Bremer Kinder- und Jugendkantorei fährt zum Katholikentag

Warum das Schaf gewinnt

Sie kommen nach beschwerlicher Reise im neuen Land an, aber ihr Weg endet noch nicht. Das erleben zurzeit viele Flüchtlinge. In ihrem Stück „Das Schaf gewinnt“ verbindet die Bremer Kinder- und Jugendkantorei den Kreuzweg Jesu und die Leidenswege von Menschen. Damit will sie auf dem Katholikentag in Leipzig überzeugen.

 

Bei einer Aufführung des Stückes „Das Schaf gewinnt“ singen die Kinder und Jugendlichen an unterschiedlichen Orten in der Kirche. Foto: Maria Luft

„Kannst du uns einen Ton geben?“ Chorleiterin Ilka Hoppe spielt am Flügel. Sie steht auf, gestikuliert. Macht Handzeichen, um die Kinder an den Text zu erinnern. Gibt Einsätze für den Kanon. Konzentriert – und gut gelaunt. „Dass man den Text verständlich spricht und dann auch noch singt“, wäre gut, sagt sie fröhlich, aber bestimmt. Beim zweiten Mal klingt es viel klarer und lauter. Die Kinder haben Spaß bei der Chorprobe, wollen ihre Sache aber auch gut machen. Ilka Hoppe erklärt, worauf sie beim Kanon achten müssen. Es funktioniert. Und die Chorleiterin ist begeistert: „Ehrlich gesagt, klingt das jetzt richtig toll!“

Die Bremer Kinder- und Jugendkantorei ist ein von Eltern gegründeter Verein. Seit 2008 singen dort Kinder und Jugendliche aus ganz Bremen mit. Sie gestalten Gottesdienste, geben Konzerte und spielen Theater. Eltern kümmern sich um Kostüme, eine Friseurin unter ihnen um die Maske. Zu den Proben kommen die Kinder oft direkt aus der Schule. Hannelore Mis ist pensionierte Lehrerin. Sie hilft ihnen bei den Hausaufgaben, bevor der Chor beginnt. Aber „der Chor ist mehr als ein Chor“, sagt Maria Luft, Mutter und Schriftführerin im Verein. Für die Kinder und Jugendlichen ist Hannelore Mis zum Beispiel auch Ansprechpartnerin für Probleme. Die Sänger fühlen sich im Chor zu Hause.

Die Theaterstücke erarbeiten sie selbst. In „Kein schöner Land“ etwa verbinden sie Material von Berthold Brecht mit Musik und nehmen Bezug auf das Thema Flüchtlinge. Auch das Stück „Das Schaf gewinnt“ beschäftigt sich damit. Im Juni vergangenen Jahres hatte es Premiere.

Spenden nötig für die Fahrt nach Leipzig
 

Chorleiterin Ilka Hoppe, hier bei einer vorweihnacht-
lichen Probe. Foto: Katharina Westphal

Nun soll es noch einmal beim 100. Katholikentag in Leipzig aufgeführt werden. „Seht, da ist der Mensch“ lautet das Motto des großen Christentreffens. Und das greift die Kantorei mit ihrem Stück auf: Sie stellt den „Menschen Flüchtling“ in den Mittelpunkt, verbindet den Kreuzweg Jesu mit Leidenswegen von Menschen. Um gemeinsam mit dem Bremer Kaffeehausorchester – hier besteht eine langjährige Zusammenarbeit – nach Leipzig fahren zu können, müssen derzeit noch Spenden gesammelt werden.

Theaterproben sind manchmal chaotisch. Jemand vergisst seinen Einsatz. Das Mikrofonkabel bleibt hängen. Der Text sitzt noch nicht richtig. So sieht auch die Probe der Kinder- und Jugendkantorei aus. Aber „die Proben sind immer lustig“, sagt Paul, zwölf Jahre alt. Er singt seit zwei Jahren im Jugendchor. Von der Idee zum Stück „Das Schaf gewinnt“ bis zur Aufführung waren es ungefähr eineinhalb Jahre.

„Das Schaf gewinnt“ ist eine Sammlung von Geschichten über Flucht, Angst und Hoffnung. Den Ausgangspunkt bildet der Kreuzweg. In einer Unterhaltung sei die Frage aufgekommen, „wie man den Kreuzweg Kindern nahebringen kann“, erinnert sich Ilka Hoppe. Der Kreuzweg steht für Leid und Tod. Er weist aber auch nach vorn. Die Hoffnung siegt über die Ohnmacht. Jeder Mensch kann einen Kreuzweg, einen Leidensweg gehen. Greifbar wird das beim Thema Flüchtlinge. Sie kommen im neuen Land an, aber auch hier endet der Weg nicht. Wichtig sei, nicht zu resignieren, sondern weiterzugehen. Der Kreuzweg stehe für Gottvertrauen, erklärt Hoppe.

Flüchtlingsgeschichten und Kreuzwegstationen

„Das Schaf gewinnt“ bringt Leidenswege der Flüchtlinge mit dem Kreuzweg Jesu zusammen. Es beinhaltet einzelne Kreuzwegstationen. Reale Geschichten von Flüchtlingen werden ergänzt. Die Jugendlichen wirkten an der Erarbeitung mit. Sie stellten die Texte zusammen, die aus dem Internet stammen oder aus persönlichen Berichten. Der musikalische Teil besteht aus Orgelstücken von Marcel Dupré, Motiven des „Agnus dei“ und dem Choral „Korn, das in die Erde“. Bis alles zusammenpasste, „hat es ein bisschen gedauert“, sagt Hoppe. Während der Proben musste einiges geändert werden. Immer waren die Sänger unmittelbar daran beteiligt.

Die Figur des Schafs taucht in Jesu Leben immer wieder auf. An der Krippe, in der Passionsgeschichte als Lamm Gottes bis zur Auferstehung. Das Schaf gewinnt an Macht. Im Stück begleitet es durch die einzelnen Geschichten. „Es ist eine Collage aus Texten und Musik. Dadurch werden einzelne Bilder zu einer Erzählung zusammengefügt. „Musik ist ja manchmal die einzige Antwort, die man finden kann“, erklärt Ilka Hoppe.

Katharina Westphal

 

Vom 25. bis 29.Mai findet in Leipzig der 100. Deutsche Katholikentag statt – unter dem Motto „Seht, da ist der Mensch“. „Das Schaf gewinnt“ ist für den Aggiornamento-Preis nominiert, der dort verliehen wird. Um diesen Preis kann man sich nicht selbst bewerben. Ausgezeichnet werden Projekte zu gesellschaftspolitischen Themen oder solche, die sich mit dem Katholikentagsmotto beschäftigen.
www.katholikentag.de
www.bremerjugendkantorei.de