Vegane und vegetarische Ernährung bei Kindern und Jugendlichen

Was isst die Zukunft?

Nicht nur in der Fastenzeit nehmen sich immer mehr Kinder und Jugendliche vor, auf Fleisch und sonstige tierische Produkte zu verzichten. Eltern sollten sich aber gut informieren, wenn Kinder ihre Ernährung umstellen wollen.

 

Für eine vegane Lebensweise setzt sich auch Jamie-Lee Kriewitz ein.
Die 17-jährige Schülerin ist die diesjährige deutsche ESC-Teilnehmerin.
Für die Tierrechtsorganisation PETA macht sie Werbung. Foto: PETA

Bunt, schrill und verspielt kommt sie daher: Jamie-Lee Kriewitz, aktuelle Gewinnerin des Song-Wettbewerbs „The Voice of Germany“. Mit ihrem Titel „Ghost“ gewann die quirlige 17-Jährige jetzt auch den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) und wird Deutschland im Finale in Stockholm vertreten. Mit ihren Liedern und Auftritten zeigt die Schülerin aus Niedersachsen nicht nur, dass sie stimmgewaltig singen kann, sondern sie vertritt auch eine weitere Botschaft: „Vegan life is the best life“ verkündet sie auf Plakaten der Tierrechtsorganisation PETA. Seit fast drei Jahren ernährt sich Jamie-Lee rein pflanzlich, auch ihre Kleidung enthält keine tierischen Produkte. Beim ESC-Vorentscheid trat sie mit einem veganen Manga-Dress  auf.

Jamie-Lee Kriewitz steht für eine kritische junge Generation, einen Trend: In Deutschland ernähren sich mittlerweile fast acht Millionen Menschen vegetarisch und rund 900 000 Menschen vegan. Täglich kommen neue hinzu. Noch vor einigen Jahren waren pflanzliche Alternativen ausschließlich in ausgewählten Bioläden zu finden, heute gehören sie in jedem Supermarkt zum Sortiment dazu. Dabei geht es gerade bei Jugendlichen nicht immer nur darum, ob diese Ernährungsweise gesund ist, sondern in erster Linie um die fatalen Folgen des hohen Fleischkonsums für Tiere, Menschen und Umwelt. Eltern sollten daher gut aufpassen, wenn ihre Kinder ihre Ernährung dauerhaft umstellen möchten, denn gerade bei Veganern kann es zu Mangelerscheinungen kommen. So rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) auf ihrer Internetseite zum Beispiel öffentlich von einer veganen Ernährung zumindest für Kinder ab: „Je mehr die Lebensmittelauswahl eingeschränkt wird und je weniger abwechslungsreich die Ernährung ist, desto größer ist die Gefahr eines Nährstoffmangels“, ist da zu lesen.

Köche müssen auf immer mehr Besonderheiten Rücksicht nehmen

Auch Mathilde Kersting vom Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung sieht eine rein pflanzliche Ernährung für Kinder kritisch und rät zu mäßigem Konsum von Fisch, Milch und Fleisch: „Darin ist eine Reihe wichtiger Nährstoffe enthalten, etwa Vitamin B12, Vitamin D, Jod, Eisen und Zink.“ Gerade Kleinkinder, aber auch menstruierende Mädchen, bräuchten eisenreiche Lebensmittel. Kinder benötigten viel Eiweiß und Vitamin B12. „Eine vegane Ernährung kann diese Versorgung nicht garantieren“, so die Ernährungswissenschaftlerin. Oft seien eine ganze Reihe Zusatzpräparate nötig, um gesund zu bleiben. Eltern sollten sich auf jeden Fall beim Kinderarzt oder einer Ernährungsberatung gut informieren: „Meist werden Defizite erst erkannt, wenn Kinder mit Auffälligkeiten in die Klinik kommen.“

Dass das Essverhalten generell individueller und spezieller wird, merken auch die Betreiber von Schulmensen und  Küchen in Kindertagesstätten. Allergien und Unverträglichkeiten, religiöse Speisevorschriften, fleischlose und rein pflanzliche Kost – die Köche müssen auf immer mehr Besonderheiten Rücksicht nehmen. Anette Liebner von der Verbraucherzentrale Niedersachsen ist als Fachberaterin für Ernährung in den Einrichtungen unterwegs und sieht hier klare Grenzen. „Viele Caterer haben heute auch ein vegetarisches Gericht im Angebot. Wenn sie auf noch mehr Vorlieben Rücksicht nehmen sollten, würde das sicher zu Lasten der Qualität gehen.“

Sowohl hier als auch in Familien sieht sie die Gefahr, dass aus Zeitgründen schnell zu industriell hochverarbeiteter Fertigkost gegriffen wird, die derzeit den Markt überschwemmt. „Sie sind zu fettig und enthalten künstliche Zusatzstoffe“, sagt sie. Hier sei in vielen Familien ein Umdenken nötig. Liebner rät Eltern, ihre Kinder mit ihren Fragen und Anliegen ernst zu nehmen und sich mit ihnen auf einen Weg zu einer gesunden Ernährung zu machen. Denn dass ein zu hoher Konsum von Fleisch und tierischen Fetten ungesund ist, das ist unbestritten. Hinfällig wird der Gesundheitseffekt allerdings, wenn sich Vegetarier zu sogenannten „Pudding-Vegetariern“ entwickeln. Pfannkuchen mit Marmelade, Pizza und Pudding sind zwar fleischfrei, aber auf Dauer nicht gesund. In diese Kategorie fallen häufig Kinder und Teenager, die zwar beschlossen haben, keine Tiere mehr zu essen, aber deshalb noch lange keinen Salat oder Hülsenfrüchte mögen.Gerade bei Kindern sollte daher eine alternative Ernährung gut geplant und begleitet werden.

