Diözesanbibliothek zeigt Ausstellung über Glaubenszeugen

Was uns die Vorbilder mitgeben

Früher studierten in der Osnabrücker Diözesanbibliothek die angehenden Priester, darunter auch die Lübecker Kapläne. Jetzt will Bibliotheksleiterin Gisela Birke die Räume einem größeren Publikum öffnen: für eine Ausstellung über religiöse Vorbilder. Damit verbindet sie das „Jahr des Aufatmens“ mit dem „Heiligen Jahr der Barmherzigkeit“.

 

Gisela Birke blättert gern in alten Büchern. Hier findet sie
Material über Menschen, die den Glauben überzeugend
gelebt haben. Fotos: Matthias Petersen

Es gibt so viele Berichte über dunkle Seiten der Kirche. „Dabei haben wir in den Vorbildern des Glaubens doch einen großen Schatz“, sagt Gisela Birke. Zu diesen Vorbildern zählt sie zum Beispiel die Patrone des Doms, die heiligen Crispin und Crispinian. Oder Pater Hermann Franz Glandorp, der im 17. Jahrhundert bei den Eingeborenen Mittelamerikas missionierte und schon damals der anderen Lebensart mit Respekt und Wertschätzung entgegentrat. Oder Johann Mathias Seling, dem Pfarrkaplan der Osnabrücker Pfarrei St. Johann, der im 19. Jahrhundert Spinnstuben für arbeitslose Jugendliche einrichtete und dabei nicht nur Katholiken förderte. Oder Bruder Otger Schäper, der vor über 20 Jahren in Osnabrück eine Wärmestube für Bedüftige einrichtete. Oder Frauen wie Barbara Al­brecht und Isa Vermehren, die als Theologinnen so bescheiden und behutsam handelten. Oder eben die Lübecker Märtyrer, die 1943 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurden.

Birke will die Geisteshaltung dieser Menschen zeigen, ihr geistliches Fundament, ihre Spiritualität. „Sie alle haben die Barmherzigkeit Gottes erfahren und weitergegeben, sie sind dem Ruf Gottes in der Heilsgeschichte nachgegangen“, sagt sie. Zu sehen sind nicht nur Bilder und Texte der behandelten Personen, sondern stellvertretend für die Heilsgeschichte auch Darstellungen aus dem Dom – die der „Kundschafter“ vor dem Tabernakel oder die Türgriffe am Brautportal, wo auf der einen Seite der Sündenfall zu sehen ist, auf der anderen das Zeichen der Erlösung.
 

Vom Missionar in Mexiko über den sozial eingestellten Osnabrücker
Kaplan bis zum christlichen Politiker reicht die Liste derer, über die
die Ausstellung in der Diözesanbibliothek informiert.

Eine Ausstellung bietet für Gisela Birke die Gelegenheit, die Diözesanbibliothek im zweiten Stock des Priesterseminars einmal für ein größeres Publikum zu öffnen. Knapp 70 000 Bände lagern hier, Osnabrück hat damit eine der kleinsten Diözesanbibliotheken bundesweit. Zum Vergleich: In Münster lagern fast zehn Mal so viele Bände. „Dafür geht es bei uns sehr persönlich zu“, sagt Birke. Da könne schon mal jemand anrufen und sich zunächst erkundigen, welche Literatur denn zu seinem Thema passe. In erster Linie wird die Bibliothek für theologische Studien genutzt. „Aber hier wird auch jeder fündig, der Fragen an den Glauben hat und auf der Suche ist“, sagt Birke, die seit 1979 in Osnabrück tätig ist.

Auch in Zeiten des Internets hält sie eine Bibliothek für unverzichtbar. „Wir bekommen Anfragen von Nutzern, die sehr viel im Internet arbeiten, die aber trotzdem nicht immer an ihr Ziel kommen.“ Nur mit gedruckter Lektüre wachse mit der Zeit ein siebter Sinn für die Recherche. „Da entdecke ich dann eine Entwicklung, stoße vielleicht auf Namen, da bekommt ein Thema plötzlich Leben. Das habe ich im Internet nicht“, sagt Birke. Und noch etwas: Mag das Internet auch unbegrenzte Möglichkeiten bieten – „aber bei Wikipedia weiß ich nie genau, ob die Einträge überhaupt stimmen.“

Matthias Petersen

 

Die Ausstellung in der Diöze­sanbibliothek ist vom 15. Februar bis 18. Mai zu sehen. Das Priesterseminar befindet sich in der Großen Domsfreiheit 5/6.
Öffnungszeiten:
Montag bis Mittwoch: 8.30 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 17 Uhr.
Donnerstag: 8.30 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 18 Uhr.
Freitag: 8.30 bis 12.30 Uhr und 14 bis 17 Uhr.
Weitere Termine sind nach Absprache möglich, auf Wunsch werden auch gern Führungen angeboten.
Kontakt: Telefon 05 41/31 84 70; E-Mail:
db@bistum-os.de

Domkapitular Ansgar Lüttel gibt am Sonntag, 21. Februar, im Priesterseminar eine Einführung in die Ausstellung. Beginn ist um ca. 11 Uhr. Zuvor ist um 10 Uhr im Dom das Kapitelsamt.