21.12.2017

Vorbereitung auf Weihnachten

Wann besinnt sich ein Küster?

Advent soll eine besinnliche Zeit sein, die vor allem von der Ruhe geprägt ist. Meist wird es aber doch hektisch. Das gilt auch für die Osnabrücker Domküster. Was prägt ihren Advent? Und worauf freuen sie sich zu Weihnachten?

Ansgar Stuckenberg (l.) und Rolf Beßmann tragen die 15 Kilogramm schweren Schreine in den Dom.
Museumsmitarbeiterin Friederike Dorner sieht zu. Foto: Thomas Osterfeld

Rolf Beßmann hat die weißen Handschuhe übergestreift. Die Arbeit heute ist auch für einen, der schon über 40 Jahre Domküster ist, nicht alltäglich. Es geht darum, mehrere 15 Kilogramm schwere Heiligenschreine aus dem Domschatz zu holen, damit sie zu Weihnachten im Hochaltar der Domkirche Platz finden. „Vorsicht“, raunt er dem zweiten Küster zu. Ansgar Stuckenberg weiß Bescheid, die Fracht ist von unschätzbarem Wert. Unter den wachsamen Augen von Friederike-Andrea Dorner, einer Mitarbeiterin des Museums, wird der Schrein transportiert und über eine spezielle Leiter in etwa drei Metern Höhe im Flügelaltar platziert.

Der Advent läuft für die Küster im Osnabrücker Dom nach einem festen Schema ab, viele Dinge sind immer gleich: Der Adventskranz muss mit der Seilwinde hochgezogen werden, das geschieht inzwischen auf Knopfdruck. Das Pontifikalamt für das Hochfest am 8. Dezember ist vorzubereiten. Mehrere vier Meter hohe Tannenbäume werden aufgestellt, 600 Kerzen für eine Roratemesse kurz vor Weihnachten installiert, der Dom ist an diesem Abend stets voll. Überhaupt Kerzen: Tausende Teelichte entzünden Gläubige im Laufe der Wochen am Marienaltar und an der Krippe, täglich muss für Nachschub gesorgt werden. „Am Wochenende sind das rund 3000 Stück“, sagt Beßmann.

Schon Anfang Dezember fangen die beiden Küster damit an, das Podest für die Krippe aufzubauen, Mitte Dezember geht es dann mit der Landschaft und den Figuren los, das Christkind legen sie aber erst an Heiligabend in die Futterkrippe. Nebenher diskutieren sie mit Besuchern, die vom Weihnachtsmarkt vor dem Dom hereinschauen – und etwas zu Essen dabei haben. Höflich aber bestimmt – meist mit einem Witz – setzt Rolf Beßmann eine Grenze. Klappt meistens ganz gut, nur selten kommt die Frage auf, wofür man denn Kirchensteuern zahle …

Rolf Beßmann kann die Technik im Dom mittels eines Computers steuern. Foto: Matthias Petersen

Amüsiert zeigt sich der Domküster, wenn Besucher steif und fest behaupten, früher sei die Krippe schon viel eher aufgebaut worden. Rolf Beßmann weiß es genau, schließlich ist seit Sommer 1976 im Dienst. 2019 werden die Krippenfiguren 100 Jahre alt – „über 40 Jahre davon habe ich sie mit aufgestellt“, sagt er. Ende 2018 geht er in den Ruhestand. Noch weiß er nicht genau, wie diese letzten Tage aussehen werden, aber eine Idee hat er schon: „Am 31. Dezember wenige Sekunden vor Mitternacht das festliche Geläut anstellen und dann einfach gehen“, sagt er und schmunzelt dabei.

Für viele Menschen ist die Hektik am Weihnachtsabend vorbei, für die Domküster ist aber auch der 24. Dezember ein gut gefüllter Arbeitstag. Nach dem Krippenspiel am Nachmittag schließen sie dann den Dom ab, was nicht alle Besucher verstehen. Doch auch Rolf Beßmann und Ansgar Stuckenberg wollen gerne Zeit für ihre Familien haben – und müssen schließlich um 21 Uhr wieder in der Sakristei sein. Die Christmette, die um 22.30 Uhr beginnt, ist stets „brechend voll“, für Beßmann aber auch ein Highlight. „Das macht einfach Spaß“, sagt er, „und wird mir vielleicht einmal fehlen.“ Auch wenn der Arbeitstag erst mitten in der Nacht gegen 1 Uhr endet – und am nächsten Morgen um 8 Uhr schon wieder eine Messe gefeiert wird.

Matthias Petersen

Informationen zum Osnabrücker Dom gibt es hier