Am „Equal Pay Day" fordern auch kfd-Frauen gleichen Lohn für gleiche Arbeit

Vom Keks fehlt eine große Ecke

Frauen verdienen im Durchschnitt 22 Prozent weniger als Männer – darauf machte ein Aktionsbündnis in der Meppener Einkaufspassage am sogenannten „Equal Pay Day“ (EPD) aufmerksam. Dieser Tag markiert den Stichtag, bis zu dem eine Frau länger arbeiten muss, um den gleichen Lohn wie ein Mann zu bekommen.

 

Meppen sah Rot: Viele Frauen kamen, um auf den „Equal Pay Day“ aufmerksam zu machen. Auch Generalvikar Theo Paul (Bildmitte) hörte aufmerksam zu. Fotos: Ann-Christin Fischer

In diesem Jahr fiel der „Equal Pay Day“ auf den 19. März. Marlies Kohne, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Emsland, organisierte einen Aktionstag unter dem Motto „Lass dich nicht abspeisen – gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Daran beteiligten sich die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises, Vertreterinnen der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) sowie die Landfrauenverbände.

Rund 100 Frauen folgten dem Aufruf, die Lohnlücke nicht einfach so hinzunehmen. Vor allem die kfd zeigte Frauenpower: Fast an jedem Tisch saß ein Mitglied und verfolgte das Programm. Alle hatten etwas Rotes an, ein Kleidungsstück oder ein Accessoire. Es sollte den Zusammenhalt deutlich machen.

„Ich werde dafür bestraft, dass ich Kinder bekommen habe, in dieser Zeit nicht gearbeitet habe und mich nicht absichern konnte“, sagt Gaby Többen, Vorsitzende der kfd St. Paulus in Meppen. Sie berichtete von der Männerwelt, die den Zustand oft verharmlose: „Viele sagen, dass es doch Gewerkschaften gebe, aber das ist nicht die Regel. Vor allem in Pflegeberufen muss etwas passieren.“ Die Meppenerin ist jetzt im Ruhestand und setzt sich für Frauen ein. „Man muss es einfach ansprechen“, betont sie. Aus den Reihen der Frauen tönte es einstimmig: „Wir fühlen uns ungerecht behandelt. Wir wollen eine Veränderung. Wir wollen nicht mehr benachteiligt werden.“
 

Gerlinde Lankers-Rosenau, Diana Haselhoff-Gruber, Gabriele Gress-
kamp, Heike Veen und Walburga Nürenberg beim „Equal Pay Day".

Das rote Kleidungsstück war nicht die einzige Gemeinsamkeit der kfd-Frauen: Alle aßen einen Keks, bei dem eine große Ecke fehlte. Diese Geste unterstrich ohne Worte die Beispiele des Bruttoverdienstes, die genannt wurden: Eine Großhandelskauffrau verdient etwa 2200 Euro brutto, Männer 500 Euro mehr. Noch deutlicher wird der Unterschied bei den Bankkauffrauen, sie verdienen durchschnittlich 2900 Euro, die männlichen Angestellten knapp 3700 Euro. „Das muss sich ändern“, betont Marlies Kohne.

Zum „Equal Pay Day“ kamen auch Mitglieder des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und des Elterntreffs Kinder mit Downsyndrom. Gemeinsam mit der Frühförderung des St.-Vitus-Werks informierten sie die Besucher über das Downsyndrom und beantworteten viele Fragen zur Schwangerschaft und dem Leben danach. Heike Veen, in der Schwangerschaftsberatung des SkF tätig, erzählt: „Wir möchten zeigen, dass wir da sind und den Leuten Mut machen. Kinder sind immer ein Geschenk, und wir möchten das Bestmögliche für jedes Kind.“

Ann-Christin Fischer

 

 

 

Zur Sache

Gleiche Bezahlung (Equal Pay) für Männer und Frauen – das ist die Botschaft des Protesttags „Equal Pay Day“ (EPD). Frauen bekommen in Deutschland im Durchschnitt 22 Prozent weniger Lohn oder Gehalt als Männer. Im Vergleich der EU-Länder ist die Bundesrepublik damit eines der Schlusslichter. Verglichen werden Bruttostundenlöhne.

Zu den Ursachen dieser großen Gehaltslücke zählen: dass Frauen sehr viel häufiger als Männer in schlecht bezahlten Dienstleistungsberufen arbeiten, dass sie oft in Teilzeit arbeiten, die auch im Stundenlohn schlechter bewertet ist als Vollzeit, oder im Minijob. Und dass sie bei Gehaltsverhandlungen weniger nachhaltig sind als Männer. Legt man eine gleichwertige Tätigkeit unter gleichwertigen Bedingungen als Vergleichsmaßstab zugrunde, erhalten sie immer noch sieben Prozent weniger Lohn oder Gehalt als Männer.

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