03.01.2018

Prozessbeginn vor 75 Jahren

"Weiße Rose" steht für Freiheit und Toleranz

75 Jahre ist es her, dass es zu den Prozessen gegen die Mitglieder der NS-Widerstandsgruppe "Weiße Rose" und zu deren Hinrichtungen kam. Außerdem wären Hans Scholl und Willi Graf 2018 hundert Jahre alt geworden.

Vor der Ludwig-Maximilians-Universität München erinnern Flugblätter an die studentische Widerstandsgruppe "Weiße Rose", der unter anderen Sophie Scholl angehörte. (Foto: kna)

Die Weiße-Rose-Stiftung in München will die Jahrestage zum Anlass nehmen, um an den Widerstand der Studenten zu erinnern, sagte die Vorsitzende Hildegard Kronawitter der "Münchner Kirchenzeitung". Vor allem aber gehe es darum, zu zeigen, "was uns dieser Widerstand heute sagen kann".

Viel mehr als früher steht laut Kronawitter inzwischen die Frage im Zentrum, für was die "Weiße Rose" stehe. Die Antwort darauf laute: für Freiheit, Gerechtigkeit, Toleranz, für die Verantwortung des Einzelnen. "Wir erleben derzeit, dass Rassismus wieder zum Thema wird, es auch nicht mehr selbstverständlich ist, für die Freiheit der Andersdenkenden einzutreten", so die Stiftungsvorsitzende. Die "Weiße Rose" stehe letztlich also überzeugend für jene Werte, die die Demokratie bedingten.

Justiz muss von der Politik unabhängig sein

Ein wichtiges Anliegen der Stiftung im Gedenkjahr sei, auch die Rolle der NS-Justiz und die von ihr verhängten Urteile gegen die "Weiße Rose" zu thematisieren. Das damalige Gerichtswesen sei Instrument des NS-Terrors gewesen. Es gehe darum, zu zeigen, wie wichtig eine von der Politik unabhängige Justiz sei. In einigen europäischen Ländern sei dies derzeit leider zum aktuellen Thema geworden, sagte Kronawitter.

Kronawitter verwies auf eine Veranstaltung der Katholischen Akademie in Bayern, die sich am 21. März mit den religiösen Wurzeln der Hauptprotagonisten der Gruppe befassen wird. Bereits am Dienstagabend fand ein Gedenkgottesdienst zum 100. Geburtstag von Willi Graf in der Münchner Jesuitenkirche Sankt Michael statt. Dabei wurde offiziell eine Voruntersuchung eröffnet, in der sich Theologen und Historiker mit dem Leben und den Schriften Grafs befassen. Denn das Erzbistum München und Freising will prüfen, ob für ihn die Möglichkeit einer Seligsprechung besteht.

Die Russisch-Orthodoxe Kirche hat bereits 2012 Alexander Schmorell, deutsch-russischer Student und ebenfalls Mitglied der Gruppe "Weiße Rose", heiliggesprochen. Er starb mit 25 Jahren 1943 unter dem Fallbeil in München-Stadelheim.

kna