14.04.2014

„Clown Max" bringt Spaß und Abwechslung ins Krankenzimmer

Und vergesst das Lachen nicht!

Kennen Sie das Osterlachen? An diesem Sonntag dürfen Sie gerne laut und herzhaft lachen – weil Jesus Christus auferstanden ist. Jemand, der sich mit dem Lachen gut auskennt, ist Marita Wevers-Kolbrink. Sie arbeitet als „Clown Max“ im Nordhorner Krankenhaus.

 

Ein Luftballon für Pim: Der Junge aus Bad Bentheim freut sich über den
Besuch von Klinik-Clown Max. Marita Wevers-Kolbrink hat für den
14-Jährigen einen Hund aus Luftballons modelliert. Foto: Petra Diek-
Münchow

Vorsichtig öffnet Marita Wevers-Kolbrink die Tür. „Darf ich reinkommen?“, fragt sie mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht. Sie darf – oder besser: Clown Max darf. Denn über  diesen Besuch freut sich Pim Christenhusz richtig. Der 14-jährige Bentheimer hat sich beim Spielen den Arm gebrochen und muss für einige Tage in der Nordhorner Euregio-Klinik liegen. Klar – das ist schon manchmal langweilig.

Aber mit dem Clown kommen Abwechslung und Spaß in sein Zimmer. Und das hilft bei der Genesung.  „Willst du einen Hund?“, fragt Marita Wevers-Kolbrink. Natürlich will Pim. Fix knotet sie aus einem Luftballon einen Pudel. „Cool“, sagt der Junge. Und grinst, als „Max“ sich mit dem üblichen Spruch verabschiedet: „... und vergesst mir bloß das Lachen nicht.“

Jeden Montag ist Wevers-Kolbrink als „Clown Max“ auf der Kinder- und Jugendstation im Einsatz. Natürlich im Kostüm: ein knallroter Kittel mit gelben Knöpfen, ein blauer Rüschenkragen, eine Schleife am Hut. Für das Gesicht reicht eine rote Nase, denn manchen Kindern macht das weiße Clownsgesicht Angst.
Und die Kinder sind „hier der Boss“, sagt die 57-Jährige. Nur wenn sie wollen, tritt der Clown ein. Und nur wenn sie wollen, macht Max ihre Scherze mit ihnen. Michaela und Franzi im Zimmer neben Pim schmunzeln zwar ein wenig verlegen, aber dann wollen sie auch. „Jeden Tag kriegt ihr Blut abgenommen?“, fragt Max und schüttelt sich. „Dann seid ihr ja bald leer.“ Die beiden Mädchen prusten laut los.

Sie ist glücklich, wenn die Kinder lachen

Wenn sie es schafft, die Kinder zum Lachen zu bringen, ist Marita Wevers-Kolbrink glücklich. Denn Clown zu sein – das ist für die Niederländerin aus Losser mehr als nur ein Beruf – das ist ihre Berufung. „Eigentlich wollte ich nie was anderes werden“, erzählt sie in einer Pause im Schwesternzimmer von ihrer Jugendzeit. Anfangs sind ihre Eltern von diesem Wunsch nicht begeistert. Deswegen probiert sie als junge Frau erst mal „alles Mögliche“ aus: bei der Justiz, im Krankenhaus, in der Bank. Um dann festzustellen: Das ist nix für mich.

Und so folgt sie allen finanziellen Unwägbarkeiten zum Trotz ihrem großen Traum. Sie wird Clown: beim Straßentheater in der Fußgängerzone, bei Auftritten im Supermarkt, bei kleinen und großen Festen, bei Kindergeburtstagen. Kann man einfach so Spaß machen? Oder muss man das lernen? „Nee, man kann es oder man kann es nicht“, antwortet die 57-Jährige. Und sagt dann mit einem Schmunzeln: „Ich war immer ein bisschen verrückt, das steckt wohl in mir drin.“

In ihr steckt auch das Theater, ihre zweite Leidenschaft. Dafür hat sie in Enschede studiert – führt Regie, bietet Kurse für Schauspieler an, schreibt selbst Stücke. Komödien? „Nicht nur, auch Dramen“, sagt sie. Die großen Gefühle aus einem Ensem-ble herauszukitzeln, das liebt sie bei dieser Arbeit. Aber ansonsten ist die Komik eher ihr Fachgebiet – auch bei Theaterprojekten in Schulen, bei Lesungen oder bei amüsanten Solo-Auftritten.

Und wie passen da die Krankenhäuser hinein? Irgendwann gefallen ihr die Auftritte als Clown bei Geburtstagen nicht mehr – „den Kindern dort ging es ja gut, die hatten doch alles“. Sie möchte ihr Talent lieber für Jungen und Mädchen einsetzen, die wirklich Spaß und Abwechslung brauchen. Weil sie krank sind, weil sie Angst und Heimweh haben, weil Mama und Papa nicht ständig da sein können. Jeder Arzt weiß, dass Lachen und gute Laune heilen. Deshalb wechselt Marita Wevers-Kolbrink vor 22 Jahren als „Clown Max“ ins Krankenhaus, hat seitdem in vielen deutschen und niederländischen Hospitälern gearbeitet. Seit einigen Jahren beschränkt sie sich auf Coesfeld und Nordhorn.

„Willst du mal gucken, was in meinem Rucksack ist?“

„Ein Kind – ein Clown“ ist ihre Devise. Wie bei Phil, ihrem nächsten Gast auf der Station. Der Dreijährige lacht laut, als er der Clown sieht. Bei einem Unfall hat er eine Gehirnerschütterung erlitten, die Mama sitzt an seinem Bett. „Willst du mal gucken, was in meinem Rucksack ist?“, fragt Max. Und packt aus, zuerst einen langen Stock. Der kichert, wenn man sich den Rücken damit kratzt – da muss auch Phil kichern. Genauso wie über „Oscar“, eine Waschbär-Handpuppe. Und dann bekommt auch Phil einen Luftballon in seiner Lieblingsfarbe Blau. „Was wird das?“,  fragt er und guckt fasziniert zu, wie der Clown daraus einen Hund knotet. Der kommt jetzt auf seinen Nachtisch – damit Phil das Lachen nicht verlernt und ganz schnell wieder gesund wird.

Petra Diek-Münchow

 

Osterlachen

Früher war das „Osterlachen“ in einigen Regionen weit verbreitet. Dabei handelt es sich um den Brauch, nach der langen Passionszeit seine Freude über die Auferstehung Christi in einem herzlichen Osterlachen auszudrücken. Die Priester erzählten dabei oft in der Osterpredigt eine Geschichte, die die Gemeinde zum Lachen brachte.