Astrid Fleute

 

 

Gemeinsam gesund zu kochen, macht Spaß. Foto: fotolia

Wenn Kinder Ernährungsgewohnheiten infrage stellen, kann das ein Gewinn für die ganze Familie sein. Vier Tipps, wie Eltern und Schulen damit umgehen können:

Ernährung umstellen:
Grundsätzlich sollten Eltern und Lehrer Kinder ernst nehmen, nachfragen und sich mit ihnen über eine gesunde und sinnvolle Ernährung informieren. Oft steht die Sorge um das Tierwohl im Vordergrund, wenn Kinder plötzlich kein Fleisch oder keine tierischen Produkte mehr essen möchten. Die ganze Familie kann ihren Fleischkonsum überprüfen und reduzieren. Es gibt tolle vegetarische und vegane Rezepte, die man gemeinsam ausprobieren und in den Essensplan einbauen kann.

Klima umfassend schützen:
Neben dem Tierwohl ist auch der Klimaschutz ein Anliegen der Kinder. Doch nicht nur die Massentierhaltung schadet der Umwelt. Alle Familienmitglieder können ihr Verhalten prüfen und zum Beispiel Strom und Wasser sparen, öfter das Auto stehen lassen und mit dem Rad fahren oder zu Fuß gehen. Übrigens: Auch der Anbau von Sojabohnen ist alles andere als nachhaltig.

Mehr Bewegung einbauen:
Eine gesunde Lebensweise ist auch unweigerlich mit Bewegung verbunden. Familien können vermehrt Wanderungen oder Ausflüge unternehmen. Als Familie zusammen Sport zu treiben, ist gesund, macht Spaß und verbindet.

Gemeinsam kochen:
Eltern und Lehrer können Kinder verstärkt beim Kochen und der Essensplanung mit einbeziehen, damit sie einen Bezug zu dem bekommen, was sie essen. Das geht mit frischen Produkten am besten. Auch in Schulen können sich Schüler im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften oder dem Hauswirtschaftsunterricht an der Zubereitung des Mittagessens beteiligen und mit Salaten oder einem Dessert den Mittagstisch ergänzen.

 

 

Rezepte

Beeren-Mandel-Quark (vegetarisch):
Zutaten: 250g Beeren, 2 EL Honig, 250g Magerquark, 50g gem. Mandeln, 80 ml Sahne, Zitronensaft.
Die Beeren mit dem Honig pürieren. Den Quark mit den Mandeln verrühren, die Sahne steif schlagen und unterziehen. Mit Zitronensaft abschmecken. Quark und Beerenmasse abwechselnd schichten.

Bulgursalat mit Roter Beete (vegan):
Zutaten: 500g Rote Beete, 200g Bulgur, 1 Salatgurke, 1 Apfel, 1 Frühlingszwiebel, 3 EL Zitronensaft, 4 EL Olivenöl, Jodsalz, Pfeffer, Petersilie, Minze.
Rote Beete im Ganzen bissfest garen. Bulgur mit 300 ml kochendem Wasser übergießen und ausquellen lassen. Die Gurke vierteln, die Samenstränge herausschneiden und beiseitelegen, Fruchtfleisch fein würfeln. Apfel und Frühlingszwiebel fein schneiden. Die Gurkensamen mit Zitronensaft und Öl pürieren. Rote Beete abziehen und fein würfeln. Bulgur und Gemüse in einer Salatschüssel mischen, das Dressing unterheben und den Salat mit Salz, Pfeffer und Kräutern abschmecken.

Veganes Mett (Brotaufstrich): ca. 100g einfache Naturreiswaffeln, drei Zwiebeln (Größe nach Geschmack), etwa 350 ml kaltes Wasser, 50 g Tomatenmark, eine Knoblauchzehe, Salz,Pfeffer, Paprikapulver
Die Reiswaffeln per Hand fein zerbröseln und in eine Schüssel geben. Das Wasser nach und nach dazugeben – zu Beginn lieber etwas weniger nehmen. Die Masse sollte die Konsistenz wie ein Brotaufstrich haben. Dann die Zwiebeln und den Knoblauch sehr klein hacken und ebenfalls dazu geben. Für die Farbe etwa 40 Gramm Tomatenmark untermischen, ordentlich Salz, Pfeffer und Paprika nach Geschmack dazu. Zwischendurch immer mal wieder abschmecken! Das Ganze gut durchrühren; falls das “Mett” noch zu hell ist, mehr Tomatenmark untermischen. Sechs Stunden, besser noch über Nacht im Kühlschrank durchziehen durchziehen lassen. Hält sich ca. zwei bis drei Tage.