24.11.2017

Wortgottesdienst im Krankenhaus

Sonntags ein gutes Wort

Wer krank ist, braucht für seine Heilung nicht nur beste Medizin, sondern auch Trost, Kraft und Zuspruch. Im Leeraner Borromäus-Hospital gibt es deshalb eine Gruppe, die jeden Sonntag ehrenamtlich einen Wortgottesdienst anbietet.

Sie bereiten den Wortgottesdienst vor: Christel Eßer (v.l.), Robert Bromisch, Petra Scharlach, Elisabeth Rieger, Helen Reiners und Hans-Jürgen Dicke. | Foto: Petra Diek-Münchow

Petra Scharlach schlägt die Bibel auf. „Welche Lesung nehmen wir am Sonntag?“, fragt sie Ruth Hinders. Die zwei Frauen haben sich schon intensiv mit den Schriftstellen befasst. Und entscheiden sich für den Text des Propheten Ezechiel: eine Hoffnungsbotschaft, dass Gott kommt, um den Verletzten und Schwachen beizustehen. Das passt gut, finden beide – auch zum Fest Christkönig.

Am letzten Sonntag im Kirchenjahr haben beide Frauen Dienst in der Kapelle des Borromäus-Hospitals in Leer. Sie legen dann das Messbuch auf den Ambo, entzünden die Kerzen, ordnen die Gesangbücher und sprechen noch mal mit dem Organisten Robert Bromisch die Lieder durch. Nach und nach werden ab 8.45 Uhr die ersten Gäste kommen und in den Bänken Platz nehmen: Patienten, Familienangehörige, Krankenschwestern und andere Besucher aus Leer, Weener, Oldersum. Jeden Sonntagmorgen versammelt sich hier eine kleine Gottesdienstgemeinde zu einer Wort-Gottes-Feier mit Kommunionempfang.

Petra Scharlach, Ruth Hinders und Robert Bromisch gehören mit Christel Eßer, Elisabeth Rieger, Ursula Wingert, Astrid Meyer, Helen Reiners, Hans-Jürgen Dicke und Schwester Camillis zu einer besonderen Gruppe. Seit über zehn Jahren gestalten sie ehrenamtlich Wortgottesdienste für die Krankenhauskapelle. Per Lautsprecher werden diese auf den Stationen und in den Zimmern angekündigt – und dann live auf dem „Borro-Kanal“ gesendet. Patienten, die nicht in die Kapelle kommen können, schalten dafür einfach den Bildschirm ein und sehen von ihrem Krankenhausbett aus zu. „Wenn ich dann hinterher die Kommunion bringe, werde ich manchmal mit den Worten begrüßt: Ich kenne Sie ja aus dem Fernseher“, erzählt Elisabeth Rieger mit einem Schmunzeln.

Patienten sollen spüren: „Es ist jemand für uns da“

Die Mitglieder der Gruppe wechseln sich ab und organisieren ihre Arbeit in Zweierteams selbstständig, planen den Gottesdienst komplett durch. Sie schreiben zu den Schrifttexten vom Tage und aktuellen Ereignissen passende Fürbitten, suchen dazu sorgfältig Lieder und Gebete aus. Krankenhausseelsorgerin Helen Reiners gehört ebenfalls dazu und übernimmt auch Dienste am Sonntagmorgen, aber helfen muss sie den anderen nicht. „Ich hab’ vollstes Zutrauen in unsere Leute. Die können das alles ganz gut allein“, sagt sie.

Über dieses Lob freuen sich zum Beispiel Elisabeth Rieger, Christel Eßer und Robert Bromisch, denn sie haben einen hohen Anspruch an sich. Alle drei engagieren sich schon lange in der Gruppe. „Mir macht es Freude, ich mache das wirklich gerne“, sagt Elisabeth Rieger und erzählt, wie wichtig ihr ein passender Text, eine Fürbitte oder eine schöne Meditation sind. Dafür schaut sie oft in mehr als nur ein Buch, um ein gutes Schriftstück zu finden. Denn die 65-Jährige möchte den Zuhörern gerne etwas mitgeben – einen guten Gedanken, ein stärkendes Wort oder eine tröstende Schriftstelle.

Christel Eßer legt großen Wert auf eine persönliche Ansprache. Die Patienten sollen spüren: Da ist jemand da für uns, da nimmt sich extra jemand Zeit. Deshalb trinken die Wortgottesdienstleiter hinterher oft noch einen Kaffee mit einigen Gästen und plaudern ein wenig.Robert Bromisch freut sich immer, wenn die Besucher kräftig mitsingen. „Der Gottesdienst im Borro ist was richtig Schönes“, sagt er und spricht von einer „Herzenssache“. Er ist der alte Hase in der Gruppe, spielt seit 43 Jahren die Orgel in der Kapelle und begleitet fast alle Gottesdienste musikalisch. Kaum einen hat er mal verpasst. Schon sein Vater hat am Harmonium im „Borro“ gesessen. „Ich war hier auch schon Messdiener mit meinen Brüdern“, erzählt er. Man spürt, wie wichtig ihm dieser Dienst ist. Und jetzt am Sonntag wird er sich wieder freuen, wenn zum Eingang aus vielen Stimmen das Lied „Gelobt seist du, Herr Jesu Christ“ erklingen wird.

Petra Diek-Münchow

Die Kapelle des Borromäus-Hospitals in Leer steht allen Patienten und Besuchern von morgens 5.30 Uhr bis abends 21 Uhr offen. Sie befindet sich am hinteren Ende der Eingangshalle. Jeden Sonntag gibt es um 9 Uhr einen katholischen Wortgottesdienst mit Kommunionfeier, jeden Donnerstag um 15 Uhr eine Eucharistiefeier. Danach können Patienten nach Absprache mit dem Pflegepersonal auf den Stationen die Kommunion empfangen. Weitere Infos: www.borromäus-hospital-leer.de