20.07.2017

Studenten gestalten Urlauberseelsorge

Vom Hörsaal auf die Nordseeinsel

Im Sommer machen viele Menschen Ferien auf Baltrum. In den nächsten Wochen werden sie rund um die katholische Kirche dabei einige neue Gesichter sehen: Studenten gestalten dort die Urlauberseelsorge mit.

Die St.-Nikolaus-Kirche auf Baltrum: Hier finden viele Angebote der Urlauberseelsorge statt. | Foto: privat

Sie studieren Theologie, soziale Arbeit und Religionspädagogik – in Münster, Osnabrück oder Bamberg. Aber zwischen Ende Juli und Ende September wollen elf Männer und Frauen ihre Hörsäle verlassen und in der Praxis lernen. In drei „Inselteams“ aufgeteilt, werden sie zu dritt oder viert im Küsterhaus auf Baltrum zusammenleben und arbeiten. Und dabei in Kooperation mit dem jeweiligen Gastpriester Veranstaltungen vor allem für die Urlauber planen, entwickeln und selbst durchführen. „Sie werden für einige Zeit das Gesicht der Kirche auf Baltrum sein“, sagt Carolin Hanke.

Die Theologin arbeitet seit drei Jahren als Urlauberseelsorgerin im Bistum und hat das Studenten-Projekt „InselZeit“ gemeinsam mit ihrer Kollegin Natalia Löster erdacht und organisiert. Sie leitet das Büro der „Seelsorge am Meer“ mit Sitz im ostfriesischen Norden. Bei ihren Einsätzen hat sie oft erlebt, wie aufgeschlossen die Menschen in ihren Ferien für spirituelle Angebote sind. Wenn Kopf und Kalender frei bleiben, gibt es mehr Raum für anderes: die Andacht in der Inselkirche, die Meditation im Altarraum, das Gespräch im Pfarrheim über Gott oder die Suche nach ihm.

„Die Kirchen sind echte Highlights“

„Die Kirchen auf unseren Inseln sind dafür echte Highlights“, sagt Carolin Hanke. Aber nach ihren Beobachtungen zählt nicht nur das Gebäude, sondern mehr noch die persönliche Präsenz. Von Männern und Frauen, die erreichbar, ansprechbar, eben einfach da sind. Wie wichtig und wertvoll das ist, sollen die jungen Studierenden bei ihren Einsätzen auf Baltrum erfahren.

Carolin Hanke versteht das Projekt daher auch als Nachwuchsförderung. Denn langfristig fehlen nicht nur Priester, sondern auch Bewerber für andere kirchliche Berufe. Sie möchte junge Leute für pastorale Aufgaben begeistern – nicht nur, aber eben auch in der Urlauberseelsorge. Die Theologin ist überzeugt davon, dass Menschen gerne bereit sind, in der Kirche zu arbeiten, wenn sie vorher positive und gut begleitete Praxiserfahrungen gemacht haben. Und das Bistum Osnabrück macht ihrer Ansicht nach mit dem „Aushängeschild Küste“ beste Werbung für sich.

Damit die „Inselteams“ am Ende wirklich gute Erfahrungen mitnehmen können, hat Hanke das Projekt monatelang sorgsam vorbereitet. Hatte Kontakt mit Universitäten, Fachhochschulen und Ausbildungsleitern, mit Kollegen beim Bistum und der Pfarreiengemeinschaft, mit Gastpriestern und allen Menschen, die sich auf Baltrum für die Kirche engagieren. Sie selbst wird den Studenten und Studentinnen bei ihrer „InselZeit“ in engem Austausch zur Seite stehen.

Kurz bevor die erste Gruppe am 31. Juli nach Baltrum übersetzt, steht noch viel Detailplanung für die Veranstaltungen an. Was für Angebote haben sich die Teams für die Insulaner und die Gäste ausgedacht? „Eine ganze Menge“, sagt Carolin Hanke und berichtet mit sichtlicher Freude vom Ideenreichtum und der Kreativität der jungen Leute. Das kann ein spiritueller Strandspaziergang oder eine Andacht am Wasser, das kann ein Pilgermarsch durch die Dünen oder eine Orgelführung, das kann ein Psalmgebet in der Morgendämmerung oder ein Brief an Gott sein – ausgesandt mit der Flaschenpost im Abendlicht. „Sie können da einfach auch viel ausprobieren.“

Geld bekommen die Studenten für ihren Einsatz übrigens nicht. Sie arbeiten ehrenamtlich, müssen aber für Anfahrt und Unterkunft nichts bezahlen. „Und sie bekommen einen unvergesslichen Sommer in unserer einzigartigen Inselatmosphäre.“

Petra Diek-Münchow

www.seelsorge-am-meer.de