03.08.2017

Gesetzlicher Anspruch auf Erholung

Urlaub von der Pflege

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Unzählige pflegende Angehörige machen aber monate- oder jahrelang nicht einen Tag frei, um aufzutanken. Dabei haben auch sie einen gesetzlichen Anspruch auf Erholung.

Menschen, die ihre Angehörigen pflegen, sind oft rund um die Uhr im Einsatz. Doch auch sie brauchen Erholung. Viele nutzen es aber nicht. | Foto: picture alliance

Was leisten pflegende Angehörige täglich und wie wichtig ist es für sie, dass sie sich Auszeiten nehmen?

Pflegende Angehörige erledigen oft alles, was im Alltag anfällt. Hierzu gehören die regelmäßige Pflege, Betreuung und Versorgung des Kranken, aber auch Arztbesuche und die Freizeitgestaltung. Oft holen sie sich bei der Bewältigung dieser Aufgaben aber keine Hilfe – entweder weil sie es nicht wissen oder aber davor zurückscheuen, ihren Angehörigen in die Obhut anderer zu geben.
So haben viele pflegende Angehörige keine Zeit mehr, an sich selbst zu denken, sich mit Freunden zu treffen oder eine Auszeit für Sport, Urlaub und andere Freizeitaktivitäten zu nehmen. Sie leisten eine ungeheure Kraftanstrengung, die oft körperliche und psychische Folgen hat. Daher werden nach dem neuen Gesetz Unterstützungen für pflegende Angehörige angeboten.

Welchen Anspruch auf Urlaub und eine Ersatzpflege haben denn pflegende Angehörige?

Es gibt zwei Wege, Urlaub von der Pflege zu machen: Zuhause können entweder professionelle Pflegedienste oder Verwandte die Pflege übernehmen. Das geht aber nur, wenn die Hauptpflegekraft bereits seit sechs Monaten den Pflegebedürftigen betreut hat. Unter bestimmten Voraussetzungen zahlen die Pflegekassen dann im Rahmen der sogenannten Verhinderungspflege (Ersatzpflege).
Eine zweite Möglichkeit ist es, den Pflegebedürftigen in dieser Zeit in der Kurzzeitpflege unterzubringen. Dann wird er  in einem Pflegeheim versorgt.
Bei beiden Varianten stehen dem Pflegenden je 28 Tage Auszeit im Kalenderjahr zu. Das muss aber nicht am Stück genommen, sondern kann auf mehrere Kurzurlaube aufgeteilt werden. Da es verschiedene Möglichkeiten gibt, was die Pflegekasse zahlt, und die Kombinationsmöglichkeiten von Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sehr flexibel sind, sollte man sich auf jeden Fall beraten lassen.

Ist es auch möglich, gemeinsam Urlaub zu machen und dabei Unterstützung zu erhalten?

Ja, auch das ist möglich, zum Beispiel in einem sogenannten Pflegehotel. Unter Umständen ist hier ein Kostenzuschuss der Pflegekassen über die Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege möglich. Ein Eigenanteil für die Hotelkosten (Verpflegung, Unterkunft, Veranstaltungsangebote) bleibt aber. Auch die Verhinderungspflege kann in einem Pflegehotel angetreten werden und das auch in Begleitung des Pflegepartners. Interessant kann der Aufenthalt im Pflegehotel für Menschen nach einem längeren Krankenhausaufenthalt sein, zur medizinischen Nachsorge und um wieder zu Kräften zukommen.

Nutzen pflegende Angehörige diese Angebote?

Viel zu wenige pflegende Angehörige nutzen die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege oder Pflegekurse und Entlastungsleistungen. Das hat vielfältige Ursachen. Entweder ist es fehlende Kenntnis vom Angebot, Überforderung bei der Organisation oder fehlende Zeit, sich mit den Angeboten zu beschäftigen. Oft ist aber auch der Mangel an Angeboten selbst der Grund. So sind Kurzzeitpflegeplätze zum Beispiel nicht überall ausreichend verfügbar. Es ist jedoch eine Grundvoraussetzung, dass die zu pflegende Person gut versorgt ist. Erst dann kann der Angehörige die Unterstützungsangebote wie zum Beispiel Pflegekurse oder Urlaub, beruhigt in Anspruch nehmen.

Können auch Verwandte einspringen?

Ja, auch Verwandte können bei der Verhinderungspflege einspringen. In dem Fall wird das Pflegegeld weitergezahlt, Ersatzpfleger können bestimmte Kosten bei der Pflegekasse geltend machen.

Wie ist das bei Berufstätigen?

Arbeitnehmer, die einen nahen Angehörigen pflegen, haben verschiedene Möglichkeiten, sich einen Freiraum zu organisieren. Einen Antrag auf Freistellung kann der Angehörige zum Beispiel stellen, wenn er bis zu zehn Tage eine Freistellung von der Arbeit benötigt. Bei dieser kurzzeitigen Verhinderung steht ihnen das sogenannte Pflegeunterstützungsgeld zu. Außerdem gibt es noch die sogenannte Pflegezeit oder die Familienpflegezeit. Um Verdienstausfälle abzufedern, gibt es unter bestimmten Bedingungen auch Anspruch auf ein zinsloses, staatliches Darlehen.

Wo gibt es Beratung und Hilfe?

Beratung gibt es bei den Pflegeberatungsstellen und Pflegestützpunkten. Sie wurden eingerichtet, um über die Ansprüche zu beraten, bei der Auswahl der Leistungen zu helfen und Pflegebedürftige und pflegende Angehörigen zu begleiten. Hier wird auch Unterstützung bei der Antragstellung angeboten.

Interview: Astrid Fleute