31.08.2017

Historische Schnitzeljagd

Was wurde aus dem Brüderpaar?

Eine elektronische Schnitzeljagd führt zu Informationen an Orten, an denen Zwangsarbeiter eingesetzt waren. Die sogenannten Geocaches sollen Jugendlichen historische Fakten näherbringen.

Charlotte Goldmeyer und Jakob Lohmüller erklären Geocaching zum Thema Zwangsarbeit. Erstellt wurden die Touren von Michael Pittwald und Lars Schraer (hinten v. l.). | Foto: Stefan Buchholz

Geocaching-Touren zu Orten der Zwangsarbeit im Osnabrücker Land haben Michael Pittwald und Lars Schraer entwickelt und mit Jugendlichen getestet. Schüler der Realschule Georgsmarienhütte und der IGS Osnabrück durften die Routen erproben. In einem Waldstück des Osnabrücker Wandergebiets Schölerberg zeigten Charlotte Goldmeyer und Jakob Lohmüller, wie der Schatz gefunden werden kann.

Charlotte tippt auf einem GPS-Gerät Koordinaten für eine Station an. Mit der Angabe von Längengraden, Stunden und Minuten kann nun über Satellit der genaue Standort der zu suchenden Station ermittelt werden. Nach wenigen Metern steht Charlotte auf Fundamenten. Sie gehörten während des Zweiten Weltkrieges zu einem „Krankenhaus“ für Zwangsarbeiter.

Jakob zeigt, was im Begleitheft zu diesem Standort geschrieben ist: dass Zwangsarbeiter ab 1943 nicht mehr in einem Krankenhaus mit Deutschen behandelt werden sollten. Geschildert wird auch die Geschichte von einem niederländischen Brüderpaar, das als Zwangsarbeiter im Winter 1944/45 ins „Ausländerkrankenhaus“ kamen. Die beiden Brüden starben kurz hintereinander an Diphterie und der Ruhr.

Lösung führt zu richtigen Koordinaten

An jeder Station gilt es außerdem, eine Aufgabe zu lösen. An der Station „Ausländerkrankenhaus“ soll geschätzt werden, wie lang das Fundament ist. Drei mögliche Antworten werden vorgegeben, nur eine ist richtig. Hat man, wie in diesem Fall korrekt, auf 15 Meter getippt, notiert man sich „K=67“. Diese Ziffer-Zahlenkombination braucht es, um am Ende eine Koordinate zu errechnen, die zu einem Schatz – den Geocache – führt.

„Wir hoffen, über das Geocaching Gruppen anzusprechen, die sich erst einmal nicht für das Thema Zwangsarbeit während des Krieges interessieren“, sagt Michael Gander, Geschäftsführer der Gedenkstätten Augustaschacht und Gestapokeller. In seinem Auftrag haben Michael Pittwald (Servicebüro Geschichte) und Lars Schraer (Cache4
you) drei Geocaches zum Thema Zwangsarbeit entworfen und umgesetzt.

Diese moderne Art der Schnitzeljagd führt zu Orten, an denen während des Weltkrieges bis zu 25 000 Zwangsarbeiter schufteten und lebten; Hunderte von ihnen starben. An den jeweiligen Stationen sind oft auch sogenannte QR-Codes angebracht. Sie lassen sich via Smartphone einscannen und ermöglichen weiterführende Informationen zu Einzelschicksalen.

„Mich haben am meisten die Einzelschicksale beeindruckt“, sagt  Jakob Lohmüller, der in der Testphase dabei war. Manche Orte hätte er ohne die Tour nie entdeckt, bekannte Orte hätten nun einen neuen Bezug für ihn, so der Schüler. Die Realschule Georgsmarienhütte will die satellitengestützte Spurensuche in den Unterricht einbauen.

Finanziert durch Sponsorengeld

27 000 Euro brauchte es, um das Projekt an den Start zu bringen. Geld gab es von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, der Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück, dem Landschaftsverband Osnabrück und der Sparkasse Osnabrück.

Zielgruppen des Angebots sind Schüler ab Klasse 9 sowie Jugendgruppen und Familien. Die Touren sind ausschließlich über die Gedenkstätte Augustaschacht buchbar und kosten 30 Euro. Darin enthalten sind leihweise auch die handlichen GPS-Geräte.

Stefan Buchholz

Informationen und Buchung unter Telefon 0 54 05/8 95 92 70