkt am Eingang des Fährhauses Langeoog in Bensersiel. Die Teilnahme ist kostenlos.