Vom Umgang mit Trauer

Tränen im Krug versenken

Was einem Menschen vor seinem Tod nicht gesagt werden konnte – es darf aufgeschrieben und im „Krug der Tränen“ versenkt werden. In der Kirche St. Katharina Voltlage steht solch ein Krug bereit.

 

Maria Böwer, Christin Völker-Gerd und Margarete Pols (v.l.) in der Kirche in Voltlage: Zettel mit einem Tropfensymbol können von Kirchenbesuchern beschriftet und in den Krug der Tränen geworfen werden; in der Osternacht werden die Zettel verbrannt. Foto: Andrea Kolhoff

Der Tod beendet das Leben, nicht die Beziehung, die wir zu einem Menschen hatten. So lautet ein Satz, der gern zitiert wird. Auch wenn die nach langer Krankheit  verstorbene Ehefrau oder der plötzlich verunglückte Bruder nicht mehr mit ihren Angehörigen leben können – die Verbundenheit zu ihnen bleibt.
Darüber sprechen zu können, kann guttun. Das erfuhren die Besucher eines Abends, der unter dem Motto „Der Trauer Raum und Zeit geben“ für die Pfarreiengemeinschaft Merzen, Neuenkirchen und Voltlage stattfand. Vorbereitet wurde der Abend von Maria Böwer, Hospizbegleiterin, von Trauerbegleiterin Margarete Pols und von Christin Völker-Gerd, Gemeindereferentin in der Pfarreiengemeinschaft. Sie kamen mit den Besuchern über das Emmausevangelium und über biblische Psalmen zum Thema Trost und Trauer ins Gespräch.

Und es ging an diesem Abend auch darum, welche Verbindungen zwischen zwei Menschen bestehen und wie diese sich ausdrücken, zum Beispiel durch Zuhören oder Sich-anfassen-Können, und was diese Verbindungen stören kann: Streit, Schimpfen oder die Weigerung, aufeinander zuzugehen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer befassten sich mit dem Guten, das sie mit dem Verstorbenen verbunden hat, mit dem Verlust des Angehörigen und auch mit den Belastungen durch die unausgesprochenen Dinge: Fragen, die nicht mehr gestellt werden konnten oder einfach nicht geklärt wurden.

Solch unausgesprochene Themen, die sie belasten, konnten die Besucher des Trauerabends auf Zettel schreiben und in einen Krug der Tränen werfen. Das hätten viele als befreiend empfunden, erzählt Margarete Pols. Die Trauerbegleiterin aus Voltlage weiß auch aus eigener Erfahrung, dass es gut ist, der Trauer Raum und Zeit zu geben. So informierte Maria Böwer an dem Abend unter anderem über die Unterstützung durch Trauerbegleitung.

Die Besucher des Abends seien getröstet und gestärkt nach Hause gegangen, sagen Maria Böwer und Christin Völker-Gerd. Die Gemeindereferentinnen absolvieren derzeit eine Fortbildung für den Beerdigungsdienst durch Laien und wollen Tod und Trauer auch 2016 in verschiedenen Veranstaltungen thematisieren.

Der Krug der Tränen, der an dem Abend gefüllt wurde, steht noch bis Karfreitag in der Pfarrkirche St. Katharina in Voltlage, daneben liegen Zettel und Stifte aus. Besucher können einen Zettel ausfüllen mit ihren unausgesprochenen Gedanken und in den Krug werfen. Die Zettel werden dann im Osterfeuer verbrannt. Das sei ein schönes Symbol dafür, dass aus dem Dunkel Licht hervorgeht, sagt Christin Völker-Gerd. Trauer könne in Hoffnung verwandelt werden.

Andrea Kolhoff