05.10.2017

Kontakt zu ausländischen Studenten

Vom Tandem zur Freundschaft

Auf Vermittlung der Caritas können in Osnabrück Einheimische zu ausländischen Studenten Kontakt aufnehmen. Im Fall von Elisabeth Pohlmann haben beide Seiten etwas davon.

Deutsch-koreanische Freundschaft an der Kaffeetafel: (v. l.) Seungman Seo, Kyounghwa Na und Elisabeth Pohlmann. Foto: cpo/Franziska Kückmann

Für ihre koreanischen Gäste hat Elisabeth Pohlmann das gute Geschirr rausgeholt und die Kaffeetafel gedeckt. Gebäck steht bereit, und dann klingelt es auch schon an der Tür. „Hereinspaziert“, sagt die Osnabrückerin. Dankend nimmt sie das Geschenk entgegen, das ihre Besucher – das Ehepaar Kyounghwa Na und Seungman Seo samt kleiner Tochter – mitgebracht haben. „In Südkorea ist es üblich, dass die Gäste etwas mitbringen“, sagt Elisabeth Pohlmann. 

Kennengelernt hat die 68-Jährige das Ehepaar aus Seoul vor knapp drei Jahren über das Programm „friend family“ von Caritas, Universität und Hochschule. Es bringt internationale Studenten mit Osnabrückern zusammen, die interessiert am persönlichen und kulturellen Austausch sind. In diesem Jahr geht „friend family“ in die fünfte Runde. Seit Herbst 2013 sind beinahe 100 Tandems entstanden. Auch jetzt sind wieder Anmeldungen möglich.

Dass sich Elisabeth Pohlmanns Tandempartner gleich als ganze Familie entpuppte, hat die pensionierte Lehrerin zunächst überrascht – und dann sehr gefreut. „Das Miteinander ist eine große Bereicherung“, sagt sie. „Wir sind inzwischen nicht mehr nur ein ,friend-family-Tandem‘, sondern Freunde.“ Sie genießt die Gespräche, in denen sie Gemeinsamkeiten und kulturelle Besonderheiten entdecken oder sich einfach nur über Alltägliches austauschen.

„Es ist immer so schön, wenn wir uns sehen“

Seungman Seo studiert an der Hochschule Industriedesign, seine Frau Kyounghwa Na an der Universität Informatik. Für die beiden war der Kontakt zu Elisabeth Pohlmann von Anfang an wichtig, um in Osnabrück anzukommen. „Es ist immer so schön, wenn wir uns sehen“, sagt die 34-Jährige. Sie unternehmen gerne etwas miteinander, machen Ausflüge, besuchen sich, gehen gemeinsam auf den Wochenmarkt. „Wir haben keinen festen Zeitplan, wann wir uns treffen“, sagt Elisabeth Pohlmann. Manchmal seien die Pausen größer. „Aber es gerät nie in Vergessenheit.“ 

So haben die Koreaner beispielsweise schon Weihnachten und Ostern bei ihr verbracht. Und sie haben koreanisch und deutsch gekocht. „Ich habe Rouladen gemacht“, erinnert sich die Osnabrückerin schmunzelnd. „Typischer für die deutsche Küche geht es ja kaum.“ Und: „Ich werde immer eingeladen, wenn die Designstudenten an der Hochschule ihre Arbeiten ausstellen – und wenn es im Kindergarten ein Kaffeetrinken für Eltern und Großeltern gibt. Wir gehen dann zusammen hin.“

Sicher ist: Sie werden sich bald wieder treffen

Wer sich bei „friend family“ anmeldet, muss nicht gleich mit einer Familie als Tandempartner rechnen. Auch viele einzelne Studenten suchen den Kontakt. Dennoch sind Familien willkommen – auf internationaler wie auf deutscher Seite. „Wir schauen uns die Bewerbungen genau an und versuchen dann geeignete Tandems zu bilden“, erläutert Mareike Wübbel, die das Programm für die Caritas organisiert. 

Für Elisabeth Pohlmann hat das vor drei Jahren geklappt. Sie schenkt noch einmal Kaffee nach und schiebt ihren koreanischen Gästen den Gebäckteller zu. Was sie als Nächstes unternehmen? Das wissen die drei noch nicht so genau. Sicher ist nur: Sie werden sich bald wieder treffen.

Weitere Informationen und Anmeldung:
für Einheimische: www.caritas-os.de/ff-familien
für Studenten: www.caritas-os.de/ff-students