Die Mitglieder der Vinzenzkonferenz im Osnabrücker Stadtteil Schinkel können Menschen in Notlagen mit einer Geldspende unterstützen. Besonders wichtig ist aber die gute Begleitung von Familien, die dauerhaft finanzielle Sorgen haben.
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Als Mitglieder der Vinzenzkonferenz in Osnabrück sind sie zur Verschwiegenheit verpflichtet: Michael Günther und Christel Dahl. Jede Geldzuwendung wird quittiert und dokumentiert. Foto: Andrea Kolhoff |
Manchmal kommt alles auf einmal. Wenn in einer Familie, die von Arbeitslosengeld II lebt, die Vermieterin eine hohe Nebenkostenabrechnung schickt, Kosten für eine medizinische Bandage für ein Kind anfallen und der Drittklässler sich ein Loch in die Hose fällt – dann stehen plötzlich Ausgaben an, die das Monatsbudget deutlich überschreiten. „Und die gibt es auch nicht durch das Bildungspaket“, sagt Christel Dahl, Mitglied der Vinzenzkonferenz des Pfarreienverbundes Heilig Kreuz, St. Maria Rosenkranz und St. Bonifatius in Osnabrück.
Dahl gehört zu der Gruppe von fünf Ehrenamtlichen, die sich in der Vinzenzkonferenz für Bedürftige engagieren. Die 70-Jährige ist seit 1990 dabei und begleitet mehrere Familien, einige von ihnen schon seit Jahren. So unterstützt sie unter anderem eine alleinstehende Mutter mit fünf Kindern, die während des Kosovokrieges nach Deutschland gekommen ist.
Sie hilft ihr beim Beantworten von Behördenpost oder geht mit zu Ämtern, wenn es nötig ist. Die fünf Kinder haben sich gut eingelebt, ein Sohn besucht den gymnasialen Zweig der Gesamtschule. Dass die finanziellen Bezüge von drei verschiedenen Stellen kommen – Jobcenter, Asylbewerberstelle, Ausländerbehörde –, macht das Leben kompliziert.
Das Beispiel der Kosovoflüchtlinge zeigt, dass nicht alle, denen durch die Vinzenzkonferenz geholfen wird, gleichzeitig Mitglied der Kirchengemeinde sind. Darauf komme es aber auch nicht an, sagt Michael Günther, Küster in Heilig Kreuz, der sich seit 2002 in der Vinzenzkonferenz engagiert. Die Hilfe könne allen Bedürftigen im Stadtteil zugutekommen.
Dabei gehe es immer darum, nach Behebung einer aktuellen Notlage dafür zu sorgen, dass die Menschen sich bald selbst helfen können, betont Günther. Bei Hausbesuchen unterstütze man die Betroffenen dabei, einen Überblick über ihre Finanzen zu bekommen, die Papiere zu ordnen und zu schauen, ob ihnen Leistungen zustehen. „Wir versuchen, den Leuten zu zeigen, welche Wege sie gehen können“, sagt Günther. In manchen Fällen helfe die Vinzenzkonferenz auch mit kleinen Beträgen aus, zum Beispiel bei den Kosten für Medikamente für chronisch Kranke.
Aufsuchende Sozialarbeit im Ehrenamt
Christel Dahl und Michael Günther verstehen ihren Einsatz als Begleitung der Familien. „Wir machen quasi aufsuchende Sozialarbeit“, sagt Günther. Die Mitglieder der Vinzenzkonferenz sind zur Verschwiegenheit verpflichtet und können sich nur untereinander über ihre Arbeit unterhalten. Alles bleibe in der Runde. Die drei Frauen und zwei Männer der Vinzenzkonferenz erhalten geistliche Begleitung durch Pater Busch, der an den monatlichen Treffen teilnimmt.
In der Konferenzrunde ebenfalls dabei ist zurzeit auch Maria Lückmann vom Caritasverband für Osnabrück Stadt und Land, die im Schinkel im Gemeindehaus Allgemeine Soziale Beratung anbietet und auch im Kindergarten Heilig Kreuz im Elterncafé als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Sie bringt den professionellen Blick mit ein.
Über ihr Wirken und die Beratungstätigkeit haben die Mitglieder der Vinzenzkonferenz und Maria Lückmann im Januar in den Gottesdiensten der Pfarreiengemeinschaft informiert. Jetzt wurden die über 30-jährigen Gemeindemitglieder angeschrieben und um eine Überweisung für die Arbeit der Vinzenzkonferenz gebeten. „Wir brauchen Spenden“, sagt Lückmann, „aber wir brauchen auch Leute, um die Menschen zu begleiten.“
Andrea Kolhoff
Zur Sache
Vinzenzkonferenzen haben ihren Ursprung in der Arbeit einer Bruderschaft, die Vinzenz von Paul gegründet hatte. Er wurde im Wirken für Arme und Kranke von Louise de Marillac unterstützt. Sie gründeten die Töchter der Nächstenliebe (Vinzentinerinnen) und waren bis 1660 tätig. Auch heute noch setzen sich in vielen Gemeinden Ehrenamtliche für Arme ein.
