01.12.2017

Tipps vom Spiele-Experten

Spaß am Spiel

Ein neues Gesellschaftsspiel unter dem Weihnachtsbaum – in vielen Familien ist das eine Tradition. Aber nicht jedes Spiel ist für jeden geeignet. Worauf sollten Eltern beim Kauf achten? Spiele-Experte Stephan Schulte gibt hilfreiche Tipps.

Gemeinsam zu spielen, ist für Familien wichtig – heute mehr denn je. | Foto: fotolia/purplequeue

Spielen Familien heute noch Gesellschaftsspiele?

Zurück gehen die Spiele auf keinen Fall! Im Gegenteil: Die Anzahl der Neuheiten steigt. Es sind in diesem Jahr wieder über 1000 neue Spiele auf dem Markt gekommen, die Verlage haben gute Bilanzen. Gerade zu Weihnachten haben viele Familien noch die Tradition, dass ein neues Spiel auf den Tisch kommt.

Wo geht der Trend hin?

Der Trend geht zum schnellen Spiel, das maximal eine halbe Stunde dauert, nicht zu komplex und schnell zu erklären ist. Das passt auch in die heutige Zeit, in der Eltern einfach weniger Zeit für eine gemütliche Spielerunde haben.
Die Verlage reagieren darauf und werben oft schon auf der Schachtel damit, dass man bei diesem Spiel direkt losspielen kann. Viele Erwachsene tun sich heute schwer damit, erst noch komplizierte Spieleanleitungen durchzulesen.
Ein zweiter Trend ist der hin zu kooperativen Spielen, bei denen die Spieler eine gemeinsame Gruppe bilden, die gegen einen fiktiven Gegner spielt. So gewinnen oder verlieren die Spieler gemeinsam, spielen miteinander, müssen zusammen Strategien austüfteln und kooperieren. Das fällt einigen Kindern schwer. Die Pädagogik geht heute eher dahin, die Kinder zu schonen und zu schützen.

Können Kinder nicht mehr verlieren?

Manche können nicht verlieren, manche können nicht kooperieren. Beides kann man aber gut beim Spielen lernen. Daher sollten Eltern immer überlegen, welche Art von Spielen  sie benötigen. Ich finde, Kinder können auch ruhig Konkurrenz im Spiel erleben. Es ist ein geschützter Raum, in dem sie Erfahrungen machen und sich ausprobieren können. So sind sie vorbereitet auf Konkurrenzsituationen, die sie an Schule oder Arbeitsplatz erleben.

Was sollten Eltern beim Spielekauf beachten?

Entscheidend sind der Spielspaß und der Wiederspielreiz. Manche Spiele sind leider nur beim ersten Mal spannend, dann aber nicht mehr. Es muss sich auch lohnen, das Geld zu investieren. Gut ist es daher, wenn man die Möglichkeit hat, Spiele im Geschäft oder auf Spiele­events, einmal auszupacken und auszuprobieren. Denn nicht jedes Spiel ist für jede Familie und jedes Kind geeignet. Manche lieben Quiz- oder Wortspiele, andere Strategiespiele oder Spiele mit Aktivitäten. Eltern sollten daher immer ihre Kinder im Blick haben und auf Empfehlungen achten. Ich persönlich bin gegen reine Lernspiele, denn bei jedem Spiel lernt man etwas. Gut aufpassen sollten Eltern bei Lizenzspielen, die zu Kinofilmen oder Fernsehsendungen entwickelt werden, und sich fragen: „Ist das wirklich ein gutes Spiel oder zieht es nur wegen der geliebten Sendung?“ Wer Weihnachten ein Spiel verschenkt, sollte sich vorher schon mit der Anleitung beschäftigen, damit die Familie an den Feiertagen gleich losspielen kann.

Wie wichtig ist Spielen für die Familie?

Es ist total wichtig, dass Eltern sich die Zeit nehmen, mit ihren Kindern zusammen zu spielen. Kinder sind heute viel mit sich selbst beschäftigt, müssen Leistung bringen. Da ist die entspannte Begegnung miteinander im Spiel heute wesentlich höher einzuschätzen als früher. Und auch für Erwachsene ist Spielen gut: Es fördert Konzentration, Kreativität und taktisches Verhalten, bei Quizspielen lernt man etwas dazu.

Welches ist Ihr Lieblingsspiel?

Mein liebstes Spiel ist „Bohnanza“ von Amigo. Es ist das  beste Kartenspiel, das auf dem Markt ist. Schön ist, dass alle Spieler ständig involviert sind, da jeder permanent mit demjenigen verhandeln kann, der gerade am Zug ist. Das Spiel hat auch eine gute Spielanleitung, was auch sehr wichtig ist.

Interview: Astrid Fleute